Güven ist ein harter Junge

Amateurfußball SCVM-Spieler gibt Interview mit Nasenbeinbruch, Kacan trifft mit Maske, Bramfeld hat Facebook-Fans, Condor einen Philosophen

Doppelter Zulauf. Glücksfälle auf und neben dem Platz durfte am Sonnabend Oberligist Bramfeld bejubeln. Beim 6:0 gegen Barmbek (siehe Interview) knipste David Both dreimal. Der Stürmer kam in der Winterpause vom FC Dornbreite Lübeck aus der Schleswig-Holstein-Liga. "Er ist uns zugelaufen", sagte Bramfelds Ligamanager Söhren Grudzinski, "weil er aus beruflichen Gründen nach Hamburg zieht." Both habe beim BSV angerufen und beim ersten Probetraining sofort überzeugt. "Wir wussten gleich: Den nehmen wir. Der kann was", so Grudzinski.

Ebenfalls neu in Bramfeld sind zwei lustige Jugendliche mit Megafon, die die Zuschauer 90 Minuten lang mit Sprüchen versorgen. So lobten die beiden Jungs Barmbek vor der zweiten Hälfte dafür, dass "die überhaupt wieder zurückkommen" und feierten die Einwechslung von Kwado Osei (76.) frenetisch als "Debüt von Romeo Castelen". Angeblich sauer waren sie nur recht rasch auf Flügelflitzer Marcel Perz. "Du hast uns ein spannendes Spiel versprochen. Wo ist das denn spannend?", fragten sie lauthals, nachdem es bereits 3:0 für die wie entfesselt spielenden Bramfelder stand. "Das sind unsere Facebook-Fans, Familienangehörige von Marcel Perz. Ich fand die sensationell. Die können wiederkommen", sagte Grudzinski schmunzelnd.

Merkwürdige Woche. Ungewöhnlich turbulent ging es bei Oberligist Condor in dieser Woche zu. Nach dem äußerst glücklichen 2:1 in Curslack am vorvergangenen Sonnabend hatte sich Stürmer Carlos Flores noch als Philosoph versucht: "Die erste Hälfte steht als Sinnbild für das, was Condor war, die zweite Hälfte für das, was Condor in Zukunft sein wird", fand Flores wunderbare Worte für eine mäßige Leistung.

Die Torchancen, die Curslack verschleuderte, nutzte am Mittwochabend Norderstedt und fügte den Greifvögeln mit einem 0:7 die höchste Oberliga-Niederlage ihrer Vereinsgeschichte zu. Trainer Meik Ehlert bekannte, zu diesem Auftritt falle ihm "nichts ein". Gestern fiel das Spiel gegen Lurup aufgrund katastrophaler Platzverhältnisse aus.

Ebenso wie drei Tage zuvor die Aussprache mit Serhat Cayir und Pascal El Nemr, die wegen mangelnder Disziplin suspendiert waren. Coach Ehlert war krank. Ob die beiden Spieler im Kader verleiben, klärt sich am Montagabend.

Nicht gejammert. Plötzlich lag er auf dem Boden, seine Mitspieler riefen schnell die Betreuerin Annalena Gödecke herbei, und Schiedsrichter Michael Zibull war mit Gespann zur Stelle: SCVM-Spieler Ömer Güven blutete stark aus der Nase. Sie war gebrochen.

Doch Güven richtete sie sich noch im Sitzen selbst, stand auf, setzte sich grinsend auf die Bank und wartete auf die Feuerwehr, die mit stattlichen acht Mann anrückte.

"Das ist bei uns auf dem Land immer so, da kommt erst die freiwillige Feuerwehr", sagte Trainer Benjamin Scherner. Güven selbst hatte noch Zeit, sich mit blutverschmiertem Gesicht in aller Seelenruhe das Oberligaspiel anzugucken und anzumerken: "Ich hätte gerne noch weitergespielt. Das geht aber leider in diesem Zustand nicht."

Er hegte keinen Groll gegen seinen Norderstedter Gegenspieler, sondern vermutete, dass er unabsichtlich den Ellenbogen ins Gesicht bekommen hatte. Trainer Scherner äußerte nach dem 0:0 dann auch gleich die Hoffnung, dass Güven alsbald wieder dem Team zur Verfügung stehen möge: "Er ist echt wichtig für uns."

Entscheidender Maskenmann. Mit Nasenbeinbruch sogar zum Matchwinner wurde Altonas Deniz Kacan. In einer an Dramatik kaum zu überbietenden Oberligapartie gegen Meiendorf schnappte sich der in der Pause eingewechselte Kacan, der mit einer Karbonmaske auflief, in der 90. Minute beim Stand von 3:3 den Ball zum Strafstoß.

"Die Mannschaft hat ihm das zugestanden und er wollte das Ding unbedingt machen", sagte Altonas Pressesprecher Andy Sude. So ließ ihm Matthias Ribeau, der den ersten Altonaer Elfmeter eingenetzt hatte, den Vortritt, und Kacan verwandelte vor mehr als 400 begeisterten Fans sicher zum 4:3. "Zuletzt war ich in der Türkei. Das ist mein erstes Pflichtspiel seit drei Jahren. Die Freude ist überwältigend", sagte der Ex-St.-Paulianer. Kacan hatte bereits seit Oktober an der Adolf-Jäger-Kampfbahn mittrainiert, jedoch erst kürzlich die Freigabe erhalten.

Kampflos gewonnen. Ausgefallen ist das Spiel der Bezirksliga Nord zwischen dem SV Bergstedt und SC Sperber II. Die Gäste bekamen nur zehn Spieler zusammen und traten nicht an. Die Partie wird 3:0 für Bergstedt gewertet. Ob Sperber II sich abmeldet, ist noch offen.

Fast torlos verloren. Ein rabenschwarzes Wochenende erlebten die Hamburger Regionalligisten. Der SC Victoria wurde in Havelse mit 0:7 verprügelt, der HSV II verlor 0:2 in Neumünster. St. Pauli II traf zwar ins Tor, unterlag jedoch ebenfalls. Den 2:1-Siegtreffer für den VfL Wolfsburg II an der Hoheluft erzielte Ex-DFB-Nationalmannschaftsstürmer Patrick Helmes.