Eine Handballerin bereitet beim FC St. Pauli die zweite Karriere vor

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Buxtehudes Katja Langkeit zwischen Praktikum und Profisport

Hamburg. Am Wochenende hat Katja Langkeit gleich zwei Heimspiele zu bestreiten. Das erste ist Routine: Am Sonnabend läuft sie für die Handballerinnen des Buxtehuder SV im Bundesligaspiel gegen Frankfurt (Oder) auf (16 Uhr, Halle Nord/ hbf-info.net und bsv-live.tv ). Möglicherweise muss die Linksaußen sogar als Spielmacherin einspringen, nachdem sich Randy Bülau am Dienstag einen Mittelhandbruch zuzog. Tags darauf folgt eine Premiere: Erstmals wirkt sie bei der Organisation eines Spieltags des FC St. Pauli mit.

Noch bis Ende März ist Langkeit, 28, im Marketing des Fußball-Zweitligisten tätig. Das dreimonatige Praktikum ist Teil ihres Bachelor-Studiums in internationalem Management an der Hochschule Ansbach, das sie nächstes Jahr abschließen will. Das Pendeln zwischen Job und Training, zwischen Praktikum und Profisport sei zwar "ein ziemliches Gehetze. Aber ich weiß, wofür ich es tue." Wenn ihre aktive Karriere Langkeit eins gelehrt hat, dann das: Sie kann jederzeit vorbei sein. Und dann gilt es vorbereitet zu sein auf das, was da noch kommen mag im Leben.

Siebenmal ist die Nationalspielerin an den Knien operiert worden, vielleicht öfter, vielleicht seltener, irgendwann hat Langkeit aufgehört, die Eingriffe zu zählen. Vor fünf Jahren dann schien der Totalschaden eingetreten zu sein: Knorpeldefekt und Riss der Patellasehne. Den HC Leipzig, dem sie seit der Jugend angehörte und mit dem sie 2006 deutsche Meisterin geworden war, musste sie als Sportinvalidin verlassen. "Ich dachte schon, das war's."

Aber dann hat sie sich in einjähriger Rehabilitationszeit und mithilfe von Spezialisten doch zurückgekämpft. Und obwohl sie zwischenzeitlich noch einen Kreuzbandriss erlitt, fühle sie sich jetzt, toi, toi, toi, erstaunlich gut. Nur die Schmerzen beim Treppensteigen werden sie wohl noch eine Weile durchs Leben begleiten. Vielleicht, so vermutet Langkeit heute, hat sie ihrem Körper zu früh zu viel zugemutet. Mit 15 Jahren verließ sie das Elternhaus in Rostock, um an die Sportschule Leipzig zu gehen. Mit 16 debütierte sie bereits in der Bundesliga für den HCL. Aber wer weiß schon, ob sie es ohne diese Erfahrungen so weit gebracht hätte?

Im vergangenen Sommer wechselte Langkeit von Blomberg nach Buxtehude. Und auch wenn sie es jetzt weiter zu fahren hat zu ihrem Freund Wolfgang Müller von der HSG Wetzlar - für den deutschen Vizemeister zu spielen sei schon länger ein Ziel gewesen: "Das schnelle Konterspiel liegt mir ganz gut."

Mit ihren Leistungen sei sie jedoch noch nicht so zufrieden. Sie waren immerhin gut genug, um im Herbst, mehr als fünf Jahre nach ihrem zweiten Länderspieleinsatz, wieder eine Einladung zur Nationalmannschaft und zur WM im Dezember in Brasilien zu bekommen. Dass Langkeit sie annahm, bedauert sie nicht, auch wenn das Turnier enttäuschend mit Platz 17 endete: "Es wird ja wahrscheinlich meine einzige WM bleiben."

( (leo) )