Vattenfall-Cyclassics

Radfahrerinnen für die Cyclassics gesucht

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Am kommenden Sonntag steigen die Vattenfall-Cyclassics 2010 in Hamburg. Der Veranstalter Upsolut will die Frauenquote steigern.

Hamburg. Wenn am kommenden Sonntag bei den Vattenfall-Cyclassics 22.000 Jedermänner in und um Hamburg in die Pedale treten, sitzen unter ihnen gerade 2752 Frauen im Sattel, eine Quote von 12,5 Prozent. So wenig weibliche Sportler nehmen an keiner der beiden anderen Hamburger Massenveranstaltungen teil: Beim Triathlon sind es inzwischen 22, beim Marathon 20 Prozent. Radfahren scheint dagegen eine männliche Domäne bleiben zu wollen. Die Zahl der startenden Frauen stagniert seit Jahren zwischen 12,3 und 12,8 Prozent.

Veranstalter Upsolut will jetzt gegen den Trend antreten. Eine erste Maßnahme war Anfang Juni in Finkenwerder ein Trainingstag mit Deutschlands bester Radrennfahrerin, der viermaligen Weltmeisterin Hanka Kupfernagel, 36. Sie führte sechs Abendblatt-Leserinnen in Technik und Taktik des Radrennens ein. Und sie nahm ihnen vor allem Ängste. "Frauen", sagt Kupfernagel, "sind nicht so risikofreudig wie Männer, sie sehen eher die Sturzgefahr und weniger den Spaß."

Upsolut-Geschäftsführer Frank Bertling vermutet noch weitere Ursachen: "Den Frauen fehlen die Vorbilder." Die müssten allerdings nicht aus dem Sport, sondern eher aus anderen gesellschaftlichen Bereichen kommen, aus Politik, Unterhaltung oder Fernsehen. "Wir haben aber bislang noch keine prominente Radfahrerin ausfindig gemacht, die in Hamburg starten würde", sagt Bertling. Die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt widerstand den Avancen, die zurückgetretene Eisschnellläuferin Anni Friesinger macht nach einem Sturz vor vier Jahren um die Cyclassics einen Bogen.

Wenn es mit der Prominenz schon nichts wird, will Upsolut die Arbeit an der Basis verstärken. Was beim Triathlon mit Einsteigerprogrammen bestens klappte, stößt beim Radfahren auf organisatorische Probleme. "Die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Verband und den Vereinen gestaltet sich weit schwieriger als beim Triathlon", sagt Bertling. Die Radsportklubs hätten nicht einmal das Angebot angenommen, sich vor Ort bei der Akkreditierung der Jedermänner mit Ständen oder Werbematerialen zu präsentieren. Dabei kommen 80 Prozent der Teilnehmer aus Hamburg und Umgebung.

BUSSE FALLEN AUS

Um mehr Fahrerinnen auf das Rennrad zu locken, denkt Bertling über die Einführung eines Frauenblocks beim Massenstart nach. Die Frauen könnten dann ihr eigenes Tempo fahren und müssten sich nicht in den Männerpulk einordnen, bei dem nicht immer Vorfahrt für Rücksicht herrscht. Auch hinführende Maßnahmen wie ein eigenes Frauenrennen in den Monaten vor den Cyclassics, zum Beispiel in der City Nord, seien überlegenswert. "Wir müssen den Frauen die Schwellenangst nehmen. Die scheint beim Radfahren offensichtlich weit höher zu sein als beim Triathlon oder Marathon." Mit 20 Prozent liegt der Frauenanteil auch dort weit unter der Quote weiblicher Mitglieder in Sportvereinen, die in Hamburg rund 42 Prozent beträgt.

"Wettkämpfe kosten Vorbereitungszeit und oft auch Geld für Material", sagt der Hamburger Sportsoziologe Prof. Hans-Jürgen Schulke, "viele Frauen setzen aber andere Prioritäten, zum Beispiel die Familie."