Doping: Jetzt wird auch in Hamburg gegen Jan Ullrich ermittelt

HAMBURG. Die Hiobsbotschaften für Jan Ullrich reißen nicht ab. Nachdem bereits in Bonn gegen den ehemaligen Kapitän des Teams T-Mobile und Toursiegers von 1997 ermittelt wird, hat nun auch die Staatsanwaltschaft Hamburg ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der falschen Versicherung an Eides statt eingeleitet. Das bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg gegenüber der ARD. "Es gibt zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für einen Anfangsverdacht", erklärte Rüdiger Bagger am Sonntag.

Auslöser des neuen Ermittlungsverfahrens ist Dopingaufklärer Werner Franke, der bei der Hamburger Staatsanwaltschaft Anfang September Strafanzeige gegen Ullrich gestellt hatte. Der Heidelberger zweifelt Ullrichs Erklärung an, er habe nicht 35 000 Euro für Dopingmittel an den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes bezahlt.

Ullrichs Hamburger Manager Wolfgang Strohband zeigte sich von dem neuen Ermittlungsverfahren überrascht. "Davon höre ich jetzt zum ersten Mal", sagte er dem Abendblatt. Er hätte noch am Freitag mit seinen Anwälten gesprochen, aber dieses Thema habe dabei keine Rolle gespielt. Da er keine Einzelheiten kenne, wolle er sich zu dem Hamburger Verfahren vorerst nicht äußern.

Am 13. September hatte Ullrich auf seiner Homepage noch den Sieg über den Molekularbiologen Franke gefeiert. Die von dem Radprofi erwirkte einstweilige Verfügung gegen Anschuldigungen Frankes habe das Landgericht Hamburg nach mündlicher Verhandlung durch sein Urteil bestätigt. Damit dürfe der Heidelberger Professor auch künftig nicht mehr behaupten, Ullrich hätte in einem Jahr allein 35 000 zur Anschaffung von illegalen Substanzen ausgegeben. Ullrich hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets mit Nachdruck in Abrede gestellt.

"Viele Äußerungen über mich sind reine Spekulation", schrieb der Wahlschweizer seinerzeit und frohlockte: "Trotzdem freue ich mich, dass das Landgericht den Auswüchsen jetzt Schranken gesetzt hat." Franke aber gab keine Ruhe und legte mit seiner Strafanzeige nach.

Seit mehr als vier Wochen ist bereits ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bonn anhängig. Unter dem Aktenzeichen 430 Js 936/06 war das Verfahren wegen des Verdachts auf Betrug zum Nachteil des Rennstalls T-Mobile eingeleitet worden. Das Bonner Team hatte Ullrich noch während der Tour de France beurlaubt und später entlassen.

Die Staatsanwälte reagierten auf eine Strafanzeige der ehemaligen Leichtathletin Britta Bannenberg. Die Professorin für Strafrecht und Kriminologie in Bielefeld hatte Ullrich und seinen früheren Teamgefährten Oscar Sevilla sowie Berater Rudy Pevenage angezeigt, weil "der Sport in Deutschland sauber bleiben" müsse.

Ullrich droht zudem eine rechtliche Auseinandersetzung mit dem Schweizer Radsportverband, bei dem er seine Profilizenz gelöst hat. Der Verband wartet aber noch auf beglaubigte Dokumente des Radweltverbandes UCI aus Spanien zur Doping-Affäre. Ullrich droht als Wiederholungstäter bei einer Verurteilung eine lebenslange Sperre.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.