Leichtathletik

Sebastian Bayer kommt nicht in Tritt

Eine Zehenverletzung gefährdet die Saison des Weitsprung-Europameisters vom HSV.

Hamburg. An Ayamonte hat Sebastian Bayer gute Erinnerungen. Vor einem Jahr bereitete er sich in der andalusischen Kleinstadt an der Grenze zu Portugal auf die Freiluftsaison vor. Kurz vor seinem Trainingslager hatte es ihn bei den Halleneuropameisterschaften der Leichtathleten auf sensationelle 8,71 Meter getragen, und dass das kein Eintagsflug war, bewies er, als er im Sommer mit 8,49 Metern zur deutschen Meisterschaft sprang.

Am kommenden Freitag reist Bayer wieder nach Ayamonte, doch diesmal sind die Voraussetzungen ganz andere. Er startet seit dieser Saison für den HSV. Die Hallensaison hat er diesmal ausgelassen. Und ob er im Trainingslager überhaupt einen Sprung wird machen können, ist höchst zweifelhaft.

Ein Knochenödem im Gelenk des großen Zehs hat die Saisonplanung über den Haufen geworfen. Der linke Sprungfuß steckt seit Wochen in einem Spezialstiefel, an spezifisches Training ist nicht zu denken. Die Kapselverletzung war bereits im vergangenen Sommer aufgetreten. Sie hat ihn bei der WM so behindert, dass ihm in der Qualifikation nur ein Sprung auf 7,98 Meter gelang - zu wenig für das Finale.

Bayer ließ daraufhin zwei Knorpelsplitter entfernen und die Hallensaison aus, um den Fuß auszukurieren. Doch als er im Dezember in Südafrika Anlauf auf die EM-Saison nahm, waren die Beschwerden wieder da. Sein Hamburger Bundstrainer Uwe Florczak riet ihm, das Trainingslager abzubrechen: "Wäre er 33, würde man vielleicht darüber hinweggehen, aber mit 23 darf man nicht alles aufs Spiel setzen. Wir wollen ja noch ein bisschen Freude an dem Jungen haben."

Florczak vermutet, dass die Verletzung Spätfolge eines komplizierten Mittelfußbruchs aus dem Jahr 2005 ist. Entsprechend behutsam soll das Gelenk jetzt wieder belastet werden. Am Mittwoch hat Bayer am St.-Josef-Stift in Sendenhorst einen Termin beim Sporttraumatologen Carsten Radas, dem Teamarzt der deutschen Springer. Danach wird entschieden, ob und wann der Vorderfuß des Hallen-Europarekordlers wieder funktionsfähig ist. Zeitdruck will Florczak nicht aufkommen lassen, auch wenn Bayer dem HSV seinen Dreijahresvertrag zu gern in Weite zurückzahlen würde. "Aber ich sage ihm: Wenn du jetzt einen Fehler machst, startest du vielleicht nie wieder für Hamburg."

Noch sei die Teilnahme an der EM in Barcelona (27. Juli bis 1. August) nicht in Gefahr. Bayer reichten dank seines Talents wenige Sprünge, um in Form zu kommen. Auch die schwindende Muskelmasse sei schnell wieder aufgebaut: Aber sollten die Beschwerden nicht abklingen, müsse man zur Not die Saison abschreiben, rät Florczak: "Das ganz große Ziel ist London 2012. Das wollen wir nicht gefährden."