Tagebuch

Kaos benötigt Unterstützung

Achim Leoni

Man tut den Londonern kein Unrecht, wenn man ihnen eine Kaos-Organisation nachsagt. Im Norden der Stadt residiert tatsächlich eine Stiftung dieses Namens, die sich der Förderung künstlerischer und kultureller Jugendaktivitäten verschrieben hat.

Die Kaos-Organisation hat es durch die Olympischen Spiele zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Bei der Eröffnungsfeier am 27. Juli hat der stiftungseigene Chor für hörende und gehörlose Kinder und Jugendliche vor den Augen Ihrer Majestät der Königin die Nationalhymne in gesungener und in Gebärdensprache zum Besten gegeben. Die Performance der 84 jungen Menschen in Pyjamas ging leider ein wenig unter, weil etwa 60 000 Menschen im Stadion einfach mitsangen.

Das zumindest sollte sich am 26. August nicht wiederholen. Anlässlich der Eröffnung der Paralympics tritt der Kaos Signing Choir noch einmal auf, dann aber mit einem Lied aus dem eigenen Repertoire namens "Respect". Falls es den Chor dann noch geben sollte.

Denn jetzt hat Suzy Davies, die Gründerin und musikalische Leiterin des 200 Mitglieder umfassenden Vereins, enthüllt, dass sich die finanziellen Rücklagen auf ganze 400 Pfund Sterling belaufen. Um Spenden wird dringend gebeten, andernfalls droht dem Kaos Signing Choir das Aus.

Davies versicherte aber, dass dies nichts mit dem Auftritt bei der Eröffnungsfeier zu tun habe. Als Gage hatten die Organisatoren den Transport zum Stadion in zwei Doppeldeckerbussen sowie einige Kartons mit belegten Broten springen lassen. Dabei sein ist schließlich alles.

Für alle Mitwirkenden der Show galt das olympische Motto offenbar nicht. Insgesamt hat sie 34 Millionen Euro verschlungen.