Volleyball: Schon Mutter und Vater waren erfolgreich am Netz

Wie die Eltern so der Sohn

Christoph Schwarz will sich bei den Hamburg Cowboys als Spielmacher etablieren.

Hamburg. Das Pritschen liegt ihm offenkundig in den Genen. Wenn Christoph Schwarz (21) am Sonntag (15 Uhr, Sporthalle Rüterstraße) zu seinem ersten Heimspiel für die Hamburg Cowboys in der Volleyball-Bundesliga gegen den Vorjahres-Zweiten evivo Düren aufläuft, wird auch Mama Martina (47) auf der Tribüne sitzen. Sie kann jede Aktion ihre Sohnes nachfühlen.

"Meine Eltern haben mir immer Tipps fürs Zuspiel geben können", erzählt der 1,92 Meter große, in Norderstedt aufgewachsene Schwarz. Kein Wunder: Sowohl Martina als auch Vater Detlef (heute 49) waren früher selbst Passverteiler, brachten es in der DDR in den 80er-Jahren ins Nationalteam und zogen nach der Wende von Schwerin nach Norderstedt um. Detlef Schwarz, heute geschieden von Martina, pritschte für den 1. SC Norderstedt in der Ersten Bundesliga. Die Silbermedaillen-Gewinnerin der Olympischen Spiele von Moskau 1980 lief später unter anderem noch für den SC Langenhorn in der Bundesliga auf und war zusammen mit Partnerin Beate Paetow 1992 erste Deutsche Meisterin im Beachvolleyball.

Die Erfolge der Eltern empfindet Sohn Christoph aber nicht als Belastung. Geplant war die Karriere in dieser Form auch nicht. "Zum Zuspiel bin ich durch einen Zufall gekommen", erzählt er. Mit 13 Jahren war das hochgewachsene Talent als Mittelblocker ins Volleyball-Internat nach Schwerin gewechselt. Als dort der ursprüngliche Spielmacher ausfiel, vertrat Christoph ihn so gut, dass er den Job behielt und auf dieser Position viermal im Nachwuchsbereich mit dem Schweriner SC Deutscher Meister wurde, zuletzt in der U 21 im vergangenen Jahr.

Die Mentalität scheint er von Vater Detlef geerbt zu haben. Auch der galt zu seiner Zeit auf dem Feld als cool bleibender Stratege. "Christoph hat die Fähigkeit, intuitiv taktisch genau das Richtige zu machen", beschreibt ihnCowboys-Trainer Bernd Schlesinger. Im Duell mit dem routinierteren Sebastian Neufeld liege der Youngster derzeit vorne, so der Coach. "Wenn er richtig weiterarbeitet, dann hat er das Zeug zu einem guten Erstliga-Zuspieler", so Schlesinger. Ob es zu mehr reicht, sei heute noch nicht zu sagen.

Klar gab es auch Angebote anderer Erstligaklubs. In der vergangenen Serie pritschte er in der Zweiten Liga für den SV Warnemünde. "Aber ich wollte unbedingt nach Hamburg zurück", sagt Christoph Schwarz. Hier fühle er sich einfach wohl, möchte an der Uni sein Studium der Volkswirtschaftslehre beginnen.

Aufregung vor dem Heimdebüt empfinde er nicht, obwohl gut 1000 Zuschauer erwartet werden. "Aufgeregt war ich vergangene Woche vor unserem Spiel in Friedrichshafen", meint Christoph Schwarz. "Jetzt weiß ich doch, was auf mich zukommt." Was aber noch wichtiger ist: "Wir haben in Friedrichshafen gesehen, dass wir in der Bundesliga mithalten können." Diese Erkenntnis ist umso wichtiger, weil dem Aufsteigerteam in den ersten fünf Spielen Niederlagen drohen. Der Spielplan richtet sich nämlich nach der Vorjahrestabelle. "Wir dürfen dann nur nicht unruhig werden", sagt er.

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