Hamburg verliert das Dressur-Derby

Hamburg. Eigentlich ist Volker Wulff ein ruhiger Mann. Derzeit jedoch ist der Chef der Agentur EnGarde, die das Hamburger Spring- und Dressurderby vermarktet, wütend. Wütend auf die Stadt Hamburg, vor allem auf das Bezirksamt Altona. Wulffs Wut ist begründet: Weil sich die Behörden nicht an Vereinbarungen halten, wird Hamburg das Dressurderby an Verden (Aller) verlieren, das sich als Ersatzort angeboten hat. Zunächst für 2003, wahrscheinlich jedoch für länger.

"Wir hatten im März eine Vereinbarung mit den zuständigen Behörden getroffen. Bis zum 23. September sollten die Arbeiten an den neuen Dressurplätzen in Klein-Flottbek abgeschlossen sein. Das hat man uns garantiert", so Wulff. Bis heute jedoch sei nichts passiert. Hintergrund: Die Vereinbarungen waren noch mit dem damaligen Altonaer Bezirksamtsleiter Uwe Hornauer getroffen worden. "Nachdem Hornauer nicht mehr im Amt ist, hieß es aus der Behörde, die Abkommen seien verwaltungstechnisch nicht durchführbar. Ich frage mich, ob solch eine Willkür sein darf", so Wulff weiter.

Rund 150 000 Euro hätte die Stadt für den Neubau vorschießen sollen, die EnGarde später in 15 Tranchen zurückgezahlt hätte. "Für unser Turnier in Gera hat man uns 600 000 Euro kurzfristig zur Verfügung gestellt. In Hamburg wird seit drei Jahren nur geredet", so Wulff, der sich fragt, "ob Hamburg überhaupt etwas am Dressurderby liegt".

Aus der SPD-Fraktion gab es gestern eine Kleine Anfrage zur Zukunft des Dressurderbys mit dem Tenor, Hamburg müsse als Olympia-Bewerber alles tun, um die Veranstaltung zu retten. Dass das passiert, kann Wulff sich nicht mehr vorstellen: "Ich glaube nicht an Wunder. Wir haben wegen der Olympia-Bewerbung lange stillgehalten, aber wir haben auch keine Lust mehr, hinter den Behörden herzulaufen. Irgendwann ist Schluss."

Für 2003 ist die Dressur in jedem Fall verloren. Wulff: "Die Sponsoren stellen derzeit ihren Etat fertig, brauchen Planungssicherheit. Nachdem die Dressur schon 2001 und 2002 ausgefallen ist, wäre es den Sportlern gegenüber unfair, erneut abzusagen. Deshalb die Verlegung." Ob dem Springderby Ähnliches bevorsteht, wollte Wulff nur andeuten: "Auf Sicht muss man sich vielleicht auch darauf einstellen."

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