Hockey: Lange-Karriere mit großem Finale

Hamburg. Beim Anstoß kommt er immer als Erster an die Kugel - das Privileg des Ältesten. Hendrik Lange kann damit leben. Mit 33 Jahren feiert der Angreifer des Clubs an der Alster am Wochenende sogar Premiere: Bei der Endrunde um die deutsche Hockey-Meisterschaft ist er erstmals in der Sporthalle Hamburg am Ball. Umso überraschender, da Lange in den vergangenen drei Hallenspielzeiten pausiert hatte. "Im Sommer habe ich mich noch mal gefragt: Spiele ich jetzt nur noch zweite Liga oder noch ein Jahr auf Top-Level?"

Von 2005 bis 2007 hatte Lange mit seinem früheren Alster-Kameraden Thomas "The Body" Tihl (heute 35) für Großflottbek in der Feld-Bundesliga gestürmt, im zweiten Jahr aber den Abstieg nicht mehr verhindern können. Damals trainierte der gelernte TV-Journalist (bei RTL) nur einmal pro Woche: Nach seiner Zeit als Pressesprecher der Sport- und Bildungsbehörde unter dem - nicht mit ihm verwandten - FDP-Senator Rudolf Lange hatten der neue Beruf in der Werbe- und Kommunikationsbranche und seine Familie Priorität. Ehefrau Katrin Kauschke, Hockey-Olympiazweite von 1992, sowie die Kinder Liv (5) und Til (3) fordern zwar auch ihr Recht, bevor Lange von März an ins Marketing von Adidas nach Herzogenaurach wechselt, tolerieren jedoch, dass der Papa den Trainingsaufwand für das "Basisprogramm" auf zwei Einheiten pro Woche erhöht hat. "Dadurch, dass wir gleich nach der Vorbereitung jedes Wochenende zwei Bundesligaspiele hatten, waren es schon vier Einheiten", scherzt Lange. Und der langjährige Kapitän, letzter noch aktiver Feldspieler aus Alsters erster Titelträgertruppe von 1999, spielte sich zur Verblüffung von Coach Jo Mahn ins Team des Nordmeisters.

Ein begnadeter Techniker war Lange, der beim UHC groß wurde und als 19-Jähriger zu Alster kam, schon immer. In dieser Hallensaison brachte es der Routinier bisher auf 14 Treffer und glänzte als Vorbereiter, auch für Tobias Wuttke (15 Tore), mit dem er in der Starting Five steht. "Hallenhockey ist immer athletischer und taktischer geworden. Ich verkörpere eher den unorthodoxen Retro-Stil", sagt Lange. Mahn: "Er ist ein Schlitzohr". In jeder Hinsicht: Als der Trainer auf DVD dem Team mal die schlimmsten Fehler vorführen wollte, hatte Lange stattdessen die schönsten Jubelszenen eingelegt. Folge: 2004 gewann Alster seinen bisher einzigen Hallentitel. Und wenn Lange am Sonnabend (18.45 Uhr) in Alsterdorf im zweiten Halbfinale gegen Neuss für Alster anstößt, soll das am Sonntag (14.30 Uhr) gegen den Sieger der Partie Berlin gegen Rüsselsheim durchaus ein letztes Nachspiel haben ...

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