Mit Chagaev und Tajbert in der Erfolgsspur

Der eine bleibt Champion, der andere kann es werden - die Zukunft des Hamburger Profiboxstalls Universum bleibt dennoch ungeklärt

Rostock. Dietmar Poszwa könnte ein rundum glücklicher Mensch sein, wenn seine Arbeitstage immer so entspannt wären wie in der Nacht zum Pfingstsonntag. Da saß das Mitglied der Geschäftsleitung des Hamburger Profiboxstalles Universum in der Rostocker Stadthalle am Ring und konnte zuschauen, wie seine Sportler in den beiden Hauptkämpfen des Abends vor 3700 Fans und 3,1 Millionen ZDF-Zuschauern wichtige Siege einfuhren. Derart gestärkt konnte Poszwa es dann verschmerzen, neben dem grenzdebil Fähnchen schwenkenden US-Promoterzar Don King sitzen und dessen Wortkanonaden ertragen zu müssen, die vom Publikum nur noch mit mitleidigem Kopfschütteln quittiert werden.

Schwergewichtler Ruslan Chagaev, 31, ging in seinem ersten Kampf seit der Niederlage gegen IBF-/WBO-Weltmeister Wladimir Klitschko (34, Ukraine) im vergangenen Juni einen wichtigen Schritt auf dem Weg zurück zum WBA-WM-Titel, den er zwischen April 2007 und Juni 2009 gehalten hatte. Durch einstimmigen Punktsieg (118:110, 117:111, 117:112) gegen den Australier Kali Meehan sicherte er sich das Herausforderungsrecht für den britischen WBA-Champion David Haye. Dabei erntete der Usbeke erste Früchte der Zusammenarbeit mit seinem neuen Trainer Magomed Schaburow. Er zeigte sich verbessert in der Beinarbeit und ruhiger im Kampfaufbau.

Allerdings war sein neun Jahre älterer Kontrahent in puncto Schnelligkeit derart unterlegen, dass er als Maßstab für ein Duell mit dem flinken Haye nur bedingt taugte. "Wenn ich Haye besiegen will, muss ich härter trainieren, viel beweglicher und konsequenter boxen", gab Chagaev zu. Trainer Schaburow wünscht sich "noch mindestens zwei Kämpfe, bevor wir gegen Haye antreten". Dem Briten, der seinen Titel am 3. April gegen John Ruiz pflichtverteidigt hatte, steht zunächst eine freiwillige Titelverteidigung zu, für die ein Rematch mit dem Russen Nikolai Valuev vom Berliner Sauerland-Team in der Diskussion ist. Außerdem hat er die Option, zu einer Titelvereinigung mit einem der Klitschko-Brüder anzutreten.

Für den zweiten Hauptkämpfer Vitali Tajbert endete der Abend im Krankenhaus. Zwar verteidigte der Superfedergewichtler seinen WBC-WM-Titel gegen den Mexikaner Hector Velazquez, 35, zum ersten Mal erfolgreich, doch ein in der zweiten Runde durch unabsichtlichen Kopfstoß erlittener tiefer Cut am linken Augenlid, der im Hospital mit sieben Stichen genäht werden musste, erschwerte dem 27 Jahre alten Stuttgarter die Arbeit. "Ich konnte schlechter sehen und hatte auch Angst, dass die Verletzung schlimmer werden könnte", erklärte Tajbert seinen verhaltenen Kampfstil. Als Ringrichter Richard James Davies (England) das Duell eingangs der neunten Runde auf Anraten von Ringarzt Walter Wagner (Bayreuth) abbrach, lag der in Kasachstan geborene Schwabe auf allen drei Punktzetteln klar vorn.

Aber nicht alle Universum-Arbeitstage sind so entspannt wie der in Rostock. Die Diskussionen um die Zukunft des Stalls, dessen TV-Vertrag mit dem ZDF - seit 2002 jährlich 20 Millionen Euro - zum 31. Juli ausläuft, wurden auch über Pfingsten weitergeführt. Zwar rüstete sich der Stall jüngst mit einem eigenen Kanal auf der Internet-Videoplattform Youtube und einer iPhone-Applikation für die mobile Zukunft, ein neuer Fernsehdeal steht jedoch weiter aus. Universum-Boss Klaus-Peter Kohl, der sich aus dem Tagesgeschäft längst zurückgezogen hat, erklärte die Verhandlungen zur Chefsache und fehlte in Rostock. Von seinem Erfolg hängt es ab, wie entspannt die zukünftigen Arbeitstage bei Universum werden.