Drei Traditionsklubs im Abstiegsstrudel

Amateurfußball: Wie Concordia, Bramfeld und Wedel die Krise überwinden wollen

Brennpunkt SC Concordia. Im Sportpark Hinschenfelde spitzt sich die Lage dramatisch zu. "Nichts von dem, was wir uns vornahmen, haben wir umgesetzt. Wir wollten heute eigentlich für den Trainer spielen und hätten brennen müssen. Das aber haben wir nicht getan", stellte Concordias Kapitän Maximilian Otto nach dem 0:2 gegen Germania Schnelsen zerknirscht fest. Die im Tabellenkeller gefangenen Concorden präsentierten sich erneut leblos und zweikampfschwach. "Das war besonders in der ersten Hälfte eine katastrophale Vorstellung. Zum Abstiegskampf gehört Kratzen, Beißen, Spucken und der Wille, Zweikämpfe zu gewinnen. Davon war bei uns nichts zu sehen", monierte der enttäuschte Trainer Daniel Sager. Der Ex-Profi des FC St. Pauli steht seit dem vorletzten Spieltag umso mehr unter Druck, da Spekulationen über ein von Vereinsseite gesetztes Ultimatum - angeblich sollte er vier Punkte aus den letzten vier Spielen des Jahres holen - die Runde machten. Sager holte seitdem einen Zähler - und hat mit seiner Elf in diesem Jahr nun nur noch die Partie am kommenden Sonntag beim SC Condor zu bestreiten.

Cordis Liga-Obmann Florian Peters verwahrte sich allerdings gegen die Gerüchte um die vermeintlichen Schicksalsspiele. "Es ist von Vereinsseite kein Ultimatum für den Trainer ausgesprochen worden", stellte er fest, gab jedoch keinen Garantieschein für seinen Coach ab. "Bisher haben wir an ihm festgehalten, und nach aktuellem Stand tun wir das auch weiterhin. Wir sind von seinen Fähigkeiten überzeugt, und ich habe das Gefühl, die Mannschaft steht zu ihm. Doch unsere Hinrunde verlief sehr ungünstig. Wir müssen die Situation zurzeit von Spieltag zu Spieltag neu bewerten und analysieren. Ich kann jetzt nicht sagen, dass Daniel für die gesamte Saison unser Trainer bleibt. Dazu kennen wir alle den Fußball zu gut." Der 31 Jahre alte Coach denkt seinerseits nicht an einen Rücktritt: "Ob die Mannschaft wirklich zu mir steht, kann ich nicht beantworten. Für diese Frage bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich glaube aber daran und stehe hinter dem Team. Ich habe die Kraft, um weiterzumachen, und bin nach wie vor vom Klassenerhalt überzeugt." Bei einem Abstieg wäre der Hamburger Traditionsklub, den Sager in der vergangenen Saison am letzten Spieltag zum Klassenerhalt führte, zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte nur noch sechstklassig.

Brennpunkt Bramfeld. Das 1:2 gegen den Meiendorfer SV war bereits die siebte Niederlage in Folge für den Tabellensiebzehnten. Trainer Michael Noffz macht dennoch in Optimismus: "Der Aufwärtstrend ist da. Wir haben uns deutlich besser präsentiert als noch in den letzten Wochen. Das macht mir Mut." Doch es muss endlich wieder etwas Zählbares her für das Team von der Ellernreihe. Allerdings sieht Torschütze Carsten Henning bezüglich der Umsetzung ein Problem: "Vielleicht mangelt es uns wirklich an Qualität. Aber in der Winterpause wird es schwierig, oberligareife Spieler für uns zu finden." Ein Trainerwechsel scheint in Bramfeld auch nicht bevorzustehen. Noffz hegt keine Selbstzweifel, und auch Henning sagt klar, wer in der Schuld steht: "Die Mannschaft verliert die Spiele, nicht der Trainer. Den Kopf stecken wir jedenfalls nicht in den Sand."

Brennpunkt Wedel. Der Tabellenletzte ist nach der 2:4-Niederlage beim SC Victoria kaum noch zu retten. Mit kümmerlichen acht Zählern sind die Jungs aus dem Elbestadion Schlusslicht der Oberliga Hamburg. Zudem gibt es hausinternen Zoff seit Saisonbeginn. Kapitän Berkan Algan mahnte immer wieder an, die Undiszipliniertheiten im Kader müssten abgestellt werden. Lieblingsziel seiner Angriffe wurde der nachverpflichtete Tamer Dönmez. Von diesem hatte sich der Verein in der vergangenen Woche getrennt. "Anspruch und Wirklichkeit gingen bei ihm nicht so zusammen, wie ich es mir vorstellte. Er setzte nicht die Akzente, die wir erhofft haben", so Trainer Frank Pagenkopf.

Dönmez sieht sich als Opfer der Umstände. "Mal funktionierte das Flutlicht nicht, mal mussten wir mit der Wäsche vom Vortag trainieren, dann kam das Geld nicht pünktlich, oder der Trainer suspendierte mich für ein Spiel, weil ich unsere jungen Spieler kritisierte. Dabei sollte ich Führungsspieler sein. Aber Führungsspieler muss man stärken. Ich bin ein einfacher Charakter, aber ohne Rückendeckung kann ich keine Leistung bringen. Der Wechsel nach Wedel war ein Fehler", so Dönmez, der sich auch von Algan zu Unrecht kritisiert fühlte: "Jeder in Hamburg weiß, welchen Charakter er hat. Er gibt immer zu allem seinen Senf. Ich habe mich ihm nicht bedingungslos untergeordnet, damit kam er nicht klar. Bleibt in Wedel alles so, wie es ist, werden sie absteigen." Pagenkopf will dies verhindern: "Ich bin der Letzte, der die Jungs im Stich lässt. Wir werden konsequent weiterarbeiten."