Warum Dankert und Ploß HSB-Präsidenten werden wollen

Sportforum: Morgen wird der neue HSB-Boss gewählt. Die Kandidaten stellten ihre Programme vor.

Hamburg. Der Ort ist bewußt gewählt. Weil der Sitzungssaal im Haus des Sports zu klein ist, stimmen Vereine und Verbände morgen abend (19 Uhr, Jenfelder Allee 70 a-c) beim Hamburger Fußballverband über den nächsten Präsidenten des Hamburger Sportbundes (HSB) ab. Amtsinhaber Klaus-Jürgen Dankert (65) stellt sich das letzte Mal zur Wiederwahl, Herausforderer Günter Ploß (57) bittet um das Votum für einen Wechsel.

Im 23. Sportforum von NDR 90,3 und dem Abendblatt gaben sich die Kontrahenten kampfbetont. Dankert hielt Ploß vor, sich in den wachsenden Problemfeldern und den gewandelten Strukturen des Hamburger Sports nicht mehr auszukennen, weil er sich vor 14 Jahren aus ihm verabschiedet habe. Gerade das sei sein Vorteil, erwiderte der Herausforderer: "Ich bin nicht verstrickt in persönlichen, Vereins- oder Verbandsquerelen. Ich habe - wie ein Unternehmensberater - den Vorteil der Sicht von außen mit den Erfahrungen von mehr als 20 Jahren Innenansichten." Warum er antrete? Ploß: "Ich wurde von Vereinen und Verbänden gebeten. Das Präsidium trägt diesen Präsidenten nicht mehr. Der HSB ist zerrissen, er ist in einer für kleine Klubs existentiell bedrohlichen Phase nicht handlungsfähig. Ich will die Strömungen zusammenführen und die Politikfähigkeit des HSB herstellen."

Dankert stritt ab, keine Rückendeckung im Präsidium zu haben: "Auf der letzten Sitzung wurde die Erklärung abgegeben, daß man weiter loyal zusammenarbeiten wolle." Daß jedoch seine Vizepräsidenten Ehrhard Erichsen und Paul-Gerhard Wienberg-Schaper nicht für ihn stimmen werden, bucht er unter mangelnder charakterlicher Standfestigkeit ab: "Daß das Präsidium jetzt Überlegungen anstellt, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ist sein gutes Recht." Die seit einem Jahr laufenden Verhandlungen des HSB mit der Behörde für Bildung und Sport (BBS) über die beschlossenen Nutzungsgebühren für öffentliche Sportanlagen und -hallen hätten die Kollegen mit zu verantworten. Dankert: "Der HSB braucht neue Leute im Präsidium, keinen neuen Präsidenten."

Unter seiner Führung, so Dankert, seien viele (soziale) Probleme angepackt und auf einen guten Lösungsweg gebracht worden. Was ihn beunruhige, "ist der aufkommende Kannibalismus unter den Vereinen", da einige Klubs - zum Beispiel Sportspaß mit seinen mehr als 30 000 Mitgliedern - bestimmte finanzielle Probleme nicht hätten und übermächtig werden könnten. Dankert: "Und jetzt kommt die Sportsteuer noch oben drauf, beides zusammen droht zahlreiche Vereine in eine finanziell schwierige Lage zu bringen. Ich befürchte schwere Verwerfungen in der Hamburger Vereinslandschaft."

Gerade die unterschiedlichen Interessen der Klubs zu harmonisieren, so Ploß, müßte eine der vornehmsten Aufgaben des Präsidenten sein: "Wenn wir es nicht umgehend schaffen, das gesellschaftspolitische Gewicht des HSB einzubringen, und das schaffen wir nur, wenn wir mit einer Stimme reden, werden uns weitere Belastungen von der Stadt aufgebürdet", mahnte er. Ploß: "Die Erträge aus Lotto und Toto werden mittelfristig wegbrechen, wir müssen den HSB zukunftsfähig machen, ihm vom Staat unabhängige Einnahmequellen erschließen. Was bisher in diese Richtung geschehen ist, reicht bei weitem nicht. Der Sportbund muß als Unternehmen agieren, nicht als Behörde. Was wir schnellstens brauchen, sind Kreativität und Dynamik."

Daß der HSB unter seiner Führung durchaus einen politischen Faktor darstelle, leitet Dankert aus der Ablösung des "überforderten" BBS-Staatsrates Reiner Schmitz ab. Der gibt am 1. Juli den Sport an Justizstaatsrat Carsten Lüdemann ab. Dankert kündigte die Mobilisierung von Vereinen und Verbänden an, sollten die letzten Vorschläge der Behörde ("Das waren Diktate!") nicht neu verhandelt werden: "Es geht nicht um Nachbesserung, das gesamte Konstrukt ist unakzeptabel." Sei der Senat nicht zum Einlenken bereit, wäre zu überlegen, bei Großveranstaltungen wie den HEW-Cyclassics oder dem Triathlon die ehrenamtlichen Helfer aus den Klubs streiken zu lassen.

Gewerkschaftler Ploß will solche Mittel nicht ausschließen, setzt jedoch auf einen konstruktiven Dialog mit der Politik. Einen Türöffner dafür brauche er nicht: "490 000 HSB-Mitglieder haben enorme Hebelwirkung." Viele der Probleme, so die Einschätzung des Kandidaten, hätten vermieden werden können. Sein Credo: "Vorauseilende Politik statt vorauseilenden Gehorsams."