Der berüchtigte Rasen der Ellernreihe

Amateurfußball Bramfeld holt Punkt durch Platzfehler, Beyer moniert fragwürdige Abstimmung, Taneli brüllt zu laut, Holstein baut Torwartkarriere aus

17:5. Vor dem Pokalspiel am Mittwoch gegen Oberligist Halstenbek-Rellingen (0:1) trennten sich Hansa-Landesligist Klub Kosova und Trainer Thorsten Beyer. „Wir haben nicht mehr so agil Fußball gespielt“, begründete Manager Arton Mazrekaj in einem Interview mit „Elbkick TV“ das Ende des Aufstiegstrainers Beyer an der Dratelnstraße. Beyer erklärte nun gegenüber dem Abendblatt, der Hauptgrund sei ein anderer gewesen. Nach seiner Darstellung habe Mazrekaj die Mannschaft in der Woche vor der Partie gegen Süderelbe (0:7) über ihn abstimmen lassen.

„Ich wurde an einem Trainingstag darüber informiert. Die Spieler sollten einen Zettel erhalten, auf dem stand: ‚Ist Thorsten Beyer der Richtige?‘ Daraufhin meldete ich mich für die Trainingswoche ab. Schließlich trennten wir uns“, sagte Beyer. Die Abstimmung, so habe er erfahren, sei 17:5 für ihn ausgegangen. „Aber ich fand dieses Vorgehen sehr unangemessen und würde mich immer fragen, wer die fünf Spieler waren. So hatte es einfach keinen Sinn mehr“, sagte Beyer – und wünschte dem Verein sowie „den Jungs, die ich sehr vermissen werde, alles Gute“.

Gegner hört zu. Glücksgefühle im Überfluss herrschen dagegen an der Tabellenspitze der Landesliga Hansa. Mit einem 2:1 gegen Barsbüttel baute der Buxtehuder SV, dessen offizielles Saisonziel Nichtabstieg hieß, seine unglaubliche Serie in dieser Spielzeit auf zehn Siege in zehn Partien aus. Der Torjäger vom Dienst, Daniel Schröder, stellte den Erfolg mit zwei schönen Treffern (11., 76.) sicher.

Und das, obwohl die gesamte Mannschaft am Abend vor dem Spiel bei der Hochzeitsfeier des Verteidigers Pascal von Loh die Korken knallen ließ. „Die Jungs durften feiern, so lange sie wollten. Mit irgendwelchen Ansagen zur Bettruhe erreicht man nur das Gegenteil“, zeigte sich BSV-Trainer Renè Klawon als Freund einer langen Leine. Außerdem habe Gästetrainer Aydin Taneli sein Team motiviert. „Es war ein großer Fehler von ihm, bei seiner Kabinenansprache so laut ‚Diese Buxtehuder Bauern werden wir aus dem Stadion schießen‘ zu rufen, dass meine Spieler das mitbekamen“, sagte Klawon.

Sieg weggetrudelt. SCALA-Trainer Oliver Kral durchlebte am Sonntag Freude und Verzweiflung. Seine Mannschaft hatte zuletzt sieben Spiele in Folge verloren, zudem einige Elfmeter vergeben. Als schließlich Alex Tatsis zum Strafstoß beim Bramfelder SV antrat, konnte Kral nicht hinsehen, wandte sich stattdessen seinem ehemaligen Mitspieler Patrick Kraus hinter der Bande zu. Tatsis verwandelte, Kral jubelte und umarmte Kraus vor Freude. Als Michel Makomé sogar auf 2:0 im Oberliga-Kellerduell erhöhte, schien der SC Alstertal-Langenhorn schon sicherer Sieger. Doch Bramfeld schlug zurück: Erst traf Ali Yasar, dann sah Kral regungslos in der Nachspielzeit zu, wie sein Torhüter Lorenz Pohl den Kopfball von Ronny Sendel aufgrund eines Platzfehlers ins Tor trudeln ließ. Noch lange Zeit nach Spielende saß Kral allein auf der Trainerbank und schüttelte den Kopf. Bramfelds Spieler Carsten Henning zauberte der eine Punkt dafür ein Lächeln ins Gesicht: „Das war der berüchtigte Rasen an der Ellernreihe.“

Holsteins Erfahrung. Kein Gegentor kassierte Pinnebergs Florian Holstein im Oberligaspiel beim SC Condor. Beim Stand von 2:2 musste Holstein, in der 46. Minute als Verteidiger eingewechselt, eine Viertelstunde vor Schluss nach einem Feldverweis für Torhüter Tim Brüggemann (Tätlichkeit) zwischen die Pfosten.

„Unser Ersatztorwart ist verletzt und so wurde ich vor dem Spiel informiert, dass ich das heute bin, weil ich ja Erfahrung habe“, sagte Holstein und lachte. Tatsächlich hütete er das Pinneberger Tor schon einmal aufgrund von Torwartnot für 90 Minuten – bei einem Heimspiel am 23. Oktober 2011. Gegner damals: der SC Condor.

Als Lohn für seinen fehlerfreien Einsatz erhielt Holstein nach der Begegnung dann auch die Auszeichnung „Spieler des Spiels“ vom Trainerteam und quittierte die Ehre verduzt. „Ich habe doch nur einen Ball drauf bekommen“, sagte Holstein. Antwort eines Mitspielers: „Aber in der Abwehr warst du auch ganz gut…“

Alles geht zu Ende. Das Ende einer großen Serie muss Norderstedts Philipp Koch verkraften. Nach 15 in Folge verwandelten Strafstößen verschoss der Norderstedter im Regionalligaspiel in Rehden nach fünf Minuten vom Elfmeterpunkt. Norderstedt unterlag mit 1:2. Der SC Victoria ging daheim mit 0:4 gegen Wolfsburg II unter. St. Pauli II verspielte in der Schlussphase eine 1:0-Führung in Eichede und verlor mit 1:3. Als einziger Hamburger Verein punktete in der Regionalliga der HSV II durch ein 1:1 bei Braunschweig II.

Derbysieg für Bergedorf. Hansa-Landesligist VfL Lohbrügge verzichtet auf einen Einspruch vor dem HFV-Verbandsgericht gegen die 0:2-Niederlage in Bergedorf (das Abendblatt berichtete). Bergedorfs Sieg steht damit endgültig fest. (misch/arm)