Ski alpin

Deutschland hat den Superstar

Doppel-Olympiasiegerin Maria Riesch ist wieder zu Hause - jetzt locken Werbeverträge. Die erfolgreichste Rennläuferin der Spiele greift auch nach dem Gesamtweltcup. Davor aber wird gefeiert.

Whistler/München. Heimatliche Klänge für Maria Riesch: Ein Fanklub aus ihrer Heimatgemeinde Garmisch-Partenkirchen sorgte mit einer Blaskapelle für eine zünftige bayerische Stimmung unter den mehreren Hundert Zaungästen, die die 25-jährige Doppel-Olympiasiegerin am Münchner Flughafen in Empfang nahmen. Die erfolgreichste alpine Skiläuferin der Winterspiele in Vancouver hatte bereits wieder heimischen Boden unter den Füßen, als in Kanada noch nicht einmal die Schlussfeier begonnen hatte.

Gegen alle Vorhersagen hatten die deutschen Skiläuferinnen die alpinen Wettbewerbe in Whistler dominiert, und die 25-Jährige Partenkirchenerin war ihre Königin. Weder ihre höher eingeschätzte Ski-Freundin Lindsey Vonn noch ein Star aus dem Herrenlager hatte wertvolleres Edelmetall abgeräumt als die Deutsche. "Das wertet das Ganze auf", sagte Maria Riesch. "Die zwei Goldenen allein wären ja schon Wahnsinn gewesen, aber dass es keine gab, die besser war ..."

Bevor schon an diesem Freitag in Crans-Montana der Weltcup-Alltag weitergeht, darf sich die Doppel-Olympiasiegerin auf dem Balkon des Münchner Rathauses feiern lassen. "Da kann ich mich auch mal so fühlen wie die Jungs vom FC Bayern ..."

Ob sie noch genug Luft und Motivation für den Rest der Weltcup-Saison hat, ist offen. Zuvor muss sie noch einen gesellschaftlichen Slalom mit Fernsehauftritten und Teamempfängen absolvieren. Schon vor der internen Feier im Deutschen Haus in Whistler hatte Maria Riesch geklagt: "I kon nimmer." Zwar sagt sie jetzt: "Es geht noch um viel für mich. Es wäre schon schön, die Slalomwertung zu verteidigen, und auch der Gesamtweltcup ist noch nicht ganz entschieden."

Aber realistisch ist der Rückstand von 1174 gegen 1311 Punkte auf die in Vancouver entzauberte US-Überfliegerin Lindsey Vonn nicht aufzuholen. Die große Kristallkugel für die Weltcup-Beste wäre nicht nur die Krönung, sondern auch das Einzige, was ihr im alpinen Rennzirkus noch zum Rang der beiden anderen deutschen Doppel-Olympiasiegerinnen fehlt. Denn Katja Seizinger und Rosi Mittermaier hatten auch die begehrte Jahreswertung gewonnen.

Rosi Mittermaier sagt dazu: "Das kann man nicht vergleichen. Alles hat seine Zeit. Ich hatte meine Zeit, und die Katja und die Hilde Gerg hatten auch ihre Zeit." Die Olympiasiegerin von Innsbruck traut ihrer Nachfolgerin noch viele weitere Großtaten zu. "Marias Erfolge sind gut für den Skisport in Deutschland, da bin ich stolz. Und ihr traue ich noch mehr Medaillen zu."

Aber auch ohne einen Sieg im Gesamtklassement hat die deutsche Vorzeige-Skirennfahrerin schon einen Platz in der Alpin-Historie sicher. "Ich glaube, dass sie am Ende ihrer Karriere noch mehr weiß, was das wert ist", sagte Markus Wasmeier. "Als Sportler nimmt man zwar schon wahr, dass man ein Rennen gewonnen hat, bei dem man Geschichte geschrieben hat. Aber die Dimensionen, die das für das weitere Leben hat, die checkt man erst später, und das ist ja vielleicht auch ganz gut so."

Erst einmal will Riesch, die wie auch Erfolgsbiathletin Magdalena Neuner schon jetzt eine heiße Kandidatin für die Wahl zur Sportlerin des Jahres ist, einfach alles auf sich "zukommen lassen". Dazu werden in nächster Zeit wohl auch vermehrt PR- und Werbeangebote gehören. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier lieferte die Begründung und schwärmte von seiner Vorfahrerin: "Um Weltmeisterin und Olympiasiegerin zu werden, muss man schon eine außergewöhnliche Sportlerin sein." Die "Gold-Marie" dürfte nach Schätzungen die Euro-Millionen-Grenze an Werbeeinnahmen überschreiten. Sie bringe alles mit, um "in die erste Liga der deutschen Sportstars aufzusteigen", sagte ihr Manager Marcus Höfl.

Zumal im kommenden Jahr ein weiteres Großereignis ansteht - die Weltmeisterschaft in ihrer Heimatgemeinde Garmisch-Partenkirchen. Ihr Bürgermeister Thomas Schmid ("Der ganze Ort ist stolz auf sie") dachte gleich weiter: "Der Traum muss nicht zu Ende sein. Er kann bis 2018 weitergehen." Gemeint ist die Bewerbung um die Olympischen Spiele in München.

Bei der WM in Garmisch erhält auch Maria Rieschs Schwester Susanne eine Chance, ihre Pechsträhne bei wichtigen Rennen zu beenden. Nach zwei WM-Nullnummern war sie auch in Whistler im zweiten Slalomdurchgang ausgeschieden - eine Medaille wäre möglich gewesen. "Susanne hat das drauf", meinte ihre ältere Schwester. "Aber so ein Erlebnis zieht einen schon runter." Auch als Seelentrösterin für die in Tränen aufgelöste jüngere Schwester zeigte Maria Riesch Qualitäten. "Das war schon zwiespältig", sagte sie. "Für mich ist das der größte Tag in meinem Leben und für meine Schwester der bitterste Tag ihrer Karriere."