Boxen: Rocchigiani treibt WBC in die Pleite

Mexiko-Stadt. Graciano Rocchigiani (40) hat den zweitältesten Weltverband World Boxing Council (WBC) in den Ruin getrieben. Das am 14. Februar 1963 in Mexiko City gegründete WBC kann dem ehemaligen Halbschwergewichts-Weltmeister aus Berlin die per Gerichtsurteil zugesprochenen 30 598 628 Dollar nicht zahlen. Da die Schlichtungsverhandlungen gescheitert sind, wird der Verband heute Konkurs anmelden. "Herr Rocchigiani hat unser Angebot abgelehnt, obwohl die Summe weit höher war als die, die er irgendwann aus der Konkursmasse erwarten kann", erklärte WBC-Präsident Jose Sulaiman. Angeblich sollte "Rocky" 2,5 Millionen Dollar sofort bar bekommen und in den kommenden 20 Jahren jeweils 500 000 Dollar.

Ein Gericht in Manhattan hatte im April 2003 entschieden, dass Rocchigiani sein WM-Titel vom WBC 1998 zu Unrecht aberkannt worden war. Neben dem Schadenersatz wurde festgeschrieben, dass der Halbschwergewichtler vom 21. März 1998 bis zum 15. April 2000 als Weltmeister geführt werden muss.

Sulaiman hofft, trotz des Konkurses die Verbandsarbeit fortsetzen zu können. Dazu soll eine neue Organisation, die Universal Boxing Organization (UBO), gegründet werden. Welche Konsequenzen der WBC-Konkurs für dessen Weltmeister - im Schwergewicht ist dies Vitali Klitschko aus dem Hamburger Universum-Stall - hat, ist unklar. Sie könnten in der UBO als Champions weitergeführt werden oder hoffen, in den Ranglisten der großen Verbände WBO, WBA und IBF hoch eingestuft zu werden und so zu einer neuen Titelchance zu kommen.

"Auf jeden Fall dürften die drei anderen Verbände eine Aufwertung erfahren", glaubt Dietmar Poszwa, Mitglied der Universum-Geschäftsleitung. Dass Rocchigiani keinen Vergleich wollte, kann er nicht verstehen: "Ich finde es schade, dass dadurch das WBC kaputt geht. So eine Situation war noch nie da."

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