Olympische Spiele: Eishockey

Noch nicht weit genug auf dem richtigen Weg

Vancouver. Mangelnden Realismus kann man Uwe Krupp nicht vorwerfen. Der Eishockey-Bundestrainer hatte stets vor der Klasse der drei olympischen Gruppengegner gewarnt. Es wird Krupp wenig trösten, dass er auf brutale Weise recht behielt. Nach dem respektablen, unglücklichen 0:2 zum Auftakt gegen Olympiasieger Schweden unterlagen die Deutschen am Wochenende auch dem Olympiazweiten Finnland (0:5) und dem Weltranglistenachten Weißrussland (3:5).

Damit treffen sie am Dienstag im K.-o.-Spiel um den Einzug ins Viertelfinale auf einen Gruppenzweiten, also wieder auf eine der besten Mannschaften der Welt. Bei einem Sieg gegen Weißrussland wäre es zum Duell mit der Schweiz gekommen. Für Donnerstagmittag ist deshalb weiter die Rückkehr nach Deutschland vorgesehen.

"Wir haben in diesem Turnier viele gute Ansätze gezeigt. In diesem Team steckt Potenzial. Aber drei Spiele innerhalb von vier Tagen gegen derart hochklassige Konkurrenz beim stärksten Eishockeyturnier aller Zeiten überfordern diese Mannschaft noch. Dafür ist das Tempo, die Intensität und die Zweikampfhärte für die meisten Spieler einfach zu ungewohnt", sagte Krupp.

Die Finnen hatten in der Nacht zum Sonnabend den Deutschen vor allem ihre Mängel im Unterzahlspiel nachgewiesen. Vier der fünf Treffer fielen, als der Weltranglisten-13. nicht die Sollstärke auf dem Eis aufwies. "Das war zu viel Finnland für Deutschland", scherzte die "Vancouver Sun". Immerhin: Bei fünf gegen fünf konnten die Deutschen meistens mithalten. Dass dieser Fakt Eingang in die eigene Spielanalyse fand, zeigt mehr als alles andere, wie dünn der Strohhalm ist, an den sich die deutschen Hoffnungen klammern, die Beletage des Welt-Eishockeys irgendwann doch betreten zu dürfen. Hinzu kam gegen Finnland die schwache Torhüterleistung des Ingolstädters Dimitri Pätzold, der absprachegemäß NHL-Goalie Thomas Greiss (San Jose Sharks) vertrat, ihn aber vor allem vermissen ließ.

Selbst Weißrussland bleibt für die deutsche Auswahl trotz sieben Profis aus der nordamerikanischen Topliga NHL ein kaum zu schlagender Gegner. Vor 16 000 Zuschauern im Canada-Hockey-Place gelang den Deutschen nach 125:39 Minuten wenigstens das erste Tor im Turnier. NHL-Verteidiger Dennis Seidenberg (Florida Panthers) schoss es zum 1:0, zwei weitere Treffer sollten bei der 3:5 (1:1, 0:1, 2:3)-Niederlage folgen. Der starke John Tripp von den Hamburg Freezers verkürzte in der 52. Minute auf 2:3, Marcel Goc (Nashville Predators) besorgte eine Minute später den 3:3-Ausgleich. Doch die Euphorie über den überraschenden Coup kompensierte den Verlust an Kraft und Konzentration nicht. Die robusten Weißrussen behielten ihre Ordnung und erzielten in der 55. und 59. Minute ihre Treffer zum 5:3-Sieg. "Das war unnötig, absolut ärgerlich", haderte Tripp, "doch in diesem Turnier darfst du dir keinen Fehler erlauben. Wir müssen noch viel lernen, aber ich traue dieser Mannschaft zu, dass sie das kann."