Farhadi: „Amüsant, wenn die Leute mich Hütchenaufsteller nennen“

Hamburg. Der erste Auswärtssieg war gleich ein Knaller. Mit 4:0 fertigte Oberligist Niendorf Meister Dassendorf ab. Interimstrainer Ali Farhadi über Motivation durch Journalismus, sein Verhältnis zu Frank Hüllmann und Vereine, die über ihre Verhältnisse leben.

Hamburger Abendblatt:

Ein unerwarteter Sieg für Ihre Mannschaft?

Ali Farhadi:

In der Höhe vielleicht. Aber wir waren gut vorbereitet auf Dassendorfs Spielweise, haben stark gekontert.

Lag Ihnen die Außenseiterrolle?

Farhadi:

Ein Journalist tippte 4:1 für Dassendorf. Eine Frechheit – und ein cooler Impuls von außen. Ich sagte dem Team: Wir sind kein Aufbaugegner!

Sie holten 19 Punkte in zehn Spielen. Werden Sie Niendorfs Cheftrainer?

Farhadi:

Jeder weiß, dass ich Frank Hüllmann vertrete, sein Co-Trainer bin. Seine Zeit erlaubt ihm die Trainertätigkeit gerade nicht. Bis Winter bleibt alles so. Alles andere erklärt der Verein bald.

Keine Angst, ewig „nur“ Co. zu sein?

Farhadi:

Sie meinen Hütchenaufsteller? Eckfahnenwegbringer? Habe ich alles schon gehört. Amüsant, wenn Leute mich so nennen. Frank hat mich nie so behandelt, sondern stets hervorragend eingebunden und mich darauf vorbereitet, auch selbst Chef sein zu können.

Wieso stehen Sie sich so nahe?

Farhadi:

Vor 15 Jahren war ich Spieler beim VfL 93, als Frank Trainer wurde. Er wollte mich absägen – und ich ihn. Wir einigten uns. Frank sagte, ich hätte Ahnung vom Fußball. So wurde ich sein Assistent – und wir beide Freunde.

Und nun führen Sie sein Werk fort ...

Farhadi:

Es macht viel Spaß. Unser Jugendkonzept greift. Unser Traum: Irgendwann wollen wir einen Niendorfer Jungen in der Bundesliga spielen sehen.

Und die Ziele mit dem Team?

Farhadi:

Freude vermitteln, nachhaltig arbeiten. Vereine wie Schnelsen und Elmshorn haben über ihre Verhältnisse gelebt. Elmshorn und Dassendorf haben für ihre Titel viel Geld ausgegeben.

Was schließen Sie daraus?

Farhadi:

Ich würde einen Oberligameister Halstenbek-Rellingen begrüßen. Jugend, gewachsenes Umfeld, nicht das große Geld – das hat was.