Peter Weilands berühmter Leberhaken

Boxen: Beim Universum-Kampfabend am Sonnabend werden nostalgische Gefühle wach.

Kiel. In der Welt des Sports ist Kiel dank Handball oder Segeln landauf, landab ein fester Begriff. Von der nationalen Boxlandkarte aber war die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins fast verschwunden. Doch mit dem Kampfabend des Hamburger Universum-Stalls am Sonnabend in der Ostseehalle kehrt das Profiboxen in den hohen Norden zurück. Mit den Hauptkämpfen von Schwergewichtsstar Wladimir Klitschko und WBO-Mittelgewichts-Champion Felix Sturm geht eine Durststrecke von 21 Jahren zu Ende.

Kaum zu glauben, war Kiel von Mitte der 60er- bis Mitte der 70er-Jahre doch eine der Box-Hochburgen Deutschlands. In dieser Zeit kletterten alle namhaften deutschen Boxer und Publikumslieblinge in den Ring der Ostseehalle. Den Anfang machte 1955 Hein ten Hoff. Es folgten Norbert Gruppe alias Wilhelm von Homburg (1964/65) und der spätere Europameister im Schwergewicht Jürgen Blin (1968) aus Hamburg.

Für große Begeisterung sorgte auch Lokalmatador Lothar Abend. Der Federgewichtler feierte im September 1963 sein umjubeltes Profidebüt mit einem glatten Punktsieg und wurde später Europameister.

Unvergessen sind auch die Ringschlachten des Peter Weiland. Sein letzter Auftritt in Kiel im Dezember 1969 war zugleich sein spektakulärster. Mit einem schweren Leberhaken, für den er berühmt war, schickte der spätere Gastwirt aus Neumünster den Franzosen Bernard Thebault in den Ringstaub und holte sich damit den vakanten EM-Titel im Schwergewicht. 7000 Fans standen auf den Stühlen, waren begeistert.

Den letzten großen Profiboxabend erlebte Kiel am 26. März 1982. "In der alten Ostseehalle waren zwar nur 3000 Zuschauer, aber die bereuten ihr Kommen nicht", erinnert sich Jean-Marcel Nartz, technischer Leiter des Hamburger Universum-Boxstalls und damals noch in Diensten des Promoters Wilfried Sauerland. Im Ring kreuzten die Mittelgewichtler Frank Wissenbach und Rüdiger Bitterling oder die Schwergewichte Bernd August und Guido Trane die Fäuste.

Für den Höhepunkt des Abends aber hatte John Mugabi gesorgt. Der Weltergewichtler aus Uganda mit dem martialischen Kampfnamen "The Beast" nahm sich nicht viel Zeit, um sich seines Gegners Curtis Taylor zu entledigen. Nach einer krachenden Rechten ging der US-Amerikaner aus Memphis bereits in der zweiten Runde k.o.

"Mugabi langte aber nicht nur im Ring ordentlich zu, auch bei Tisch", so Nartz. "Im Hotelrestaurant bestellte er immer die Gerichte für zwei Personen und zwar vom teuren Chateaubriand bis zum üppigen Liebeseisbecher."

Dafür gabs dann bei der Spesenabrechnung stets Ärger mit Wilfried Sauerland, der nicht glauben mochte, dass Mugabi die Unmengen allein vertilgt habe. Nach dem Kampf habe der spätere Weltmeister am Tresen seinen übergroßen Durst dann auch noch mit einem ganzen Eimer Bier gelöscht.

Über die Renaissance der einstigen Hochburg Kiel dürfte sich auch das deutsche Box-Idol Max Schmeling freuen. Denn der feierte am 2. Oktober 1948 in Kiel den letzten Sieg seiner außergewöhnlichen Karriere und besiegte Hans Draegestein durch einen K.o. in der neunten Runde.

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