Der Nichtangriffspakt von Barmbek

Hockeyherren von HTHC und UHC stellen beim Stand von 6:6 das Offensivspiel ein

Hamburg. Eineinhalb Minuten waren am Sonnabend noch zu spielen in einem denkwürdigen Hockeyspiel, als Patrick Breitenstein Szenenapplaus bekam. Gerade hatte sich der Abwehrchef des Uhlenhorster HC einmal um die eigene Achse gedreht und damit für mehr Bewegung gesorgt, als beide Teams den Zuschauern in den vier vorangegangenen Minuten geboten hatten. Weil Breitenstein sich im Anschluss an seine Pirouette erneut damit begnügte, sich den Ball mit seinem Defensivpartner Alexander Perdoni hin- und herzuspielen, und die Gegner vom Harvestehuder THC auch keine Anstalten machten, die beiden an ihrem Vorhaben zu hindern, endete die Partie 6:6.

Es war ein Ergebnis, mit dem beide Teams leben können - sofern das Kalkül, das zum fünfeinhalbminütigen Nichtangriffspakt geführt hatte, aufgeht. Da Tabellenführer UHC (17 Punkte) und der HTHC als Zweiter (16) das deutlich bessere Torverhältnis gegenüber dem Club an der Alster (16) haben, können sie am kommenden Wochenende die Qualifikation fürs Viertelfinale perfekt machen und den Titelverteidiger in die Röhre schauen lassen. Die drei Topteams spielen nicht mehr gegeneinander, sodass Alster auf einen Patzer der Konkurrenten hoffen und gegen Großflottbek und in Hannover gewinnen muss. Der UHC spielt gegen die als Absteiger so gut wie feststehenden Rissener und in Flottbek, der HTHC gegen Hannover und in Rissen.

"Wir hatten uns vor dem Spiel abgesprochen, dass wir nicht mehr angreifen, wenn es kurz vor Schluss unentschieden steht", sagte HTHC-Eckenspezialist Sebastian Feller. Gleiches hatte sich auch der UHC vorgenommen. Dass sich Spieler und Verantwortliche Alsters über derlei Absprachen ereiferten, überraschte nicht. Vergleiche mit der "Schande von Gijon", bei der sich die Fußball-Nationalteams Deutschlands und Österreichs bei der WM 1982 in Spanien gegenseitig in die Zwischenrunde verhalfen, verboten sich dennoch. 54 Minuten lang hatten sich die Teams ein leidenschaftliches und streckenweise hochklassiges Duell geliefert, das mit dem 6:6 letztendlich ein gerechtes Resultat hervorbrachte, auch wenn UHC-Präsident Horst Müller-Wieland "solch kuriose fünfeinhalb Minuten noch nie erlebt" hatte.

"Wenn ein Team wie wir, das die gesamte Saison das offensivste Hockey spielt und damit zweimal naiv scheitert, auch mal fünf Minuten strikt defensiv steht, ist das wohl okay", sagte HTHC-Coach Christian Blunck, der seinem Team nach der Partie jedoch sofort ins Gewissen redete. "Ich habe den Jungs gesagt, dass wir noch nicht durch sind. Aber wenn wir uns das Viertelfinale jetzt noch nehmen lassen, dann haben wir es auch nicht verdient", sagte er.

Etwas weniger spannend als bei den Herren wird das abschließende Doppelwochenende bei den Damen. Dort steht der Club an der Alster nach einem 5:2-Sieg beim Klipper THC als Nordmeister ebenso fest wie der Hamburger Polo Club als Absteiger. Die UHC-Damen verpassten allerdings durch ein 6:6 (2:6) beim HTHC die vorzeitige Viertelfinal-Qualifikation und müssen in den Spielen gegen Klipper und Polo den Dreipunkte-Vorsprung auf Eintracht Braunschweig ins Ziel bringen. Dafür spielten sie nach einer indiskutablen ersten Halbzeit immerhin bis zum Ende auf Angriff ...