Kacans Doppelpack in Unterzahl

Amateurfußball: Altona siegt in Barmbek, Condor jagt Schönheitspreis, Norderstedts Keeper Höcker stürmt mit, Pietsch unterschreibt bei zwei Clubs

Spiegelbild des Lebens. Alle Facetten zwischen Ekstase und Trauer deckte die Oberligapartie zwischen Dassendorf und Rugenbergen (3:1) ab. In der Nachspielzeit trat Dassendorfs Torjäger Eric Agyemang gegen Rugenbergens Torsteher Dennis Schultz beim Stand von 1:1 zum Strafstoß an. Schultz flutschte der Ball unglücklich unter seinem Körper durch ins Netz (90.+3). „Wie man sieht, schießen Stürmer präzise“, sagte Agyemang. Mit elf gegen neun – Rugenbergens Dennis von Bastian (51.) und Kevin Lohrke (90.+4,) waren von Schiedsrichter Thomas Bauer des Feldes verwiesen worden – machte Dassendorf durch Fatih Gürel auch noch das 3:1 (90.+6).

Vorbereiter Sandjar Ahmadi, unter der Woche Torschütze zum 1:0 für Afghanistan über Pakistan beim Freundschaftsspiel in Kabul (3:0), blieb jedoch verletzt am Boden liegen. Der Verdacht auf Schienbeinbruch bestätigte sich nicht. Zur Pressekonferenz erschien schließlich Rugenbergens Trainer Ralf Palapies, wie zwei Wochen zuvor HR-Trainer Thomas Bliemeister, nicht. Später ärgerte sich Palapies, Schiedsrichter Bauer habe seine Spieler beleidigt. Unter anderem soll ein am Boden liegender Akteur von Bauer mit den Worten „Halt die Schnauze. Steht auf, oder du kriegst Gelb“, bedacht worden sein. Die Dassendorfer bemängelten ihrerseits das Einsteigen von Rugenbergens Sven Worthmann gegen Ahmadi. Worthmann rief daraufhin am Wochenende Dassendorfs Trainer Jan Schönteich an, verneinte eine Verletzungsabsicht und entschuldigte sich. „Das“, sagte Schönteich, “finde ich richtig gut.“

Keine Spitzenmannschaft. Ohne den verletzten Nico Patschinski hat Oberligist Niendorf mit einem 1:0 bei Condor seinen ersten Saisonsieg eingefahren. Francis Adomah verwertete eine Ecke von Ole Natusch (23.). „Wir haben mit Geheimtaktik gespielt, aber die verrate ich nicht“, sagte der Matchwinner.

Klartext sprach Condors angefressener Trainer Christian Woike. Vor allem das endlose Ballgeschiebe seines Teams in Hälfte eins nervte ihn. „Offensichtlich wollen die Jungs, nachdem der Fairness-Preis weg ist, einen Schönheitspreis gewinnen.“, sagte Woike, und spielte damit auch auf den zweiten Platzverweis im zweiten Heimspiel der Saison an. Alexander Krohn sah Rot (77.), wie schon Max Anders gegen SCALA. Das Lob des NTSV-Trainers Vahid Hashemian, Condor sei eine Spitzenmannschaft, gefiel ihm sowieso nicht: „Das Gerede von einer Spitzenmannschaft kann ich nicht mehr hören. Offensichtlich sind wir keine.“

Ein Sonderlob. Altonas Trainer Oliver Dittberner umarmte nach dem Abpfiff Barmbeks Kapitän Markus Schwoy und sagte: „So war das viel besser!“ Schwoy hatte in der 23. Minute noch einmal quer auf Tom Bober gepasst, statt selbst zu schießen – Chance vertan. „Ich dachte, es sähe viel schöner aus, noch einmal aufzulegen“, sagte der sonst so schusssichere Schwoy. So siegte im Oberliga-Spitzenspiel Altona schließlich völlig verdient mit 2:0 durch zwei Treffer von Deniz Kacan. Erst verwandelte der Altonaer vom Elfmeterpunkt (67.), anschließend nach einem sehenswerten Solo (69.). Dabei musste der AFC sogar den zweiten Durchgang nur mit zehn Mann spielen – Francis Gyimah hatte in der 41. Minute Gelb-Rot gesehen. Kacan: „Wir haben eine junge Truppe, unser Ziel muss Platz eins bis drei sein.“

Tolle Geste. Oberligist Bramfelder SV hat durch die Versteigerung eines Trikots des TV-Moderators Elton auf dem Weinfest der Marktplatzgalerie Bramfeld 110 Euro für die Familie des siebenjährigen Effi L. erlöst. Der F-Jugend-Spieler von Dersimspor war am 17. Mai an der Baererstraße auf tragische Weise durch ein herabstürzendes Fußballtor ums Leben gekommen. „Der Hamburger Amateurfußball muss zusammenhalten“, sagte Bramfelds Ligamanager Söhren Grudzinski. Bald sollen Trikots von Per Mertesacker und Lukas Podolski versteigert werden.

Spätes Glück. Kuriose Punktgewinne feierten Norderstedt und Victoria in der Regionalliga. Die Victorianer standen auf der Fahrt nach Oldenburg im Stau und verschliefen zunächst die mit 20 Minuten Verspätung begonnene Partie. Doch Robert Subasic besorgte in der 90. Minute das 2:2 nach einem 0:2-Rückstand. In der 92. Minute traf Norderstedt daheim zum 1:1 gegen Wilhelmshaven. Norderstedts Torwart Johannes Höcker irritierte bei einer Ecke die Wilhelmshavener Verteidiger – und Angelos Eleftheriadis unterlief ein Eigentor.

Zwei Verträge, zwei Monate Pause. Bergedorfs Stürmer Pascal Pietsch ist vom Verbandsgericht des Hamburger Fußball-Verbandes für zwei Monate gesperrt worden. Pietsch soll sowohl beim Ost-Bezirksligisten FSV Geesthacht als auch beim Hansa-Landesligisten Bergedorf 85. einen Vertrag unterschrieben haben. Die Elstern haben beim DFB Protest gegen die Sperre eingelegt.

Schöne Feier. Die große Gala des Hamburger Fußballs beginnt heute um 18.30 Uhr im Hotel Grand Elysée. Moderator ist Uli Pingel.