Horner Derbywoche

Lucas Cranach: Der Letzte wurde zum Ersten

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Rainer Grünberg und Jens Meyer-Odewald

Foto: Roehrbein, Ingo (Hamburg, DEU) / Roehrbein, Ingo (Hamburg, DEU)/Roe

Beim Hansa-Preis lief Mitfavorit Lucas Cranach allen davon - Favorit Russian Tango wurde Vorletzter. Es herrschte eine tolle Atmosphäre.

Hamburg. Der Aufgalopp wurde erfolgreich bewältigt. Schönes Wetter, packende Einläufe, ein guter Besuch, steigende Wettumsätze und sportliche Festtagsstimmung waren die Mixtur eines formidablen Starts in die Horner Derbywoche. "So kann's weitergehen", bilanzierte Renn-Club-Präsident Eugen-Andreas Wahler mit Blick auf die folgenden vier Veranstaltungstage mit dem 142. Deutschen Derby als Höhepunkt am kommenden Sonntag.

Zum erfolgreichen Turf-Wochenende trug die Aktion des Hamburger Abendblatts bei, Lesern mit Coupon gestern freien Eintritt zu verschaffen und das Abendblatt-Rennen mit einem kostenlosen Gewinnspiel sowie attraktiven Preisen zu würzen. Alles dazu steht auf Seite 9 dieser Ausgabe.

Um 17.37 Uhr am Sonntag bebte das Hippodrom. Wegen des Hufgetrommels auf dem Grasgeläuf, aber auch wegen der Begeisterung auf Sattelplatz und Haupttribüne. Als das achtköpfige Feld im Großen Preis von Lotto Hamburg (Hansa-Preis) in die Zielgerade galoppierte, herrschte eine Atmosphäre, die auswärtige Gäste den Hanseaten eigentlich nicht zutrauen.

Und als dann noch der Letzte zum Ersten wurde, applaudierten auch jene, die aufs falsche Pferd gesetzt hatten. Den Großteil des über 2400 Meter führenden Gruppe-II-Rennens im Hintertreffen liegend, machte Lucas Cranach 500 Meter vor dem Ziel mit gewaltigen Galoppsprüngen Boden gut, überrollte das Feld und sicherte sich den Sieg leicht mit dreieinhalb Längen. "Eigentlich mag der Hengst schnelle Rennen, um dann am Schluss Gas zu geben", sagte Jockey Eugen Frank nach dem Coup. Da das Tempo indes moderat war, habe er Lucas Cranach schon "ein wenig motivieren" müssen. Dieser taktische Husarenstreich glückte ihm derart meisterhaft, dass der lange führende Durban Thunder unter Terry Hellier nur auf den zweiten Platz kam. Dritter wurde der norwegische Gast Sir Lando.

Im Anschluss an die Preisvergabe, zur Freude der Zuschauer wieder im gut einsehbaren Absattelring zelebriert, erklang Deutschlands Nationalhymne. Es war klar: Das nach dem Derby wichtigste Rennen der Woche war von einem Galopper gewonnen worden, der mit seinen vier Jahren noch längst nicht sein ganzes Können demonstriert hat.

Das Besitzerehepaar Erika und Günther Müller aus Neuss konnte das Glück kaum fassen: "Ein Traum ist für uns wahr geworden". 42 000 Euro in dem mit insgesamt 75 000 Euro dotierten Traditionsrennen steigerten die gute Laune zusätzlich. 102 900 Euro hat der Hengst nun mit seinen fünf Siegen verdient. Während des Derbymeetings 2010 hatte der im Gestüt Graditz gezogene Vollblüter in einer bedeutungslosen Sieglosenprüfung den zweiten Start seines Lebens absolviert. Und nun das! Zwei gute Resultate in Paris und Lyon hatten die erhebliche Formsteigerung angedeutet. Trainer Sascha Smrczek aus Düsseldorf, einer der Aufsteiger der letzten Jahre, will den Triumphator von Horn nun im September im Bosporus-Cup in Istanbul laufen lassen.

Des einen Freud, des anderen Leid: Der Favorit Russian Tango, der Derby-Dritte von 2010, aus dem Rennstall des Kaffeekaufmanns Albert Darboven, blieb mit dem vorletzten Rang bei acht Startern deutlich unter den Erwartungen. Andererseits konnte sich Championreiter Eduardo "Eddie" Pedroza trotz der sportlichen Enttäuschung freuen. Vier Rennen zuvor war der Panamese von seinem Pferd Slowfoot abgeworfen und auf die Bahn katapultiert worden. Verletzt wurde er nicht.

Während Jockey Adrie de Vries mit der Siegentscheidung des Hauptrennens gestern nichts zu tun hatte und auf dem Schlenderhaner Solidaro nur Letzter wurde, zeigte er der Konkurrenz am Tag zuvor die Hufeisen: Im Gedächtnisrennen für den langjährigen Renn-Club-Präsidenten Franz-Günther von Gaertner (55 000 Euro, Gruppe III) gewann er im Sattel des 20:10-Favoriten Alianthus souverän vor den Außenseitern Le Big sowie Sanjii Danon. Da der hocheingeschätzte Emerald Commander aus England nur Vierter wurde, freuten sich die erfolgreichen Wetter über eine Dreierwettquote von 2538:10 Euro.

Der gute Besuch mit 12 500 Zuschauern an beiden Eröffnungstagen und im Gegensatz zur tropischen Hitze des Vorjahres angenehmes Rennbahnwetter animierte das Publikum zu verstärktem Toto-Einsatz - Lebenselixier für den wirtschaftlich klammen Veranstalter. Am Sonnabend wurden mit 357 735 Euro rund 15 Prozent mehr verwettet als im Vorjahr (310 551 Euro); Sonntag wurde ein Plus von rund acht Prozent verbucht (392 757 Euro im Vergleich zu 365 685 Euro).

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