Dem Hamburger Schachklub droht das Matt

Hamburg. Zwischen Weihnachten und Neujahr kämpfen gleich vier Jugendmannschaften des Hamburger Schachklubs in verschiedenen Altersklassen um die deutsche Meisterschaft. Alle Teams haben Aussichten auf den Titel. In der Bundesliga dagegen droht dem ältesten und größten deutschen Schachverein das erste Mal seit seiner Gründung im Jahre 1830 die Rochade in die Zweitklassigkeit. Nach fünf von 15 Spieltagen steht das Oktett auf Platz 13 (von 16), einem Abstiegsrang.

Schon seit Jahren spielt der HSK mit Bauern gegen Figuren. Der Etat ist mit 30 000 Euro der zweitkleinste der Liga, Meister Baden-Baden lässt sich seine Großmeisterriege um den indischen Weltmeister Viswanathan Anand rund 200 000 Euro kosten, Tabellenführer Werder Bremen ist nicht weniger spendabel. Insgesamt gibt die Bundesliga, die stärkste Schachklasse der Welt, mehr als eine Million Euro für ihren Spielbetrieb aus. Das ist Rekord.

Dem HSK fehlen nicht nur zahlungskräftige Sponsoren, ihm gehen auch regelmäßig die eigenen Talente vom Brett. Großmeister Jan Gustafsson, 32, zieht jetzt für ein paar Euro mehr für Baden-Baden, der einstige Vorzeigespieler Matthias Wahls, 33, hat es sich nach einem finanziell erfolgreichen Ausflug ins Pokergeschäft in Südspanien bequem gemacht. Der 19 Jahre alte Großmeister Niclas Huschenbeth wiederum bevorzugte zuletzt einen gut bezahlten Auftritt als Entertainer auf der Kreuzfahrt des ZDF-"Traumschiffs" MS "Deutschland" nach Brasilien. Andere haben nach Abschluss ihres Studiums und dem Einstieg ins Berufsleben kaum noch Zeit, Schachturniere zu spielen oder -Varianten zu analysieren. Darunter leidet ihre Form.

Für das Engagement ausländischer Großmeister sind nur begrenzt Mittel vorhanden. Die Folgen sind in der Tabelle abzulesen. Christian Zickelbein, der Vorsitzende des HSK, wird dennoch nicht müde, neue Geldquellen zu erschließen. Er veranstaltet seit Jahren Schachwochen in Hamburger Einkaufszentren und gründete jetzt die Schachschule Hamburg. "Wir brauchen ein größeres Netzwerk", sagt Zickelbein. Für den Abstiegskampf droht diese Initiative zu spät zu kommen.

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