Hockey: Hallen-Europameisterschaft der Damen

Anneke Böhmert gibt ihren Ausstand

Duisburg. Selbst der stark geprellte Zeigefinger der linken Hand, ein Souvenir aus dem Auftaktspiel gegen die Ukraine, konnte Anneke Böhmert nicht von ihrem Dauerlächeln ablenken, das sie am Freitag durch die Rhein-Ruhr-Halle spazieren trug. Die Hockey-Nationalspielerin, das konnte jeder der 2000 Zuschauer sehen, will Spaß haben, sie will die letzten Tage genießen, die ihr geliebter Sport noch für sie bereithält. Nach eingehender Überlegung von sechs Monaten hatte die 28-Jährige am Donnerstag, einen Tag vor Beginn der Hallen-EM in Duisburg, offiziell bekannt gegeben, ihre Karriere nach dem Turnier zu beenden.

Ihre Teamkolleginnen vom Club an der Alster hatte die Angreiferin schon vor Weihnachten per E-Mail eingeweiht, an Trainer Jens George und Präsident Karl Ness hat sie sogar Briefe geschrieben, um ihre fehlende Motivation zu erklären. "Die Belastung ist zu hoch geworden. Ich mag keine halben Sachen machen, und die Dreifach-Beanspruchung durch Sport, Beruf und Familie hat zuletzt ihren Tribut gefordert", gibt die Torjägerin ehrlich zu.

Auf ihren Beruf will die Englisch- und Spanischlehrerin, die am 1. Februar an der Gesamtschule Horn eine feste Dreiviertelstelle antritt, nicht verzichten. Tochter Lotta Lillemor, die im März drei Jahre alt wird, hinterfragte zuletzt auch immer öfter den Sinn des abendlichen Abschieds, wenn die Mutter nach einem harten Tag in der Schule sofort zum Training aufbrechen musste. Also bleibt nur der Schlussstrich unter die sportliche Laufbahn. Die Rückfallgefahr schätzt sie als "sehr gering" ein. "Ich werde auch nicht bei den Zweiten Damen spielen. Ich will diese Verpflichtungen einfach nicht mehr. Meine Familie hat nach Jahren der Entbehrung meine volle Aufmerksamkeit verdient."

In den Monaten nach dem Ende ihres Referendariats, die sie im November und Dezember in Barcelona und bis 19. Januar in Thailand bei der Familie von Ehemann Jeremias, Student und Kickboxlehrer, verbrachte, habe sie gespürt, dass sie den Schritt tatsächlich schaffen könnte. Umso glücklicher war sie über die Nominierung für die EM. "Das ist der perfekte Abschluss", sagt sie. In den ersten Gruppenspielen am Freitag bewies sie, warum sie als eine der weltbesten Hallenspielerinnen in Erinnerung bleiben wird. Beim 8:7 gegen die Ukraine war sie mit drei Toren beste deutsche Schützin. Beim 5:2 gegen Schottland, das schon vor dem abschließenden Match gegen Litauen (Sa., 11.55 Uhr) die Halbfinal-Qualifikation bedeutete, traf sie ebenfalls dreifach. Vor allem jedoch hatte sie Spaß. Und das ist, was jetzt zählt im Leben der Anneke Böhmert.

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