Boxen

Vom Flüchtling zum Weltmeister: Gamboa boxt wieder in Hamburg

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Björn Jensen

Foto: WITTERS / WITTERS/Witters Sport-Presse-Fotos

Der Federgewichtler verteidigt seinen WBA-Titel am Sonnabend (22.20 Uhr, Sat. 1) in der Sporthalle Hamburg gegen den Argentinier Barros.

Hamburg. Yuriorkis Gamboa ist 1,66 Meter groß, dunkelhäutig, hat kurz rasierte Haare und fällt, wenn man ihm auf der Straße begegnet, nicht auf. Seine Einzigartigkeit zeigt er nur, wenn man ihn in einen Boxring klettern lässt. Dann wird aus dem zurückhaltenden Kubaner eine Furie, die ein Trommelfeuer von brillant abgestimmten Schlägen auf den Gegner niederhageln lässt. An diesem Sonnabend (22.20 Uhr, Sat.1 live) verteidigt der Federgewichtler seinen WBA-WM-Titel in der Sporthalle Hamburg im zweiten Hauptkampf der Arena-Gala gegen den Argentinier Jonathan Victor Barros (26).

Dass ein Sportler seiner Qualität in Deutschland live zu sehen ist, kommt trotz der Fülle an Titelkämpfen im Berufsboxen hierzulande nicht oft vor. In den USA ist der in Miami lebende 28-Jährige einer der kommenden Topstars. In Deutschland, wo die kleinen Gewichtsklassen traditionell einen schweren Stand haben, ist er nur Insidern bekannt. Und dennoch war es Gamboas ausdrücklicher Wunsch, als Weltmeister an den Ort zurückzukehren, wo im Februar 2007 seine Profikarriere begann. "Es ist für mich eine große Ehre, in Hamburg zu boxen. Deutschland hat einen ganz wichtigen Platz in meinem Leben", sagt Gamboa.

Mit seinen Landsleuten Odlanier Solis (Schwergewicht) und Yan Barthelemy (Halbfliegengewicht), die heute ebenfalls in Miami leben, hatte sich Gamboa Ende 2006 von seiner Nationalstaffel abgesetzt. An seinem Zufluchtsort in Kolumbien unterzeichnete das Trio Verträge mit Arena-Chef Ahmet Öner, der sie nach Deutschland holte. Gamboa lebte in einer Wohnung in Eppendorf, im April 2007 gab er in Hamburg sein Profidebüt, doch nach sechs Kämpfen ging es Ende 2007 in die USA. Es war eine Entscheidung, die ihm schwerfiel.

"Ich musste in die USA, um mit meiner Familie zusammen zu sein, die mittlerweile fast komplett aus Kuba geflüchtet ist. Außerdem sind meine sportlichen Chancen dort größer", sagt er, "aber seit ich meine feste Aufenthaltsgenehmigung habe und dadurch frei reisen kann, bitte ich Herrn Öner immer wieder, dass ich mit meiner Familie nach Hamburg ziehen kann", sagt der Olympiasieger von 2004, der eine Tochter (5) und einen Sohn (drei Monate) hat. Das Leben in Deutschland sei für einen kubanischen Profiboxer angenehmer als in Miami. "Dort werde ich von den vielen Latinos immer erkannt. Ich will aber meine Ruhe. Die hätte ich in Hamburg, außerdem ist das Training hier intensiver, was mir auch gut gefällt."

Es sind ungewöhnliche Worte für einen der als lebenslustig und feierfroh bekannten Kubaner. Gamboa hat jedoch seit seiner Jugend strikt für seinen Traum gelebt, Profi-Weltmeister zu sein. Dass er dieses Ziel erreichen würde, hat er nie bezweifelt. "Ich habe Herrn Öner versprochen, es innerhalb eines Jahres zu schaffen. Er hat anfangs mehr an Solis geglaubt, aber ich konnte ihn von Kampf zu Kampf überzeugen", sagt er. Zwei Jahre nach dem Debüt hatte er seinen Titel. Nun ginge es ihm darum, "ein so einzigartiger Boxer zu werden, dass mich die Menschen in einem Atemzug mit Ali oder Tyson nennen. Wozu hätte ich sonst geboxt? Weltmeister gibt es viele", sagt er. Es mag arrogant klingen, für ein so begnadetes Talent wie Gamboa ist es jedoch ein realistischer Anspruch.

Die Erfüllung seines größten Wunsches hat Gamboa indes nicht in den eigenen Fäusten. Weil er Geld benötigte, um seiner Tochter ein Geburtstagsgeschenk zu machen, verkaufte er auf Kuba für 1500 Dollar seine Goldmedaille von Athen. Seine Bitte an den Käufer, die Plakette zurückzubringen, blieb bislang unerfüllt. "Ich kann nur das Beste hoffen", sagt Gamboa. Seine Gegner kennen dieses Gefühl.

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