Kommentar: Contadors unerträgliche Leichtigkeit

Das Rad wird zurückgedreht

Achim Leoni

Mühelos, so melden es die Agenturen, hat Alberto Contador auf dem Weg zum Tour-de-France-Sieg auch die letzten Attacken seiner Widersacher abgewehrt.

Nie zuvor hat ein Radprofi beim schwersten Rennen der Welt so viele Höhenmeter so schnell bewältigt. Die unerträgliche Leichtigkeit des Spaniers am Berg mag fragwürdig sein; dass sich Contador selbst zum Vorkämpfer gegen den Betrug macht, ist der Gipfel. Ein Mann immerhin, der seinen Titel 2008 wegen der Dopingnähe seines Rennstalls nicht verteidigen durfte und selbst zu den Kunden des Skandalmediziners Fuentes gehörte. Gewiss, überführt wurde er nie, genauso wenig wie sein "In-Team-Feind" Lance Armstrong. Der einst ungeliebte Rekordchampion ließ sich bei seinem Comeback feiern wie ein Heilsbringer - und die Organisatoren dafür, dass es diesmal keinen positiven Befund gab. Offenbar wollen sie das Rad wieder zurückdrehen. Doch wenn alle Proben ausgewertet sind, könnte die Vergangenheit sie einholen.