Das Team Coast ist tot, es lebe Bianchi!

Die italienische Veloschmiede will Ullrich und Co. zur Deutschland-Tour präsentieren.

Hamburg. Nicht nur Jan Ullrich atmete auf, als der Radweltverband UCI dem "neuen" Bianchi-Team die Rennlizenz ohne Auflagen erteilte. Auch Kai Rapp, Manager der Deutschland-Tour, die am kommenden Dienstag (3. Juni) in Dresden beginnt: "Noch gibt es zwar keinen signierten Vertrag mit Bianchi. Wir gehen aber fest davon aus, dass Ullrich und Co. dabei sind." Zumal Bianchi sich am Montag in der Elbmetropole erstmals offiziell präsentieren will. "Heute soll geklärt werden, ob die Teamvorstellung nicht in unsere Eröffnungsfeier ab 18 Uhr eingebunden werden kann, davon würden schließlich beide Seiten profitieren", so Rapp. Obwohl der neue Hauptsponsor des Ullrich-Teams, die traditionsreiche Veloschmiede Bianchi, in Italien zu Hause ist, wird sich der Sitz des Rennstalls im niederländischen Rosendaal befinden. Dort lebt und arbeitet Jacques Hannegraaf. Der Ex-Telekomprofi und Freund von Olympiasieger Olaf Ludwig rettete zusammen mit Ullrich-Intimus Rudy Pevenage die 19 Radprofis, davon zwölf Deutsche, des insolventen Teams Coast vor der Arbeitslosigkeit. "Trotzdem bleibt Bianchi aber ein deutsches Team", versichert Hannegraaf. "Endlich kommt alles in Ordnung", zeigte sich Ullrich hochzufrieden, denn mit der UCI-Lizenz steht nun auch dem Start bei der 100. Tour de France nichts mehr im Wege. "Eine Wildcard hatten wir vorsorglich frei gehalten. Wir haben nicht vergessen, dass Ullrich zu den Toursiegern gehört", sagte Daniel Baal, zweitwichtigster Mann hinter Tour-Imperator Jean-Marie Leblanc. Ullrich will sich dieser Wertschätzung würdig erweisen. Der 29 Jahre alte Olympiasieger befindet sich bereits in Topform und hat längst Idealgewicht. Beweisen will er das am Sonnabend beim Klassiker "Rund um die Hainleite" in Thüringen. Dafür trainierte er zuletzt im Schwarzwald, um seine Kletterqualitäten zu testen. "Unklar ist nur noch, in welchem Outfit wir in Erfurt antreten. Trikots und Hosen werden derzeit unter Hochdruck in Italien genäht", berichtet Ex-Coast-Manager Wolfram Lindner, der ebenso wie Ullrich-Coach Peter Becker bei Bianchi anheuerte. So könnte die Variante mit den deutschen Nationaltrikots wie schon bei der Bayern-Rundfahrt erneut zur Anwendung kommen. Trotz besten Trainingszustands will Rudy Pevenage, der neue Sportdirektor des Bianchi-Teams, seinen Musterschüler Jan Ullrich nicht als Kapitän in die Tour der Leiden durch Frankreich schicken: "Jan kommt durch die Querelen beim Team Coast bis zum Tourstart nur noch auf 35 Rennen. Nach 14 Monten Rennpause ist das zu wenig, um gleich wieder das Podium anzuvisieren", erklärte der Belgier. "Deshalb bleibt es dabei, dass der Spanier Angel Casero als Kapitän die Tour bestreitet." Casero, der 2001 die knochenharte Spanien-Rundfahrt gewann, scheint durchaus in der Lage, einen Podestplatz in Paris zu ergattern. Tourminator Lance Armstrong zu gefährden, dürfte ihm aber kaum gelingen. Das traut selbst Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc nach wie vor nur einem zu: Jan Ullrich. Wie soll das jedoch gehen, wenn der nicht mal Chef im eigenen Team ist? Aber vielleicht ist die Rolle des Kronprinzen ja auch nur ein gewiefter Schachzug.