Olympia 2018 - die Entscheidung in Durban

München, Pyeongchang oder Annecy: Wer darf ran?

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Schöne Frauen und ganz viel Geld – was beim IOC wirklich über den Olympia-Ausrichter entscheidet. Stimmen Sie ab, wer morgen jubeln darf!

Durban. Katarina Witt bleibt Optimistin. „Wenn wir gewinnen“, sagt die Frontfrau der Münchner Olympiabewerbung für 2018 vor der Entscheidung am Mittwoch in Durban, „dann hat das beste Konzept gewonnen.“ Leider ist das bei Abstimmungen um Olympische Spiele fast nie der Fall. Bei vielen der 110 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) beeinflussen ganz andere Faktoren die Entscheidung – mal sind es schöne Frauen, mal die Geopolitik und fast immer ganz viel Geld.

So ist es ganz sicher kein Zufall, dass am Montag der südkoreanische Fernsehsender SBS beim IOC die teuren TV-Rechte für die Olympischen Spiele bis inklusive 2024 erwarb – für eine so lange Zeitspanne wie kein anderes Land auf der Welt. Münchens Erzrivale Pyeongchang lässt offen durchblicken, dass Geld für die südkoreanische Bewerbung kein Problem ist. Für 1,5 Milliarden US-Dollar wurde das Alpensia-Ressort mit olympischen Sportstätten in die Pampa gebaut, die Schnellbahnverbindung vom Flughafen Seoul-Incheon verschlingt ebenfalls Milliarden und für das „Traum-Sportförderprogramm“ wurden mal eben 500 Millionen Dollar bewilligt.

Es ist natürlich auch kein Zufall, dass der südkoreanische Großkonzern Samsung zugleich IOC-Topsponsor und wichtigster Förderer der Bewerbung von Pyeongchang ist. Bewerbungschef Cho Yang Ho bügelt alle Kritik ab: „Wir haben 90 Prozent Unterstützung in der Bevölkerung Südkoreas. Alle Firmen unterstützen uns. Und Samsung ist eine von ihnen.“ Eine, die sich fast alles kaufen kann, aber eben nur fast. Vor vier Jahren bei der Vergabe der Winterspiele 2014 in Guatemala scheiterte sie an einem noch mächtigeren Gegner – Gazprom und Russlands Präsident Wladimir Putin.

Der ließ mit Frachtmaschinen gleich mal einen kompletten Eislaufpalast nach Amerika einfliegen – und überzeugte bei einem (verbotenen) Dinner am Vorabend der Wahl wichtige IOC-Mitglieder. Auf der Strecke blieb damals neben Pyeongchang auch Salzburg, die genau wie diesmal München das authentischste Konzept angeboten hatten. Verbürgt ist der „Verkauf“ der Winterspiele 2002 an Salt Lake City. 2006 fanden die Spiele in Turin statt, und im Hintergrund zog der Fiat-Konzern mit dem superreichen Agnelli-Clan die Fäden.

Wohl keine Chancen hat der französische Bewerber Annecy. Skeptiker rechen beim finalen Votum an diesem Mittwoch mit einem Trostpreis von maximal 20 Stimmen – und dem Aus in der ersten Wahlrunde. Sogar Annecys Bewerbungschef Charles Beigbeder strahlt nicht unbedingt Zuversicht aus. „Es wird schwer, wir sind bescheiden, aber wir werden alles geben“, erklärte der smarte Politiker vor der Weltpresse und versprach dennoch „fantastische Spiele“ in der Mont Blanc-Region. Der Präsentationspavillon der Franzosen am Indischen Ozean ist olympiareif, die Kandidatur ist es nicht.

So richtig reibungslos lief beim Außenseiter wenig. Zuerst war das Geld knapp und die Kandidatur konfus. Nach der Gelben Karte durch das Internationale Olympische Komitee im Juni 2010 hatten die Franzosen wieder bei Null anfangen müssen. Das IOC hatte kritisiert, dass Annecys Planer zu viele und zu weit auseinander liegende Standorte in ihr Konzept aufgenommen hatten.

