Bayer springt zum Titel, Münch wirft sich zu Olympia

Lesedauer: 4 Minuten

Auch Winter und Florczak dürfen bei Leichtathletik-EM starten

Bochum. Sebastian Bayer lief an, aber nur zwei Schritte, dann ging sein Rennen in ein Humpeln über. Mit einer knappen Geste deutete er den Kampfrichtern an, dass für ihn der Weitsprungwettkampf bereits mit diesem fünften Versuch beendet sei, und fasste sich an die schmerzende Wade. Doch der erste Schreck verflog schnell: Es war nur ein Krampf. Und auch der konnte den Halleneuropameister vom HSV auf dem Weg zur fünften deutschen Meisterschaft nicht stoppen. Seine (brettfreien) 7,91 Meter waren am Sonnabend in Bochum nicht zu übertreffen.

"Gewonnen ist gewonnen", sagte Bayer pragmatisch. Dass die erhoffte Achtmeterweite ausblieb, lag wohl auch an der Anlage. "Sie war einer deutschen Meisterschaft nicht würdig", sagte sein Coach Uwe Florczak. Unmittelbar am Zaun gelegen, sei der Anlauf weder für die Zuschauer noch für die Betreuer einsehbar gewesen, bemängelte der Hamburger Männer-Bundestrainer: "Der Funke springt dort nicht über. Die großen Weiten sind so nicht möglich."

Nils Winter vom Buxtehuder SV immerhin sprang als Vierter mit 7,69 nur um vier Zentimeter am Podium vorbei. Der 35-Jährige dürfte dank seines 8,03-Meter-Sprungs von Wesel und der Absage von Titelverteidiger Christian Reif (Ludwigshafen) heute ins Aufgebot der EM in Helsinki (27. Juni bis 1. Juli) berufen werden. Mario Kral (HSV) wurde mit 7,53 Siebter.

Bayer hatte sich seine Berufung für EM und Olympische Spiele (27. Juli bis 12. August) dank seiner Saisonbestweite von 8,25 Metern bereits Ende Mai gesichert. Gestern tilgte auch Markus Münch das letzte Fragezeichen hinter seiner Qualifikation für London. Der Diskuswerfer von der LG Wedel-Pinneberg wurde mit 63,17 Metern Dritter - seine vierte Podiumsplatzierung hintereinander. Zum sechsten Mal den Titel gewann Robert Harting. Die 67,79 Meter des Berliner Weltmeisters waren für die Konkurrenz außer Reichweite.

Dagegen wird Olympia wohl ohne Jana Sussmann stattfinden. Die Titelverteidigerin vom LT Haspa-Marathon Hamburg lief über 3000 Meter Hindernis als Vierte in 10:20,18 Minuten um mehr als eine halbe Minute an der Norm für London vorbei. Ob sie sie bis Fristende am 6. Juli nachreichen kann, ist fraglich. Sussmann, 21, hatte zuletzt aufgrund einer Hausstauballergie nur eingeschränkt trainieren können. Es siegte die deutsche Rekordhalterin Antje Möldner (Cottbus; 9:42,42).

Auch für Helge Schwarzer ist der Olympiatraum wohl geplatzt. Der HSV-Hürdensprinter trudelte im Endlauf über 110 Meter entnervt als Letzter in 14,24 Sekunden aus. Bis zur dritten Hürde noch vorn, hatte eine Serie von Fehlern seinen Plan durchkreuzt, sich in einer Zeit unter 13,50 Sekunden noch als Kandidat für Helsinki und London aufzudrängen. Den Titel gewann der Leipziger Alexander John (13,52).

Ähnlich weit hinter ihren Möglichkeiten blieb Schwarzers Freundin Nadja Käther. Die HSV-Weitspringerin kam nicht über 6,27 Meter und Platz sechs hinaus und muss damit bei den Saisonhöhepunkten wohl zuschauen. Der Gießenerin Beatrice Marscheck reichten bereits 6,49 Meter zum Titel. Die für Paderborn startende Hamburgerin Sinje Florczak wurde mit 6,38 Meter Fünfte. Sie kann aber als Dritte der Jahresbestenliste (6,64) auf eine EM-Nominierung hoffen, da keine weitere Konkurrentin die B-Norm (6,60) erbrachte.

Zwei Athleten mit Hamburger Wurzeln reisen als Medaillenhoffnungsträger nach Helsinki. Arne Gabius (Tübingen; ehemals LAV Hamburg-Nord) wurde über 5000 Meter in 13:51,78 Minuten zum sechsten Mal hintereinander deutscher Meister. Eine solche Serie hatte vor ihm nur sein ehemaliger Trainer Dieter Baumann geschafft. Bayers Freundin Carolin Nytra (Mannheim; ehemals LG HNF) gewann über 100 Meter Hürden in starken 12,74 Sekunden ihren fünften Titel.

( (leo) )