Mit neuen Strukturen feiert der THW Kiel alte Erfolge

Der Handball-Rekordmeister hat die Vergangenheit bewältigt

Kiel. Der THW Kiel hat schwere Zeiten hinter sich. Sportlich flog der Handball weiter flott durch die Reihen, die 16. deutsche Meisterschaft und der zweite Triumph in der Champions Legaue krönten die vergangene Saison. Die angebliche Manipulationsaffäre aus dem Jahr 2007 um bestochene Schiedsrichter in der Champions League hatte nach ihrem Bekanntwerden vor 20 Monaten jedoch die Grundfesten des erfolgreichsten deutschen Handballklubs erschüttert. Inzwischen scheint der Imageschaden repariert. Selbst wenn die strafrechtliche Aufarbeitung des Falls immer noch nicht abgeschlossen ist, es weiter unklar ist, ob dem ehemaligen Manager Uwe Schwenker, 51, und dem früheren Trainer Zvonimir "Noka" Serdarusic, 60, der Prozess gemacht wird, der THW Kiel wird das schmutzigste Kapitel seiner Geschichte wohl unbeschädigt überstehen.

Das ist auch das Verdienst des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Hinrich Vater, 45. Der IT-Unternehmer und Vorsitzende der Kieler Industrie- und Handelskammer schaffte es, das Interesse der Öffentlichkeit weg von fehlenden Bilanzunterlagen und dubiosen Barzahlungen aus der Ära Schwenker wieder auf die Mannschaft und den neuen Trainer Alfred Gislason zu lenken. Und er war ebenfalls maßgeblich an der Schaffung neuer Strukturen und Machtverhältnisse beteiligt. Vom 25. Juni 2009 an lenkte zum ersten Mal ein fünfköpfiger Aufsichtsrat die Geschicke des Traditionsklubs. Das war 17 Jahre lang offiziell den Gesellschaftern der THW Kiel Handball-Bundesliga GmbH & Co KG vorbehalten, in der Praxis aber führte Schwenker den Verein. Der mächtige Manager konnte schalten und walten, wie er wollte, ganz nach dem Motto: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Die Erfolge gaben ihm jahrelang recht. Die fehlende Aufsicht der schwenkerschen Aktivitäten stürzte den THW indes im Februar 2009 in eine beinahe existenzielle Krise.

Es ging um 156 000 Euro, für deren Verwendung Schwenker anfangs keine plausible Erklärung vorbrachte. Heute sagt er, er habe mit dem Geld auf dem Balkan ein Netzwerk aufgebaut, um bei der Verpflichtung von Talenten den Konkurrenten diesen einen Schritt voraus zu sein. Der Verdacht, dass er dieses Geld für die Bestechung von Schiedsrichtern ausgegeben habe, konnte bislang nicht bewiesen werden. Schwenker musste zum 30. Juni 2009 seinen unbefristeten Vertrag beim THW Kiel auflösen. Er ist im Hintergrund weiter für den Klub tätig, fädelt zum Beispiel Transfers ein - mit Spielern vom Balkan. Trainer Gislason schätzt seinen Rat, trifft sich regelmäßig mit ihm, allerdings nicht im Sponsoren-VIP-Raum der Sparkassen-Arena. Zu dem hat Schwenker keinen Zutritt mehr.

Klaus-Hinrich Vater will sich zum Thema Schwenker nichts äußern. Das sei immer noch ein laufendes Verfahren, ließ er dem Abendblatt ausrichten. Die Veränderungen im Verein seien unabhängig von der Affäre notwendig und zeitgemäß gewesen: "Heute sollte ein Unternehmen unserer Größenordnung von einem Aufsichtsrat kontrolliert werden. Dies schafft ein hohes Maß an Transparenz und Vertrauen gegenüber Gesellschaftern und Sponsoren." Schließlich wolle der THW Kiel weiter wachsen. Ziel des Branchenführers sei es, künftig auch überregionale Unternehmen an den Verein zu binden - damit der THW sportlich und wirtschaftlich die Nummer eins im Handball bleibt. Das ist Vaters Wille.