Der traurige Anlass hat in Hannover viele Menschen dazu ermutigt, sich mit diesem Tabuthema zu beschäftigen und darüber zu reden.

Hannover. Nach dem Suizid von Nationaltorhüter Robert Enke verzeichnet die Telefonseelsorge Hannover eine höhere Anzahl von Anrufen zum Thema Depressionen. Der traurige Anlass habe viele Menschen dazu ermutigt, sich mit diesem Tabuthema zu beschäftigen und darüber zu reden, sagte Christian Voigtmann vor Journalisten in Hannover. Der Pastor und Familientherapeut leitet seit Oktober die hannoversche Telefonseelsorge.

Viele Anrufer hätten sich in der vergangenen Woche aus Trauer um den Tod Enkes gemeldet. Viele riefen aber auch aus Sorge um Angehörige oder Freunde an. Es sei eine höhere Sensibilität für das Thema Depressionen zu beobachten. Die anonyme Telefonseelsorge sei eine erste Anlaufstelle für Hilfesuchende und biete einen niedrigschwelligen Zugang für ein Beratungsgespräch, sagte Voigtmann. Die 80 ehrenamtlichen Mitarbeiter seien dazu ausgebildet, auch offen über Suizidgedanken zu sprechen. Das Thema werde nicht verdrängt und die Hilfesuchenden könnten durch das Gespräch zu neuen Perspektiven kommen, sagte Voigtmann.

Der 54-jährige Supervisor sieht eine große Herausforderung seiner neuen Tätigkeit in der Ausbildung und Begleitung der Mitarbeiter. Da sie während der Seelsorgegespräche mit vielen belastenden Themen konfrontiert seien, bräuchten sie die Begleitung durch regelmäßige Supervisionen. Im vergangenen Jahr hat die Telefonseelsorge rund 22.000 Anrufe verzeichnet, durchschnittlich 60 pro Tag. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zunächst eine zweijährige Ausbildung absolvieren, werden in den Gesprächen meist mit Problemen in der Partnerschaft oder Familie, mit körperlichen Beschwerden oder Einsamkeit konfrontiert. Viele Anrufer seien auch psychisch krank.

Die Telefonseelsorge besteht seit 1961 und wird vom evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverband getragen. Sie bietet rund um die Uhr anonyme und kostenlose Gespräche an. Telefonnummer: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222.

Internet: www.telefonseelsorge.de