Amateurfußball

Ein Flutlicht auf Reisen

SC Concordia erhält ungewöhnliches Angebot für Stadion Marienthal. Vier- und Marschlande siegt dank Schmerztabletten, Curslack dankt Fußballgott

Schmerzvolle Rekordjagd. Hansa-Landesligist SC Vier- und Marschlande wandelt weiter auf den epochalen Spuren von Germania Schnelsen. Der aktuelle Oberligist hatte in der vergangenen Saison die Landesliga Hammonia zum ersten Mal in der Geschichte des Amateurfußballs als ungeschlagener Spitzenreiter beendet. Die Vierländer sind in der Hansa-Staffel nun schon seit 21 Spielen unbesiegt, gewannen am Freitagabend verdient mit 3:0 beim TSV Wandsetal - unter Aufbietung aller Kräfte.

"Bei uns fehlten sechs verletzte Stammspieler, und vier meiner Jungs mussten mit Schmerztabletten ins Spiel gehen. Wir kriechen auf dem Zahnfleisch", sehnte sich SCVM-Coach Jan Schönteich nach weniger Verletzungssorgen. Dass sein Team den Schnelsener Rekord sogar toppen könnte, da die Deichkicker ihre phänomenale Serie als Aufsteiger spielen, interessiert den Erfolgstrainer kaum: "Wichtig ist unser Vorsprung auf Platz drei. Einige Teams haben noch Nachholspiele. Verlieren wir nächste Woche bei Hamm United, wird es eng." Wetten mit hohem Einsatz sollte man darauf nicht abschließen. Die letzte Niederlage kassierte der SCVM am 28. November 2009 in der Bezirksliga Ost, 2:4 bei Altlantik 97.

Geforderter Fußballgott. Eine kleine Sünde sofort bestraft hat der Fußballgott in der Oberliga-Partie des SV Curslack-Neuengamme gegen den Niendorfer TSV. In der fünften Minute der Nachspielzeit stand Curslacks Torjäger Christian Spill beim Stand von 1:0 für die Seinen im Abseits. NTSV-Keeper Andre Tholen verlegte den Tatort für die letzte Freistoßchance seiner Mannschaft daraufhin unter vehementem Protest der Zuschauer regelwidrig sieben Meter in die Curslacker Hälfte. Dummerweise kam sein Freistoß postwendend zurück, Christopher Kock bediente Spill, und der lupfte den Ball aus 40 Metern über den hastig zurückstürzenden Tholen zum 2:0 ins Netz - nahe der Stelle, an der er zuvor im Abseits gestanden hatte.

Während Tholen mit einem nicht druckreifen Ausdruck in die Kabine flüchtete, waren "Spiller" die Glückwünsche seiner Mitspieler nach dem Abpfiff fast peinlich. "Ich weiß nicht, was heute mit mir los war. Beim von mir verschossenen Elfmeter entschied ich mich viel zu früh für eine Ecke, und auch sonst fühlte ich mich heute nie als Teil des Spiels", rätselte der 26-Jährige und folgerte schmunzelnd: "Mit dem Treffer konnte ich immerhin meine fürchterliche Leistung krönen."

Sollte der Fußballgott konsequent bleiben, so steht Niendorfs Davide Pedroso-Bussu übrigens eine Ehrung in Sachen Fair Play bevor. Beim Stand von 0:1 war er in einer Drangphase seines Teams auf Nachfrage von Schiedsrichter Alexander Teuscher (Eilbek) so ehrlich wie Gerald Asamoah. Statt der zunächst angezeigten Ecke für den NTSV gab es somit Abstoß für Curslack.

Marienthal-Export. Vor einem ungewöhnlichen Geschäft steht Oberligist SC Concordia. Der niedersächsische Oberligist Arminia Hannover möchte gerne die Flutlichtanlage aus dem Stadion Marienthal kaufen. "Wir stehen in Verbindung mit den Arminen. Unser Flutlicht ist nach den Anlagen des HSV und des FC St. Pauli das drittbeste in Hamburg, obwohl die Anlage bereits 1958 installiert wurde", erklärte der zweite Vorsitzende des SC Concordia, Bernd Orgas. "Da wir ab dem 31. März auch nicht mehr im Marienthal trainieren, brauchen wir es nicht mehr." Allerdings gibt es da noch ein kleines Problem. Orgas: "Die Masten sind circa 17 Meter hoch. Sie sind jeweils nur in einem Stück zu transportieren. Arminia Hannover weiß bisher nicht, wie das funktionieren soll." Wenn es klappt, will sich Orgas im Preis flexibel zeigen. "Das ist eine moralische Geschichte für uns, etwas vom alten Stadion Marienthal zu erhalten. Ein kleiner Obolus für unsere Jugendabteilung würde ausreichen."

Seeligers Solidarität. Bereits im ersten Spiel nach seiner schweren Verletzung schmerzlich vermisst wurde Harry Jurkschat bei Oberligist Altona 93. Der Knipser des AFC hatte sich am vergangenen Wochenende bei der Partie gegen den NTSV (0:1) das Kreuzband und den Außenmeniskus im linken Knie gerissen. Nach dem 1:1 beim SC Condor übte sich sein Trainer Thomas Seliger nun in Solidarität: "Natürlich lassen wir den Jungen nicht fallen. Wir haben ihm ja bereits ein Angebot zur Vertragsverlängerung gemacht und werden sicher noch einmal reden. Bei unserer Chancenverwertung heute ist gleich aufgefallen, dass er fehlt."

Jurkschat droht eine einjährige Zwangspause, am Dienstag bespricht er mit seinem Arzt das weitere Vorgehen. Es ist bereits sein zweiter Kreuzbandriss. Seinen Humor hat der Torjäger, der sich die Partie seiner Kollegen am Berner Heerweg auf Krücken ansah, jedoch bereits wiedergefunden: "An der Verletzung bin ich selber schuld. Ich wollte auf dem Feld wieder mal einen meiner gefährlichen Tricks ausprobieren, aber mein alter Körper macht so was einfach nicht mehr mit", sagte der 28-Jährige.

Gyasi am Boden. Wieder auf Abstiegsplatz 15 rutschte Oberligist Meiendorfer SV nach dem bitteren 1:2 bei Germania Schnelsen. "Ich mache mir aber keine Sorgen", sagte MSV-Trainer Lutz Göttling nach der Niederlage, bei der der MSV keineswegs wie ein Absteiger spielte. Zum Pechvogel avancierte dabei der eingewechselte Emmanuel Gyasi, der erst einen fragwürdigen Freistoß verursachte, der zum 2:1 führte - und dann in der Nachspielzeit nach einem Foul an ihm keinen Strafstoß zugesprochen bekam. Während Gyasi nach Spielschluss noch minutenlang behandelt wurde, schimpfte Göttling auf Schiedsrichter Sebastian Rabe (FG Vienenburg/Wiedelah): "Er hat eine gute Leistung gezeigt, aber was nützt das, wenn er den Freistoß falsch entscheidet und dann nicht den Mumm hat, einen klaren Elfmeter zu geben?"