"Die Trainer handeln nicht mehr eigenmächtig"

Cito Aufenacker, Präsident des Harvestehuder THC, über die Verpflichtung eines neuen Coachs für die Hockeydamen und die Pläne für die kommende Saison

Hamburg. Die Bundesliga-Hockeydamen des Harvestehuder THC haben einen neuen Trainer. Als Nachfolger von Peter Krueger, 45, der zum Lokalrivalen Klipper THC wechselt, wurde zum 1. Juli Stephan Platz, 30, von Blau-Weiß Berlin verpflichtet. Im Abendblatt spricht HTHC-Präsident Cito Aufenacker, 40, über den Grund für die Verpflichtung und die Professionalisierung seines Vereins.

Abendblatt:

Herr Aufenacker, mit Stephan Platz verpflichten Sie einen jungen, modernen Coach. Ist das ein Zeichen dafür, dass den Damen ein richtiger Umbruch bevorsteht?

Cito Aufenacker:

Auf jeden Fall. Nicht nur der Trainer wird neu sein, sondern auch ein Teil des Teams hört aus Alters- oder beruflichen Gründen auf. Schon deshalb brauchen wir neue Spielerinnen. Aber vor allem wollen wir uns in Zukunft mehr auf die eigene Jugend konzentrieren. Unsere Lokalrivalen Uhlenhorster HC und Club an der Alster sind uns da noch voraus. Das Ziel muss sein, dass wir unsere Bundesligateams aus dem Nachwuchs des Klubs speisen können.

Peter Krueger gilt als Trainer, der auf die Jugend setzt und Talente fördert. Warum war dieses Konzept mit ihm nicht umzusetzen?

Peter war bei uns Damen- und Jugendtrainer in Personalunion. Wir wollten aber eine Trennung. Stephan Platz ist genau der richtige Mann für die Damen. Mit einem guten Jugendtrainer stehen wir kurz vor Abschluss der Verhandlungen. Wir hätten Peter gern gehalten. Er geht auch nicht im Unfrieden.

Aus dem Damenteam wurden zuletzt Bedenken geäußert, ob sich der Verein zwei Leistungsteams in der Bundesliga leisten möchte. Nachdem die Herren wieder aufgestiegen sind: Wird auf die Damen noch gesetzt?

Absolut! Wir wollen zwei Bundesligateams in der Ersten Liga. Und die können wir uns auch leisten. Stephan Platz hat mit seinem Ansatz die Damen überzeugt, und wir geben ihm Zeit, eine leistungsstarke Mannschaft aufzubauen. Bei den Herren um den Trainer Christian "Büdi" Blunck haben wir höhere Erwartungen. Ich bin überzeugt, dass sie bereits jetzt mit den Hamburger Klubs durchaus konkurrieren können. Mit Tobias Hauke, der von Rot-Weiß Köln zurückkommt, haben wir genau den Führungsspieler verpflichtet, der dem Team fehlte.

Es gab immer wieder Gerüchte um die finanzielle Situation im HTHC. Sie sind aber sicher, dass der Klub sich zwei Leistungsteams leisten kann?

Das bin ich, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Seit ich das Amt vor einem Jahr angetreten habe, sind neue Strukturen und Richtlinien wie bei einem mittelständischen Unternehmen entstanden. Es gilt das "Vier-Augen-Prinzip", es gibt Verträge statt wie bisher übliche Handshakes, die Jahresabschlüsse werden von externen Fachleuten erstellt und geprüft. Ich denke, wir haben den Klub deutlich professionalisiert. Das heißt natürlich auch, dass der Vorstand sich stärker einbringt und die Trainer nicht mehr so eigenständig, man könnte auch sagen eigenmächtig, handeln.

Noch einmal: Finanziell ist der HTHC wieder gesund?

Wir im Vorstand sehen es als unsere Aufgabe, die finanzielle und sportliche Zukunft des Vereins zu sichern. Tennis und Lacrosse zum Beispiel arbeiten seit Jahren etattreu und spielen in ihren Ligen sehr erfolgreich. Wir haben im kommenden Monat nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung, weil wir eine Kapitalspritze aus der Mitgliedschaft benötigen. Allerdings nicht für den Hockey-Leistungssport oder den Abbau von Altlasten, sondern für Investitionen ins Klubgelände und in die Instandhaltung der Plätze. Da müssen wir langfristiger denken. Aber der Leistungssport ist dank einer neuen Etatstruktur, einem Förderverein und einer Marketing GmbH kein Problem mehr. Wir sind sehr froh, dass wir uns wieder verstärkt auf den Sport konzentrieren können. Wir sind bereit für die Zukunft.