Dass Bestechlichkeit nicht nur beim Fußball-Weltverband Fifa ein Problem ist, zeigen die Ermittlungen der Ethikkommission gegen drei prominente IOC-Mitglieder. Fifa-Ehrenpräsident Joao Havelange ist immerhin nicht zur Wahl des Ausrichters von Olympia 2018 Durban gereist. Aber Lamine Diack, Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) und Fifa-Vizepräsident Issa Hayatou werden mitentscheiden, ob ein Wintermärchen 2018 in München wahr wird. Nach IOC-Angaben werden sechs Mitglieder bei der Vollversammlung in Südafrika fehlen; der 95 Jahre alte ehemalige Fifa-Präsident Joao Havelange aus Brasilien, der Ägypter Mounir Sabet, die erkrankten James Easton (USA) und Alpha Ibrahim Diallo (Guinea) sowie der Inder Raja Randhir Singh und der saudische Prinz Nawal Faisal Fahd Aboulaziz. Somit stimmen am Mittwoch 96 der 110 Mitglieder ab.

Das einflussreiche IOC-Mitglied Gian-Franco Kasper weiß, dass die Fakten oft nicht die entscheidende Rolle spielen. „Das ist eine menschliche Wahl, da spielen menschliche Faktoren eine Rolle. Das kann die Sympathie für ein Bewerberteam sein. Ein guter Freund an der Spitze des Bewerbungskomitees, dem ich meine Stimme gebe“, sagt der Präsident des Weltskiverbandes FIS: „Oder halt eine charmante Dame.“ Manchmal kann es in der überalterten Riege der höchsten Olympier auch die Zusicherung kostenloser ärztlicher Hilfe sein. Ein Studium für die Kinder oder der beste Platz zum Einkaufen für die Ehefrau. Offiziell wird das natürlich niemand zugeben.

Außerdem spielt die Geopolitik immer im Hintergrund eine Rolle. Für die Winterspiele 2022 will sich die Schweiz bewerben, das Land mit den meisten IOC-Mitgliedern. Für die Sommerspiele 2020 Rom und vielleicht auch Madrid – den Entscheidern aus diesen drei Ländern kämen Winterspiele 2018 in München ungelegen, weil man beim IOC bei aufeinanderfolgenden Wahlen den Zuschlag gern an unterschiedliche Kontinente verteilt.

Aus dieser Sichtweise ergibt sich – so zynisch das klingen mag – ausgerechnet aus dem Tsunami und der Atomkatastrophe von Fukushima große Hoffnung für München. Tokio hat seine Kandidatur für die Sommerspiele 2020 als Symbol des Wiederaufbaus angekündigt. Nicht wenige rechnen damit, dass das IOC dem Wunsch nachkommt. Ein Zuschlag für Pyeongchang 2018 wäre dafür allerdings kontraproduktiv – und am Ende könnte mit München doch noch das „beste Konzept“ gewinnen. Wenn auch nicht aus diesem Grund ... (dapd/dpa)

Der Tag der Olympia-Entscheidung in Durban

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergibt an diesem Mittwoch im südafrikanischen Durban die Winterspiele 2018. München konkurriert mit dem südkoreanischen Pyeongchang und Annecy in Frankreich um den Zuschlag. Der Ablauf am Tag der Entscheidung:

8.30 Uhr: Eröffnung der 123. IOC-Session durch Präsident Jacques Rogge im Convention Center von Durban.

8.45 Uhr: Abschlusspräsentation von München.

10.25 Uhr: Präsentation von Annecy.

12.05 Uhr: Präsentation von Pyeongchang.

14.45 Uhr: Bericht der IOC-Evaluierungskommission.

15.20 Uhr: Testwahl der IOC-Mitglieder.

15.35 Uhr: Wahl der Olympiastadt 2018 für die XXIII. Winterspiele. Es gibt bei drei Kandidaten maximal zwei Wahlgänge.

17.00 Uhr: IOC-Präsident Rogge verkündet den Gewinner.

18.00 Uhr: Unterzeichnung des Ausrichtervertrages durch die siegreiche Stadt und anschließend Pressekonferenz mit dem IOC.