Die China-Strategie des HSV

Wie der Klub in Shanghai neue Märkte erschließen will

Hamburg/Shanghai. Der Fußball in China hat derzeit so seine Probleme: Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2006 wurde verpaßt, und die heimische Liga kränkelt. Manipulationsvorwürfe sind an der Tagesordnung. Dennoch reisten die HSV-Vorstände Bernd Hoffmann und Katja Kraus sowie Klubmanager Bernd Wehmeyer diese Woche nach Shanghai, um den HSV als ersten Verein der Bundesliga in China mittel- und langfristig zu positionieren.

"Man kann durchaus von einem antizyklischen Vorgehen sprechen, und unser Interesse wird honoriert", zog Hoffmann eine mehr als zufriedene Bilanz vor dem heutigen Rückflug. Zunächst wurde mit Shenhua Shanghai (dort spielte auch Jörg Albertz) eine unbefristete Kooperation vereinbart, die den Austausch von Trainern und die Zusammenarbeit der Fußballschulen beinhaltet. Die Partnerschaft beginnt mit dem vereinbarten Freundschaftsspiel in der Woche nach Ende der Bundesliga-Saison (21. Mai). Über konkrete weitere Inhalte soll bis Herbst gesprochen werden. Selbstverständlich hat der HSV ein Erstzugriffsrecht bei Talenten, doch die Verpflichtung eines Chinesen ist aktuell unwahrscheinlich, und Transfers haben nicht oberste Priorität.

Erstaunlich: Durch das Interesse an den Auftritten von Naohiro Takahara und Mehdi Mahdavikia hat der HSV derzeit die meisten Sendeminuten aller Bundesligaklubs in Asien. Doch im internationalen Vergleich hat Deutschland Nachholbedarf. Hoffmann: "Fußball ist zwar in China die Sportart Nummer eins, aber die Aufmerksamkeit richtet sich in erster Linie auf die Ligen in England, Italien und Spanien."

Die Champions-League-Spiele sind in China problemlos zu verfolgen. Doch auch drei Bundesligaspiele werden pro Wochenende gesendet: Je ein Premiere-Spiel am Sonnabend und Sonntag live, dazu eine dritte Begegnung zeitversetzt. Durch das Langzeit-Projekt wollen die HSV-Verantwortlichen nun versuchen, das Bewußtsein für den Fußball in der Hansestadt zu stärken, und auf Sicht einen neuen (lukrativen) Markt erschließen.

Die Reise diente deshalb vor allem der Pflege von Kontakten - Hoffmann reiste bereits im September mit der Delegation von Bürgermeister Ole von Beust nach Shanghai - und dem Ausloten von Potential und Möglichkeiten in Hamburgs Partnerstadt.

Zu diesem Zweck führte die HSV-Delegation mehrere Gespräche: mit einer Vermarktungs- und Sponsoring-Agentur, dem Goethe-Institut, der Hamburger Vertretung und natürlich den Vertretern von Shenhua. Auch die Politik zeigte sich interessiert: "Der Bürgermeister ist ein großer Sportfan", sagte Hoffmann. Nicht nur das: Die Schwester von Shenhuas General-Manager Wu Jinan ist "Außenministerin" der Stadt. Eine perfekte Verdrahtung . . . Außerdem untersuchte die HSV-Delegation intensiv die Absatzmöglichkeiten von Merchandising-Artikeln in Einkaufsläden.

In Shanghai wurde über die HSV-Besucher medial umfangreich berichtet. Kommende Woche zeigt der größte TV-Sender Shanghais eine 30minütige Sondersendung über den HSV. Bildmaterial hatten Hoffmann & Co. im Reisegepäck mit dabei.