"Papa" Heinz Weisener gestorben

St. Paulis Ex-Präsident erlag schwerer Krankheit - Bestürzung im Klub

Hamburg. Der FC St. Pauli trauert um Heinz Weisener. Am Freitag vor dem Anpfiff des Regionalligaspiels bei Fortuna Düsseldorf (war bei Redaktionsschluß nicht beendet) wurde bekannt, daß der ehemalige Präsident des Kiezklubs am Donnerstag im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Weisener erlag einer schweren Lungenkrankheit, wegen der er die vergangenen Wochen in einer Spezialklinik verbracht hatte.

Am Millerntor, wo Weisener von 1990 bis 2000 als Präsident fungierte, löste die Nachricht Bestürzung aus. Corny Littmann würdigte Weisener als "eine herausragende Persönlichkeit", die sich große Verdienste um den Klub erworben habe. "Heinz Weisener war für viele im Verein und im Umfeld des Vereins eine Vaterfigur", sagte Littmann, "er war ein großer St. Paulianer. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren." Am Freitag vor dem Heimspiel gegen Lübeck wird es am Millerntor eine Gedenkminute geben, zudem wird die Mannschaft mit einem Trauerflor auflaufen.

Die meisten aktuellen Spieler kennen Weisener nur aus Erzählungen. Seit seinem Amtsende im Jahr 2000 hatte er sich so gut wie nicht mehr am Millerntor sehen lassen. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin ließ er das Kapitel FC St. Pauli, das ihn am Ende seiner Amtszeit viele Nerven gekostet hatte, hinter sich. Und auch die zahlreichen Kritiker, die ihn als "Sonnengott" und als "Alleinherrscher" betitelten, konnte den Architekten nicht von seiner Klub-Beziehung abbringen: "St. Pauli ist und bleibt meine große Liebe."

Viele Spieler, Trainer und Begleiter des Kiezklubs empfanden die Ära Weisener als ihre schönste Fußballzeit. Und daran hatte der damalige Präsident erheblichen Anteil. "Er war die Seriosität in Person, bei ihm konnte man sich auf das gesprochene Wort verlassen", sagt Ex-Profi Carsten Pröpper, "einen besseren Präsidenten konnte man sich nicht wünschen, zumal er sich auch aus der sportlichen Alltagsarbeit herausgehalten hat."

Dabei lief natürlich auch unter "Papa Heinz", wie ihn die braun-weißen Anhänger nach dem Erstligaaufstieg 1995 feierten, nicht alles rund. Mancher Manager verzweifelte, wenn ein Spieler während der Vertragsverhandlungen den direkten Weg ins Büro des Klubbosses in der Hansastraße suchte und meist mit einer für ihn günstigen Einigung zurückkehrte. Weiseners Verhältnis zu den Profis war hervorragend - und ganz nebenbei verkörperte das stets adrett gekleidete Vereinsoberhaupt im bunten, skurrilen Stadtteilklub einen hanseatischen Vorzeige-Kaufmann.

Klubchefs wie Heinz Weisener gibt und gab es nicht viele. Er war in diesem harten Profigeschäft ein Mensch, der den Verein mit viel Wärme und Herzlichkeit führte. Und herrschte am Monatsende Ebbe auf den Vereinskonten, wies der Präsident die Gehaltszahlungen aus seiner Privatschatulle an. In seiner zehnjährigen Amtszeit pumpte er mehr als fünf Millionen Euro in den FC St. Pauli. Einzig mit seinem selbst ausgerufenen Lebenswerk, dem Bau eines neuen Stadions, scheiterte er.

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