Tennis: Final-Wochenende bei den Australian Open

Federer gegen Murray: Perfekte Show

Lesedauer: 4 Minuten
Andreas Bellinger

Der Schweizer Weltranglistenerste und sein schottischer Herausforderer sind in Topform. Damenfinale Serena Williams gegen Henin.

Melbourne. Mit erdrückender Dominanz hat Roger Federer die Finalträume von Jo-Wilfried Tsonga zerstört und ist bei den Australian Open der Tennisprofis in sein 22. Grand-Slam-Finale gestürmt. Ohne Gnade fertigte der 28 Jahre alte Rekord-Champion aus der Schweiz den bedauernswerten Franzosen ab, der nach den ersten beiden Fünfsatz-Matches seiner Karriere mit den Kräften am Ende war. 6:2, 6:3, 6:2 waren am Freitag in Melbourne nach 88 Minuten die nüchternen Zahlen, die unvollkommen ausdrücken, wie überlegen der 15-malige Grand-Slam-Triumphator gegen den 24 Jahre alten Finalisten von 2008 wirklich war.

"So zu gewinnen, ist besonders schön", sagte Federer. Souverän machte er das, was nötig war und gestattete seinem Gegenüber nicht den Hauch einer Chance. Kaum eine knifflige Situation hatte der Eidgenosse zu überstehen, der seine Rekordjagd ohne ersichtliche Schweißausbrüche überstand. "Wenn man den ersten Satz gewonnen hat, ist das schon ein Bonus in solch einem wichtigen Match", meinte er.

Im Endspiel am Sonntag (9.30 Uhr MEZ, Eurosport live) dürfte Federer ein anderes Kaliber gegenüber stehen. Der Schotte Andy Murray, der sich im ersten Halbfinale bereits am Donnerstag in vier Sätzen gegen den Kroaten Marin Cilic durchgesetzt hatte, ist wie er in bestechender Form und hat auf dem Weg in sein zweites Major-Finale nur einen Satz abgegeben. Wie vor zwei Jahren bei den US Open in Flushing Meadows treffen sich die beiden wieder in einem großen Finale. Damals machte der Weltranglistenerste in drei klaren Sätzen kurzen Prozess - wie am Freitag mit Tsonga. Doch Federer ist gewarnt, denn der 22-jährige Murray hat von zehn Vergleichen sechs gewonnen - die letzten beiden jedoch verloren.

"Andy ist ein armer Kerl", sagte Federer im Sieger-Interview auf dem Center Court der Rod-Laver-Arena, und die 15 000 Zuschauer hatten weiter allen Grund zum Lachen. "Die Briten warten seit 150 000 Jahren auf einen Grand-Slam-Titel. Und immer erwarten sie ihn von Andy."

Jung-Vater Federer hatte Lust zum Plaudern nach dem einseitigen Spiel und erzählte: "Hartes Training, so wie Ivan Lendl? Nein, das ist nichts für mich. Ich liege auf der Couch und achte auf die Kinder." Seine Zwillingstöchter halten den "Majestro" in Atem, aber sie helfen ihm offensichtlich auch, seinem Beruf noch konzentrierter nachzugehen. Während andere Spieler stundenlang chatten oder vor ihren Konsolen sitzen und Spiele spielen, spielt Federer mit seinen sechs Monate alten Mädchen und wechselt Windeln. Als erster Vater nach Graf-Ehemann Andre Agassi 2003 kann er die Australian Open gewinnen. "Alles, was ich tue, ist, auf die Kinder aufzupassen", scherzte Federer.

Die Rekorde purzeln dennoch. Das Match gegen Tsonga war bereits sein 23. Grand-Slam-Halbfinale - ohne Unterbrechung. Eine beeindruckende Leistung, die in Wimbledon 2004 begann. Seither hat Federer nicht nur kein Grand-Slam-Turnier verpasst, sondern sogar immer wenigstens die Runde der besten Vier erreicht. Mehr als zehn Semifinal-Teilnahmen am Stück hat kein anderer Profi geschafft.

Serena Williams hat derweil ihren ersten Titel bei den Australian Open 2010 gewonnen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Venus siegte die 28 Jahre alte US-Amerikanerin im Doppel-Wettbewerb 6:4, 6:3 gegen die topgesetzten Liezel Huber/Cara Black. Das Duo aus den USA und Simbabwe verlor auch den zweiten Vergleich gegen die Williams-Schwestern, für die es der elfte Titel bei einem Grand-Slam-Turnier und der vierte in Down Under war. Zuletzt hatten Huber/Black im Finale der US Open vor einem knappen halben Jahr ebenfalls verloren.

Serena Williams trifft am Sonnabend (9.30 Uhr MEZ, Eurosport live) im Einzel-Endspiel auf die Belgierin Justine Henin.

( (dpa) )