Farah krönt den perfekten Moment

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Britischer Langstreckenläufer gewinnt die 10 000 Meter und sorgt für Jubelstürme seiner Landsleute

London. Mo Farahs hochschwangere Frau Tania nahm ihren Helden auf der roten Kunststoffbahn in den Arm. Ehefrau und Töchterchen waren in den Innenraum gelaufen, um als Erste dem Langstreckenläufer zum Sieg beim 10 000-Meter-Rennen zu gratulieren. Wenige Minuten zuvor hatte es die 80 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena nicht mehr auf ihren Sitzen gehalten. Sie kreischten, jubelten, klatschten und sorgten damit für ohrenbetäubenden Lärm.

In 27:30,42 Minuten triumphierte der 5000-m-Weltmeister und WM-Zweite über 10 000 Meter vor dem US-Amerikaner Galen Rupp (27:30,90) und Tariku Bekele aus Äthiopien (27:31,43). Dessen Landsmann Kenenisa Bekele erreichte Platz vier. Der Doppelolympiasieger und Doppelweltrekordler über beide Langstrecken war nach langer Verletzungspause schon 2011 bei der WM in Daegu leer ausgegangen. Er hatte in London auf den ersten Hattrick der Olympiageschichte über 10 000 Meter gehofft. Zwei Siege hatten vor ihm Paavo Nurmi, Emil Zapotek, Lasse Viren und Bekeles Landsmann Haile Gebrselassie geschafft.

Der Sieg von Mo Farah war das perfekte Happy End des "Super Saturday" in der britischen Leichtathletik. Es war der von den Briten ersehnte "signature moment" der Spiele, ein Abend, der sich in der Erinnerung der Menschen halten wird. Von "Our finest Olympic Hour", schrieb die "Sunday Times". Londons Olympiachef Sebastian Coe behauptete, dies sei die "großartigste Nacht des Sports" gewesen.

Innerhalb von 45 Minuten bescherten Siebenkampf-Queen Jessica Ennis, Weitspringer Greg Rutherford und Farah den Gastgebern einen Goldrausch. Gefeiert von einem Publikum, dem es abwechselnd kalte Schauer über den Rücken und Tränen der Rührung in die Augen jagte, sorgte das Trio für Momente, die noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Nur Olympia kann so etwas. Deutschland erlebte das am 3. September 1972 in München.

Am sogenannten Goldenen Sonntag holte erst Heide Rosendahl kurz nach 17 Uhr Silber im Fünfkampf, in der folgenden Stunde gewannen 800-m-Läuferin Hildegard Falck, Klaus Wolfermann mit dem Speer und 50-km-Geher Bernd Kannenberg Gold. Cathy Freemans Sieg über 400 Meter in Sydney 2000 ließ Australien enger zusammenrücken.

( (dpa/sid) )