Amateurfußball

Eine Entlassung in zwei Sätzen

Hansa-Landesligist TuS Hamburg gibt effektive Gremienauskunft. Hamms Adrian Jusufi braucht keine Fitness, Curslacks Marco Theetz keine Dusche

Lange Suche, kurze Entlassung. Seit zwei Wochen befindet sich Hansa-Landesligist TuS Hamburg auf Trainersuche. Der Retter der Vorsaison, Thorsten Beyer, war nach einem Fehlstart (nur ein Punkt in vier Spielen) entlassen worden. Ex-Coach Vlado Santa sprang interimsweise ein und kassierte nun, nachdem das Spiel gegen den SC Concordia II in der Vorwoche ausgefallen war, eine bittere 1:4-Niederlage beim SC Sperber. "Wenn wir so spielen, wird es noch schwieriger, einen neuen Mann zu finden", kommentierte Torwart Yavuz Karabulut den blutleeren Auftritt seines Teams. Beyers Entlassung ging dafür seinerzeit recht schnell vonstatten, wie dieser nun preisgab. "Ich erhielt einen Anruf, in dem es hieß, es gebe eine schlechte Nachricht. Ein Gremium habe entschieden, dass man sich von mir trennen müsse. Das Gespräch war nach diesen zwei Sätzen beendet", so Beyer. Seine Entlassung versteht er bis heute nicht. "Es gab kaum mehr eine Kommunikation mit mir vonseiten der Verantwortlichen, dafür eine extrem überzogene Erwartungshaltung in Sachen Saisonziel. Was jetzt gemacht wurde, ist blinder Aktionismus. Das Vorgehen, einen Trainer rauszuwerfen und nach zwei Wochen keinen Nachfolger zu haben, finde ich dilettantisch."

Bub bleibt frei. Dem Trainermarkt erhalten bleibt indes überraschend Matthias Bub. Der Ex-Trainer des SC Condor tritt nicht die Nachfolge des in der vergangenen Woche beim Oberligisten Niendorfer TSV zurückgetretenen Carrel Segner am Sachsenweg an. Der Teufel muss dabei im Detail gelegen haben, denn "sportlich hatte Matthias richtig Lust auf den Job, und wir waren uns in allem einig", so Liga-Manager Carsten Wittiber. "Aber nach intensiven Gesprächen gab es andere Punkte, in denen wir einfach nicht zueinander kamen." Plan B steckt jedoch schon in der Schublade. Wittiber: "Wir haben vorgesorgt und parallel auch mit anderen Kandidaten verhandelt. Es gab schon einige sehr gute Gespräche. Wir hoffen, in der nächsten Woche unseren neuen Trainer präsentieren zu können." Bis dahin betreut weiter Co-Trainer Ingo Glashoff interimsweise das Team, das am Sonntag gegen Altona 93 ein respektables 1:1 einfuhr.

Theetz ganz cool. Noch eine Stunde nach Spielschluss stand Curslacks Mittelfeld-Akteur Marco Theetz in voller Spielermontur vor der Kabine. "Ich habe ja überhaupt nicht geschwitzt", beantwortete er lachend die Frage, warum er sich noch nicht geduscht habe.

Eine bescheidene Antwort, denn Theetz war im Oberliga-Spiel gegen den USC Paloma zum Garant für die Aufholjagd avanciert. Erst traf er per Kopf (70.), dann sorgte er mit seiner linken Klebe eine Minute vor dem Ende für das viel umjubelte 3:3 nach einem 0:3-Rückstand. SVCN-Trainer Thorsten Henke war trotzdem sauer auf die Schlafmützigkeit seines Teams in den Anfangsphasen der letzten Partien. "Wir haben diesmal sogar eher mit dem Warmmachen begonnen, und es hat wieder nicht geholfen." Daher denkt der Übungsleiter an eine radikale Gegenmaßnahme: "Vielleicht sollten wir das nächste Mal ohne Aufwärmphase spielen." Fände Marco Theetz bestimmt gut. Er trifft ja auch, ohne zu schwitzen.

Ein merkwürdiger Aufstieg. Auf seltsame Weise seinem Berufswunsch Fußballer näher gekommen ist Adrian Jusufi. Der 22-Jährige wechselte am letzten Tag der Transferperiode vom Hansa-Landesligisten Hamm United zwei Staffeln höher zum SV Wilhelmshaven in die Regionalliga Nord. Der vor fünf Monaten verpflichtete kroatische Stürmer setzte sich nach kurzen Anlaufschwierigkeiten gegen Ende der vergangenen Saison im Hammer Park durch. "Aus seinem Urlaub kam er jedoch ohne jede Fitness zurück, lief bei den Konditionseinheiten hinterher", so Präsident Jörn Heinemann. Umso aktiver war "sein Möchtegern-Berater. Er bot ihn überall an wie Sauerbier." Nun schlug der SVW zu. Heinemann: "Wir haben uns mit Wilhelmshaven gütlich geeinigt und erhalten etwas Geld." Jusufi selbst macht er keinen Vorwurf: "Er ist ein guter Junge, hat riesiges Potenzial. Wenn er weniger Flausen von seinem Umfeld in den Kopf gesetzt bekommt, trauen wir ihm eine starke Karriere zu."

Schnelsens schönste Niederlage. Gleich zwei Niederlagen musste Oberligist Germania Schnelsen am Wochenende einstecken. Doch nur über das 0:1 daheim gegen den SC Condor ärgerten sich die Germanen. Am Sonnabendmittag verlor das Team nämlich gegen die SOS-Kinderdorfmannschaft aus Harksheide in einer hochdramatischen Partie mit 3:5 nach Elfmeterschießen. Auf Initiative des Sportlichen Leiters Heino Stemmann trat Schnelsen mit einem Besuch in Harksheide die Patenschaft für das Kinderdorf an. Der Verein spendet 600 Euro im Jahr und macht auf seinem rechten Trikotärmel Werbung für das Projekt. "Das ist ein lohnendes Engagement. Ich bin sehr beeindruckt von der großartigen Arbeit, die hier geleistet wird", kommentierte Trainer Heino Stemmann den Ausflug. Besonders lobenswert: Fast der komplette Mannschaftskader des Oberligisten war dabei, als Diplom-Sozialpädagoge Manfred Thurau ab 11 Uhr seinen Gästen das Leben im Dorf erklärte - und ihnen scherzhaft einen Rat für die kommenden Spiele gab: "Bitte bei Notbremsen immer den linken Arm zu den Zuschauern drehen. Nicht dass das auf unser Dorf zurückfällt."

Fall Gregori bleibt heiß. Weiter aktuell ist die Strafanzeige des Vaters von Wedels Burak Bayram gegen Dennis Gregori vom USC Paloma (das Abendblatt berichtete). "Burak äußert sich momentan öffentlich nicht. Die Polizei ermittelt aber weiter und befragt nun Zeugen des Vorfalls. Auch ich wurde zu einer schriftlichen Zeugenaussage bis zum 30. September aufgefordert", erklärte Wedels Förderkreismitglied Christian Buhrke. Ob es zu einer Strafverhandlung kommt, ist unklar. Offen ist auch, ob der 35-jährige Gregori, der aufgrund einer Tätlichkeit gegen Bayram vom HFV-Sportgericht für neun Monate gesperrt wurde, seine Karriere beendet. Da der USC Paloma keinen Einspruch einlegte, bliebe zur Verkürzung der Strafe nur ein Gnadengesuch.