Der Unterschied zwischen Mercedes und Ente

"Kohfahls" MSV Hamburg holt ein 1:1. Liga-Manager begeistert

Hamburg. Stellen Sie sich vor, Zweitligist FC Ingolstadt hätte nach der Entlassung von Michael Wiesinger nicht Benno Möhlmann verpflichtet. Stattdessen hätten die Ingolstädter bei Armin Veh angefragt, ob er nicht diese Woche im Audi-Sportpark vorbeischauen wolle, um das abstiegsbedrohte Team zu trainieren und gegen Paderborn coachen. Danach könne er sich wieder voll auf den HSV konzentrieren. So sehr Vergleiche hinken - dieses Muster spielte sich in der vergangenen Woche im Hamburger Amateurfußball ab. Unter der Woche trennte sich Hansa-Landesligist MSV Hamburg von Trainer Alexander Reckewell und verpflichtete mit Oststeinbeks Stefan Kohfahl einen Oberliga-Coach - für ein Spiel.

Vorausgegangen war eine Serie von sieben Niederlagen in acht Partien für den Aufsteiger. Liga-Manager Torsten Strohmeyer sah sich zum Handeln gezwungen. "Wir spielten einfach zu defensiv und das vorhandene Spielerpotenzial wurde nicht voll ausgenutzt. Wir haben Leute wie Heiko Tetzlaff, Dennis Carl oder Normen Leßmann. Mit solchen Akteuren muss der Klassenerhalt zu schaffen sein", kritisierte er den erst seit Saisonbeginn auf der Kommandobrücke stehenden Reckewell - und nutzte seine Kontakte zu Kohfahl. "Wir und Oststeinbek engagieren uns bei den JFV-Jung-Elstern im Jugendfußball. Wir kennen uns seit Jahren. Somit fragte ich Stefan, ob er uns für eine Partie aushilft." Der Geehrte nahm an. "Das war für mich Ehrensache", so der OSV-Trainer, der die Genehmigung von seinem Liga-Obmann Christian Gronauer erhielt und somit in der vergangenen Woche zwei Teams trainierte. Strohmeyer: "Er ist ein rundum hervorragender Coach. Am Mittwoch saßen wir bis Mitternacht zusammen, besprachen die Taktik. Bei den Spielern kam er super an."

Das zeigten diese schließlich auch am Freitagabend in der Partie gegen die favorisierten Dassendorfer. 140 Neugierige - die ungewöhnliche Maßnahme hatte sich herumgesprochen - kamen an die Kandinskyallee und sahen einen fanatischen Kampf des MSV, der sich trotz Unterzahl in den letzten 20 Minuten mit dem Schlusspfiff belohnte. Eine Ecke von Admir Celikovic köpfte Ivan Klaric zum 1:1 ein. "Das war eine angesagte Standard", jubelte der Doppel-Trainer des Spieltags nach der Partie. Strohmeyer jubelte dafür über seine Maßnahme: "Mit zehn gegen elf haben wir mit drei Stürmern gespielt. Volle Abteilung Attacke. So muss das sein. Es macht einfach einen Unterschied, einen Oberliga-Coach auf der Bank zu haben. Ein Mercedes fährt ja auch schneller als eine Ente."

Der "Mercedes", welcher mit seinen Oststeinbekern am Sonntag ein 0:0 bei Barmbek-Uhlenhorst holte, bleibt dem MSV Hamburg nun in beratender Funktion erhalten. Doch in der nächsten Partie, daheim gegen den TSV Sasel, soll der neue Trainer auf der Bank sitzen. Keine Ente. Strohmeyer: "Die Entscheidung für den neuen Mann ist bereits gefallen. Am Mittwoch werden wir ihn der Mannschaft präsentieren, dann der Öffentlichkeit."