Rätselraten um Boxprofi Alexander Dimitrenko

Schwergewichts-Europameister kollabiert vor Kampf in Schwerin

Hamburg. Michael Timm hat in seiner Karriere als Boxtrainer schon viel erlebt, doch am Sonntagmittag war der 48 Jahre alte Chefcoach des Hamburger Profistalls Universum noch immer fassungslos ob des Schocks, den er am Vorabend in der Schweriner Kongresshalle erlitten hatte. Timm hatte sich gegen 21.50 Uhr in die Kabine von Schwergewichts-Europameister Alexander Dimitrenko, 28, begeben, um diesem für die Titelverteidigung gegen den Polen Albert Sosnowski die Tapes um die Hände zu wickeln. "Ich hatte mich umgedreht, um die Tapes zu holen. Auf einmal macht es klatsch, und da liegt er auf dem Boden", erinnert sich Timm an die dramatischen Sekunden.

Der kurzzeitig bewusstlose Dimitrenko wurde von den herbeigeeilten Universum-Vertrauensärzten Michael Ehnert und Christoph Goetz stabilisiert und gegen Mitternacht ins Schweriner Helios-Klinikum eingeliefert.

Am Sonntagmittag konnte er in der Obhut seiner Ehefrau Ivana die Heimreise nach Hamburg antreten. Heute sollen im Krankenhaus St. Georg umfangreiche Tests folgen, um die genaue Ursache für den Kreislaufkollaps zu ergründen. Die Spekulationen reichten von einer Lebensmittelvergiftung, ausgelöst durch eine Fischmahlzeit, über psychosomatische Probleme bis hin zu einer Austrocknung des Körpers. Letzteres scheint die wahrscheinlichste Erklärung, da Dimitrenko sich weder übergeben noch über andere Symptome einer Vergiftung geklagt hatte. Mental sei er, so Timm, ebenfalls sehr stabil gewesen. Tatsächlich soll der sensible Hüne seit Tagen unter einer Durchfallerkrankung gelitten haben, die einen erheblichen Mineralmangel im Körper ausgelöst hatte. Nachdem er im Krankenhaus drei Liter Flüssigkeit per Infusion zugeführt bekommen hatte, besserte sich sein Zustand bedeutend.

Der Grund für das Verschweigen einer Erkrankung liegt auf der Hand. Universum wollte den Kampf auf Sport1 als weltweite Premiere in 3-D übertragen. Eine Absage hätte Dimitrenkos Image möglicherweise geschadet. "Wir hatten Glück im Unglück. Er hätte ja auch im Ring kollabieren können. Dann hätte es wieder geheißen, er habe kein Kämpferherz", sagt Timm. Dimitrenko selbst ließ durch Universum mitteilen, er wolle so schnell wie möglich den Kampf gegen Sosnowski nachholen.