Sehnsucht nach einer Feiertruppe

Einige Curslacker wollen Lockerheit, der NTSV den Sinn des Spielberichts erklärt haben. Mathies kommt, trifft und geht - und Alarcons Arbeit wirkt

Ein Sechserpack auf Abwegen. Die Erfolgsstory des Oberligisten SV Curslack-Neuengamme hat vergangene Woche einen Dämpfer bekommen. Daniel Andrade, Ingo Carstensen, Christopher Kock, Daniel Wulff und Kapitän Matthias Figge verkündeten ihren Wechsel zum Kreisliga-Nachbarn SV Altengamme zur kommenden Saison. "Wir machen das nicht gegen Curslack, sondern für uns", sagte Figge, der das Kapitänsamt an Christian Spill abgab. "Freiwillig", betonte der 28-Jährige, der fußballerisch kürzer treten will. Trainer Torsten Henke war nicht begeistert, dass er von dritter Seite von diesen Absichten erfuhr: "Wenn so etwas hintenrum durchsickert und man vor vollendete Tatsachen gestellt wird, ist das enttäuschend. Diese Spieler hatten einen großen Anteil an unserem Erfolg." Dennoch will das Quintett weiter alles für den Verein geben, versprach Figge.

Danach soll es wieder anders zugehen: "Wenn man Oberliga spielt ist es klar, dass man keine Feiertruppe mehr hat. Das war früher hier in Curslack sicherlich mal anders, ist aber ein normaler Werdegang. Nächstes Jahr wird es für uns wieder etwas kameradschaftlicher, ruhiger und lockerer zugehen. Curslack habe ich in meinen elf Jahren lieben und schätzen gelernt.

Der Abschied fällt mir schwer und ich werde den Verein vermissen." Das kann von Marco Theetz übrigens nicht unbedingt behauptet werden. Der streitbare Mittelfeldspieler kündigte in der Woche per SMS und nimmt nicht mehr am Trainingsbetrieb teil.

Niendorf hat noch Fragen. Der Protest des Oberligisten Niendorfer TSV gegen die Wertung des Heimspiels gegen den FC St. Pauli II (das Abendblatt berichtete) ist vom Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) abgewiesen worden. Die Gäste hatten beim furiosen 3:3 am 19. Oktober David Eybächer eingesetzt, der das zwischenzeitliche 2:3 für die Kiezkicker erzielte, aber nicht auf dem Spielberichtsbogen vermerkt war. Somit konnte ihn Schiedsrichter Thomas Kruse (TuS Hamburg) später nicht auf dem elektronischen Spielberichtsbogen vermerken.

NTSV-Manager Carsten Wittiber. "Es wurde uns gesagt, es gebe da ein gängiges Sportgerichtsurteil des DFB von Anfang der 90er-Jahre. Danach sei der Bogen entscheidend, der vor der Saison beim jeweiligen Verband abgegeben werde. Nur was soll das? Dann kann ich ja letztlich jeden Spieler einwechseln, der am Anfang der Spielzeit auf dem Bogen steht. Wofür brauchen wir dann bitteschön noch Spielberichte?" Also Konsequenz will Niendorf nun in die nächste und letzte Instanz gehen - vor das Verbandsgericht des HFV.

Medizinisches Wunder bei BU. Ganz dicke kommt es zurzeit für den Oberligisten HSV Barmbek-Uhlenhorst. Im Heimspiel gegen den Oststeinbeker SV (0:0) zog sich die Seele des BU-Spiels, Sebastian Möller-Riepe, einen Jochbeinbruch, einen Augenhöhlenbruch und einen Bruch im Mundhöhlenbereich zu. Er hofft, am Mittwoch bereits operiert zu werden. Bereits vergangene Woche brach sich Goalgetter Marcus Hasenpusch bei einer ähnlich unglücklichen Aktion wie der von Möller-Riepe beim Auswärtsspiel an der Waidmannstraße beim FC St. Pauli II die Kniescheibe. Liga-Obmann Volker Brumm sieht die Lage allerdings mindestens bei Hasenpusch optimistisch. "Klar tut mir das unheimlich leid für die Beiden. Markus ist allerdings schon gesagt worden, dass er wahrscheinlich in vier bis sechs Wochen wieder spielen kann. Wir haben da sehr gute Kontakte ins UKE. Auch wenn es sich merkwürdig anhört: Kniescheibenbruch ist in seinem Fall gar nicht so dramatisch, wie es klingt. Bei Sebastian wird das schwerer. Aber wenn alles glatt läuft, hoffe ich, dass auch er, wie Markus, im Januar wieder in die Vorbereitung zur Rückrunde einsteigen kann."

Mathies kriegt Standing Ovations. Seine Funktion als Joker perfekt wahrgenommen hat Philip Mathies. Der Buchholzer Trainer Thomas Titze brachte Mathies bei der Oberliga-Partie in Wedel zur Pause beim Stand von 0:0 - und dieser ebnete mit seinen beiden Treffern in der zweiten Hälfte den Weg zum letztlich verdienten 3:0-Erfolg. Dafür erhielt der Matchwinner dann eine besondere Belohnung. Titze wechselte ihn nämlich in der Schlussminute wieder aus. Der Trainer schmunzelnd: "Er war eine Zeit lang verletzt und ist jetzt wieder gut dabei. Da wollte ich ihm, als bestem Mann auf dem Platz, die Standing Ovations unserer circa 8000 Auswärtsfans gönnen. Im Ernst: Ganz so viele waren es nicht. Aber die Hälfte der Zuschauer kam aus Buchholz und deren Extraapplaus hatte er sich verdient."

Hattricks immer verrückter. Der Amateurfußball bleibt weiterhin auf verrücktem Hattrick-Kurs. Bald genügen schon drei Tore innerhalb von zwei Halbzeiten in einem Oberligaspiel, wie jetzt vom Norderstedter Sa Borges Dju beim 5:1-Sieg in Bramfeld, nicht mehr, um in die Schlagzeilen zu kommen. Beim für den Hammonia-Landesligisten HEBC sehr wichtigen 5:0-Heimerfolg über den SC Egenbüttel war Zehner Cem Müller nämlich noch sechs Minuten schneller als in der vergangenen Woche Marcel Ullrich vom SCVM (das Abendblatt berichtete). Zwischen der 19. und 28. Minute traf Müller, jeweils nach wunderschönen Kombinationen, dreimal.

Präsident Michael Bastheim: "Cem macht in der Saison immer so circa seine acht Tore. Aber das es jetzt so gut klappt, liegt auch an unserem neuen Trainer Poen Alarcon. Die Trainingsbeteiligung hat sich sehr verbessert. Vorher waren manchmal nur 12 Mann da. Es wird viel stärker mitgezogen und wir üben sehr gut das Kombinationsspiel. Das liegt an unserem neuen Trainer Poen Alarcon. Wir hoffen, dass wir mit ihm die Klasse halten. Die Bezirksliga will er sich nicht antun. Das verstehe ich. Immerhin besitzt er die A-Trainer-Lizenz."