Amateurfußball

Hetzjagd und Versöhnungsbier

Schuberts Motivationskünste. Wesentlichen Anteil am 4:2-Sieg des FC Voran Ohe in der Landesliga Hansa gegen den SC Concordia II hatte Ohes Betreuer Oliver Schubert. "Schieße ich 20 Tore, kriege ich am Ende der Saison eine Kiste Havana Club Rum von Oliver. Das lohnt sich", erklärte der dreifache Torschütze Matthias Heidrich. Erst zu Beginn dieser Saison kehrte er von den Alten Herren zurück - und führte sein Team nach einem 0:2-Rückstand zum Sieg. Ein Freistoß (39.), ein Flachschuss aus 35 Metern (50.) und ein Knaller in den Winkel (57.) sorgen für die Führung der bis dato offensivschwächsten Mannschaft der Liga. "Ich sagte Matthias, er müsse mit dem Toreschießen endlich anfangen, wenn er die Wette gewinnen will", sagte Schubert.

Während der Begegnung sprang "Schu" zudem für den durch einen Hexenschuss gehandicapten Michael Kimmel bei der Bedienung der Anzeigetafel ein - und durfte sich auch beim 4:2 als "Teilhaber" fühlen. Dieses erzielte Stürmer Saloum Njie (70.), dem Schubert morgens simste, heute würde er treffen. So waren am Ende alle Oher glücklich, nur Kimmel wunderte sich: "Kaum bin ich krank, schießen die Jungs vier Tore. Ich gebe meinen Job an der Anzeigetafel trotzdem nicht auf."

Heißblütige Pressekonferenz. Ans Eingemachte ging es unter der Woche an der Hoheluft. Im Oberliga-Nachholspiel des SC Victoria gegen den USC Paloma (1:0) wurde Victorias Trainer Bert Ehm nach einer Rangelei mit Palomas Sven Drews auf die Tribüne verwiesen (78.). Kurz zuvor hatte Gästespieler Dirk Savelsberg für ein Foul an Roger Stilz die Rote Karte gesehen. Ehm platzierte sich jedoch nur wenige Meter hinter Palomas Bank und kommentierte weiterhin das Geschehen. Dies ließ USC-Coach Frank Hüllmann nicht kalt. Er bat seinen Kollegen, er solle aufhören, "so einen Scheiß" zu erzählen.

In der anschließenden Pressekonferenz bemühte sich "Hülle" um Frieden - bis Ehm den Gästen vorwarf, sie hätten "eine Hetzjagd auf Roger Stilz veranstaltet. Einige USC-Spieler sagten ihm, sie würden ihm die Knochen brechen. Als wenn das angesagt worden wäre." Hüllmanns Konter: "Blödsinn. Eine Hetzjagd würde ich niemals zulassen. Es ist frech, wie du über mein Team sprichst." Nach hitziger Debatte (Ehm: "Unterhalte dich mit Stilz" - Hüllmann: "Ja, ich weiß. Jedes Jahr das Gleiche.") tranken die Streithähne zusammen ein Bier und Hüllmann fand: "Verschiedene Meinungen machen Fußball interessant."

Abshagen als trauriger Held. In der vergangenen Spielzeit war das Auswärtsspiel seines SC Condor bei Altona 93 für Marcel Abshagen ein Grund für Bitterkeit. Der damalige Coach Mike Breitmeier ließ "Absi" gegen seinen Ex-Klub auf der Bank. Dies nahm der kleine Angriffsspieler Breitmeier sehr übel und äußerte dies auch offensiv.

Beim jetzigen Oberliga-Gastspiel des SCC wirbelte Abshagen dafür die halbe Adolf-Jäger-Kampfbahn durcheinander. Gleich drei Treffer gelangen dem 1,60 Meter großen wieselflinken Spieler, davon sogar zwei mit dem Kopf. "Ich denke, unser Trainer Meik Ehlert erinnerte sich an Abshagens Wurzeln und stellte ihn daher auf", meinte Pressesprecher Helmut Bielfeld. Alleine, es nützte nichts, denn nach einer 4:2-Führung verlor Condor das Duell noch mit 4:5. "Wir waren Opfer einer sehr merkwürdigen Schiedsrichterleistung. Beim Elfmeter lachten sogar die Fans auf der Tribüne. Zum Platzverweis meinte der Schiedsrichter hinterher zu mir, es habe daran gelegen, dass wir einen Torwart als Kapitän haben. Einen Feldspieler hätte er herbeirufen können, um Alexander Krohn vor dem Feldverweis zu beruhigen. Aber so weit zum Keeper laufen wolle er nicht. Eine solche Begründung ist mir wirklich neu."

Norderstedts bitterer Rekord. Ebenfalls unzufrieden mit dem Herrn in Schwarz zeigte sich Eintracht Norderstedt nach der 0:2-Niederlage im Oberliga-Duell beim FC Bergdorf 85. Martin Pfefferkorn vom SC Urania verteilte zwischen der 61. und 81. Spielminute vier Feldverweise für das Team von Andreas Prohn, welcher nach der Begegnung am Boden zerstört war. "Ich weiß teilweise gar nicht, wofür meine Jungs runtermussten. Marius Browarczyk bekam aus dem Nichts Gelb-Rot, und zweimal verwechselte der Schiedsrichter bei den Platzverweisen unsere Spieler. Unter anderem als Sören Warnick mit dem Knie auf der Linie rettete und Sven Lindener dafür mit Rot wegen absichtlichen Handspiels runtermusste." Trost erhielt Prohn von Trainerkollege Manfred Nitschke: "Er bestätigte mir, seit 1958 Fußball zu spielen und so etwas noch nie erlebt zu haben."

Alassani beleidigt Ball. Immerhin eine pfiffige Erklärung für seine Rote Karte gab Fousseni Alassani zum Besten. Der Shootingstar beim FC St. Pauli II musste in der Oberliga-Partie beim SV Rugenbergen in der 77. Minute duschen gehen. "Nach einem Zweikampf an der Außenlinie sagte er wohl etwas gegen den Linienrichter", erläuterte St. Paulis Liga-Obmann Hermann Klauck die fragliche Szene, doch Alassani - zu diesem Zeitpunkt bereits zweifacher Torschütze in einer wahnsinnig spannenden Begegnung, die die Kiezkicker-Reserve nach 1:3-Rückstand mit 5:3 gewann - gab an, seine Beleidigung habe dem Ball gegolten. "Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen", schmunzelte Klauck und kündigte an, Alassani müsse "auf jeden Fall die obligatorische Strafe in die Mannschaftskasse bezahlen. Ansonsten warten wir doch einfach mal ab, was Schiedsrichter Ralph Vollmers (SV Börnsen) in den Spielbericht schreibt."

Schock bei den HSV-Damen. Ein schlimmer Unfall führte zum Abbruch der Partie zwischen dem HSV III und Bergedorf 85 in der Regionalliga-Nord der Damen. In der 38. Minute prallten nach Informationen des HSV zwei Spielerinnen der Rothosen bei einem Zweikampf unglücklich zusammen. Beide blieben zunächst benommen liegen und mussten schließlich ins Krankenhaus eingeliefert werden. Eine Spielerin erlitt dabei eine Gesichtsfraktur und musste für eine gewisse Zeit in ein künstliches Koma versetzt werden. Sie befindet sich aber nicht in Lebensgefahr. Ihre Mitspielerin erlitt bei dem Zusammenprall eine Gehirnerschütterung.