Die Formel 1 sieht Rot

Bei Fernando Alonsos Ferrari-Heimsieg in Monza fährt Sebastian Vettel nach einem gewagten Reifenpoker noch auf Platz vier nach vorn

Monza. Mit dem Sieg hatte Sebastian Vettel beim Großen Preis von Italien nichts zu tun. Und doch hat der deutsche Formel-1-Rennfahrer im königlichen Park von Monza seine Chancen auf den Weltmeistertitel gewahrt. Dank einer taktischen Meisterleistung fuhr er im Red Bull vom sechsten Startplatz noch auf Rang vier nach vorn und machte so das Beste aus seiner eher ungünstigen Ausgangsposition. Der Jubel der Zuschauer aber gehörte dem Spanier Fernando Alonso, der Ferrari den ersehnten Heimsieg vor dem englischen Weltmeister Jenson Button im McLaren-Mercedes und dem Brasilianer Felipe Massa im zweiten Ferrari bescherte.

Bis zur vorletzten Runde hatte Vettel auf seinen Pflicht-Boxenstopp zum Reifenwechsel gewartet und fuhr so genügend Vorsprung heraus, um seine Verfolger Nico Rosberg im Mercedes und vor allem seinen Red-Bull-Teamgefährten Mark Webber hinter sich zu lassen. Das Risiko war groß. Ausgerechnet auf der Tempostrecke in Monza, wo die Rennwagen bis zu 350 km/h schnell fahren, musste der 23-Jährige mit seinem weichen Reifensatz auskommen. "Wir waren mit dem heruntergeschrubbten Satz sogar noch zwei, drei Zehntel pro Runde schneller", sagte Vettel. "Weil es so gut funktioniert hat, haben wir entschieden, immer weiter draußen zu bleiben."

In der Anfangsphase hatte ihm ein nicht ganz rund laufendes Triebwerk noch "einen ziemlich dicken Hals" verschafft. Doch am Ende freute sich Vettel über Platz vier: "Das war unter dem Strich das Maximum, damit kann ich zufrieden sein. Wir können stolz auf uns sein." Nach den Patzern in den vergangenen Rennen lieferte er diesmal eine fehlerfreie Leistung ab.

Teamchef Christian Horner sagte: "Am Ende dieses schwersten Rennens des Jahres so dazustehen konnten wir kaum hoffen." Vettels Pokerspiel hatte sich ausgezahlt. In der Gesamtwertung liegt er jetzt nur noch 24 Punkte hinter Webber, der wieder die Tabellenspitze übernahm. Solange der Rückstand rechnerisch aufholbar ist - der Sieger kassiert 25 Zähler - kann der Deutsche darauf hoffen, dass sein Arbeitgeber auf eine Stallregie zugunsten Webbers verzichtet. Die Sympathie seines Teams hat Vettel ohnehin. "Wir müssen jetzt so weitermachen", sagte Vettel weiter. Die fünf Titelaspiranten sind wieder enger zusammengerückt. Vor den letzten fünf Rennen führt Webber (187 Punkte) vor Lewis Hamilton (182), Alonso (166), Button (165) und Vettel (163).

Hamilton war gleich in der ersten Runde ausgeschieden. Der Brite gab zu: "Ich habe ein bisschen zu viel riskiert. Ich hätte noch länger abwarten sollen." Der McLaren-Pilot hatte sich zwei Wochen nach seinem überlegenen Sieg in Belgien bereits kurz nach dem Start in ein gewagtes Scharmützel mit dem drittplatzierten Felipe Massa eingelassen. Die vordere rechte Radaufhängung seines Rennwagens machte schlapp, Hamilton rutschte machtlos ins Kiesbett. "Es sind Fehler wie diese, durch die man eine Weltmeisterschaft verliert", übte er nach der dritten Nullnummer der Saison Selbstkritik.

So nutzten Alonso und Button die Chance, Boden im WM-Kampf gutzumachen. Button, der nach dem Start die Führung übernommen hatte, verlor die Spitze beim Reifenwechsel an den schnelleren Alonso, der diesmal nicht ungestüm attackierte, sondern auf seine Chance wartete. "Ein fantastisches Gefühl, aber auch ein hartes Rennen", sagte der Spanier. "Diese Emotionen sind nur vergleichbar mit meinem Heimsieg beim Großen Preis von Spanien 2006. Es ist einer der wichtigsten Siege meiner Karriere. Ich weiß, was das für das ganze Team und die Tifosi bedeutet. Wir müssen den Moment genießen." Auch Jenson Button sprach von einem "guten Wochenende".

Neben Vettel und Rosberg fuhren auch Nico Hülkenberg im Williams nach einem starken Rennen auf Rang sieben und Rekordweltmeister Michael Schumacher im Mercedes-Silberpfeil als Neunter in die Punkteränge. Schumacher hatte sich im Training als Zwölfter erneut seinem Teampartner Rosberg (Startplatz sieben) geschlagen geben müssen und war auch im Rennen niemals in dessen Nähe gekommen. "Ich hatte ein ziemlich einsames Rennen", sagte Schumacher, der dennoch nicht unzufrieden mit dem Ergebnis war. "Unter diesen Umständen war dies das beste Ergebnis."