Wann ist ein Fan ein Fan . . . ?

Sportplatz Hamburg

Ihre Bühne ist die Tribüne - und umgekehrt: Sie grölen, fluchen, prügeln, randalieren und beten. Sie haben nur sich, ihre Wut, die Gewalt und den Fußball. Sie sind Fans des AC Mailand, tragen Schwarz-Rot, und das Stück "Zweikampfverhalten", das die acht Schüler der Theatergruppe des Wirtschaftsgymnasiums Gropiusring unter der Leitung von Olaf Bublay schon einige Male mit viel Erfolg aufgeführt haben, paßt wie die Faust aufs Auge zu der Veranstaltung des "Ida Ehre Kulturvereins": "Sport und Gewalt - wann ist ein Fan ein Fan . . . ?" Der Abend am kommenden Montag (22.11., 19.30 Uhr, Ida Ehre Gesamtschule, Bogenstraße 36) hat im Grunde drei Halbzeiten. Neben einer Lesung ("Am Sonntag, als ich Weltmeister wurde") von Schauspieler Peter Lohmeyer ("Das Wunder von Bern") gibt es noch eine interessante Experten-Diskussion zum Thema, an der neben Uwe Seeler, St.-Pauli-Vize Holger Stanislawski und Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Michael Malbranc auch Vertreter Hamburger Fanprojekte teilnehmen. Eintritt: 3 Euro (Schüler: 1,50 Euro).

Am Freitag steht in der Farmsener Eishalle Klassenkampf an, wenn um 20 Uhr der FTV Crocodiles zum Regionalligaspiel auf den Stadtkonkurrenten HSV trifft. "Wir, der HSV und der TuS Harsefeld spielen den Absteiger aus der Liga aus", sagt Udo Werner, der Abteilungsleiter der Farmsener. Alle drei Konkurrenten haben einen Sieg auf ihrem Konto. Hatte Werner vor der Saison auf 600 bis 800 Zuschauer beim Derby gehofft, machte ihm nun ausgerechnet Kooperationspartner Hamburg Freezers ein Strich durch die Rechnung. Nach einer Spielplanänderung wurde die DEL-Partie der Freezers gegen Augsburg ausgerechnet von Januar auf diesen Freitag verlegt. "Das kostet uns richtig viel Geld", ahnt Werner. Den Ausgang der Partie sieht der Farmsener Eishockey-Chef als offen an: "Es treffen HSV-Jungspunde auf Crocodiles Routiniers."

Die Operation hat Anca Bergmann, Mittelblockerin der Bundesliga-Volleyballerinnen des TV Fischbek gut überstanden, die rumänische Nationalspielerin ist wieder daheim. Der Eingriff erwies sich jedoch folgenschwerer als erwartet. Neben dem vorher festgestellten Kreuzbandriß und den Meniskusverletzungen mußte zusätzlich ein Knorpelschaden im rechten Knie geglättet werden. Die 28jährige, die sich vor Saisonbeginn bei einem Testspiel in Schwerin schwer verletzte, kann die laufende Spielzeit abhaken. Sie wird mindestens ein halbes Jahr lang nicht Volleyball spielen können. "Anca braucht erst einmal Ruhe. Sie muß sich mit der neuen Situation auseinandersetzen", sagt Fischbeks Trainer Volker Czimek. Am Sonntag (15 Uhr; Neumoorstück) wollte sie als "moralische Unterstützung" zum Spiel gegen den VC Olympia Berlin erscheinen. Jetzt wird sie zu Hause am Handy das Spiel verfolgen und nach jedem Satz auf die SMS von Manager Horst Lüders warten.

Für blinde Fußballfans sind Broder-Jürgen Trede und seine Studenten vom Institut für Sportjournalistik längst eine Art Augenersatz. Auf Bitten des DFB kommentierten gestern abend im Leipziger Zentralstadion Trede, Lena Först, Nils Feicht und Danny Fritz das Länderspiel gegen Kamerun für die sehbehinderten Athleten des deutschen Paralympics-Teams. Der DFB hatte sie nach Leipzig eingeladen. Die Hamburger Studenten haben auf diesem Gebiet Erfahrung, beim HSV sind sie regelmäßig am Mikrofon. "Wir müssen das Spiel exakt verorten. Blinde wollen genau wissen, wo sich der Ball auf dem Spielfeld gerade befindet. Auf Grund der Geräusche im Stadion erahnen sie zudem Spielsituationen und Torchancen. Sie sind damit dem Geschehen zeitlich immer ein Stück voraus. Das haben wir zu berücksichtigen", erklärt Trede den Unterschied zu einer Rundfunk-Reportage.

Aliens Kiss heißt der angehende Crack. Gerade schaffte der vierjährige Traberwallach problemlos die Qualifikationszeit für den Rennbetrieb, jetzt bezog er auf dem Hof von Champion Henning Rathjen in Aukrug bei Neumünster sein Winterquartier, liebevoll umsorgt von seiner Pflegerin und künftigen Fahrerin Jennifer Villmann. Vom kommenden Jahr an will er zum Großverdiener werden und Ehre einlegen für seine acht Besitzer, die ihn vor zweieinhalb Jahren bei Züchter Dirk Frahm auf dem Helenenhof in Aukrug für rund 10 000 Euro erwarben. Einer von ihnen ist Claus "Mäuschen" Vogler, der in der ersten Fußball-Bundesliga-Saison 1963/64 vier Spiele für den HSV bestritt und ein Tor erzielte. Später wurde Vogler ein Traberfan, er verpaßt noch heute kaum einen Renntag. Die Idee, ein Pferd zu kaufen, kam bei einer Hafenrundfahrt. Die Stimmung auf Voglers familieneigener Barkasse schwappte bei Bier und Ramazotti hoch. Auf dem Achterdeck wurde sich der Freundeskreis, zu dem die Amateurfahrer Peter Weihermüller, Sönke Gedaschko und Christian Schulz gehören, einig: Ein schneller Traber muß her. Aliens Kiss, der am liebsten knackige Äpfel und frische Möhren frißt und sich äußerlich von einem "häßlichen Entlein" zu einem bildhübschen Rennpferd gemausert hat, wird unter dem Stallnamen "Waltraud" laufen. Hintergrund: "MS Waltraud" hieß Claus Voglers Barkasse . . .

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