Karriereende nach Silbermedaille

André Langes tränenreicher Abschied aus der rosaroten Sportlerwelt

Whistler. Nach der letzten Ausfahrt Whistler kamen dem besten Bobpiloten aller Zeiten die Tränen. "Da sind die Emotionen hochgekocht. Ich bin froh und traurig zugleich, dass es vorbei ist", sagte André Lange (36) mit Silber um den Hals. Lange fühlte sich in diesem Moment als Gewinner, auch wenn es im letzten Rennen seiner glanzvollen Karriere nicht zur fünften Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen gereicht hatte: "Ich habe in den vergangenen 17 Jahren viel erreicht. Viel besser kann man nicht abtreten."

Nur Olympiasieger Steven Holcomb (USA) war nach vier Läufen im Vierer einen Tick schneller als Lange, der sich dennoch auf sein berühmtes Schädelfluten freute: "Ich werde jetzt erst mal nur Bier trinken." Zuvor ging es aber noch zur Siegerehrung, und Lange überkamen wieder die Gefühle. "Mir ist durch den Kopf gegangen, dass es das letzte Mal war. Ich werde diese Momente vermissen", sagte er sichtlich bewegt. Dabei störte es ihn auch nicht, dass er erstmals bei Olympia nicht ganz oben auf dem Podium stand. Warum auch? Ein paar Tage zuvor war er schließlich Olympiasieger im Zweier geworden.

Nach der letzten Dienstfahrt und einer Umarmung der zweifachen Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner stand Lange wie ein Triumphator mit der schwarz-rot-goldenen Fahne über dem Kopf in der Eisrinne. Sportdirektor Thomas Schwab stellte mit Wehmut fest: "So einen Sportler bekommt man so schnell nicht wieder."

Vier Olympiasiege, acht WM-Titel, achtmal EM-Gold - die Bilanz Langes hat einen Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde verdient. Kein Wunder, dass Langes Anschieber mit Kevin Kuske an der Spitze und die Verantwortlichen des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) den Ausnahmepiloten noch einmal zur Fortsetzung seiner Laufbahn drängen wollten.

Doch Lange, der im zweiten Lauf nur mit Glück und Geschick einen Sturz verhindert hatte, ließ sich nicht umstimmen. "Mit acht Jahren habe ich als Rodler begonnen. Ich bin 28 Jahre so einen Berg runtergerutscht, irgendwann muss Schluss sein", sagte er und blickte schon mal voraus: "Ich gehe aus einer rosaroten Sportlerwelt ins Leben. Das wird nicht einfacher." In Kürze soll es Gespräche mit den BSD-Verantwortlichen über eine Trainertätigkeit geben.

Im Eiskanal von Whistler zeigte Lange noch einmal, was ihn als Piloten ausgezeichnet hat: Nervenstärke, saubere Fahrlinien und ein hohes Konzentrationsvermögen. So fing er mit Bestzeit im letzten Lauf den Kanadier Lyndon Rush noch ab und sicherte sich mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung Silber.

Seine Crew war entsprechend stolz auf Lange. Mit goldener Schrift stand auf schnell übergestreiften T-Shirts: "Thank you André for all the famous moments" - danke für all die außergewöhnlichen Momente. Dazu war ein Bärchen abgebildet in Anlehnung an den Spitznamen aus seinen Anfängen als Rodler.

Langes Silber war die zehnte Medaille für die deutschen Bob-, Rodel- und Skeleton-Asse bei den Winterspielen von Vancouver. Dreimal Gold, viermal Silber, dreimal Bronze, da war auch Schwab zufrieden. "Neun Medaillen waren mein Ziel, zehn haben wir geholt", sagte der Sportdirektor und stürzte sich mit Lange in eine lange Partynacht.