Sperber verkauft Stadionnamen und erhält sich die heile Welt

Hansa-Landesligist bietet seinem Sponsor aber noch keine Tore

Hamburg. Für den Landesligisten SC Sperber steht die bisherige Saison unter dem Motto des Wechsels. Erst kamen zehn neue Kicker, dann musste der Verein wegen einer Überzahl an Mannschaften aus der Hammonia-Staffel in die Hansa-Staffel übersiedeln. Bei so viel Veränderung am Heubergredder wollte der Vorstand des Klubs nicht nachstehen - und veräußerte den Stadionnamen. "Unser Stadion heißt nun "Sport-Duwe-Stadion Alsterdorf", erklärte ein sichtlich erfreuter Sportchef Eugen Igel auf der Pressekonferenz nach dem 0:0 gegen Dassendorf.

Den Sponsor hatte er dabei gleich mit im Gepäck. Wilfried Duwe, seines Zeichens Sportfachhändler aus Oldenburg mit 18 Filialen, verwechselte zwar kurz das Ergebnis ("Das 1:1 geht in Ordnung, auch wenn Sperber etwas besser war"), bot dann allerdings Interessantes: "Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Michael Malbranc fragte mich, ob ich mich in Hamburg engagieren wolle. Ich verhandelte auch mit den Oberligisten USC Paloma und dem HSV Barmbek-Uhlenhorst. Bei Sperber passte von Beginn an alles. Ein Engagement im Bereich Stadionname muss nicht immer von einem großen Konzern ausgehen, so wie in der Bundesliga." Oder wie beim Oberligisten Bergedorf 85, der vor dieser Saison seinen Stadionnamen für einen dem Vernehmen nach vierstelligen Betrag pro Jahr an Langnese verkaufte und nun im "Langnese Happyness-Stadion Sander Tannen" spielt.

Sollte Sperbers Modell Schule machen, könnte das Stadionsponsoring von Mittelständlern oder Kleinsponsoren bald auch im Amateurfußball groß in Mode kommen. Viele Klubs sind klamm, klagen seit Jahren über sinkende Zuschauerzahlen. Sämtliche Einwände, ein Stück Seele des Vereins würde mit dem zunächst zweijährigen Vertrag verkauft, wischte das Duo Igel/Duwe vom Tisch.

"Vorher hieß die Anlage Stadion Alsterdorf. Nun kommt ,Sport-Duwe' als Zusatz hinzu. Das tut keinem weh", meinte Igel und Duwe ergänzte: "Jeder Verein sollte solche Möglichkeiten nutzen. So etwas soll sich auch für beide Seiten refinanzieren. Und hier handelt es sich beim Sponsoring nicht, wie beim "Signal Iduna Park" in Dortmund, um Gelder der Versicherungsgemeinschaft."

Zahlen ließ er sich jedoch nicht entlocken. "Ich bezahle einen sechsstelligen Betrag, über mehrere Jahre verteilt", sagte er sichtlich verschmitzt. Egal, um welche Summe es sich handelt, in die Spielertaschen soll das Geld nicht fließen. Der Landesligist behauptet weiterhin, keinen Cent an Gehältern zu zahlen. Geldwerte Leistungen wie ein Essen nach dem Spiel, schicke Kabinen oder kleine Punkt- und Siegprämien für die Mannschaftskasse würden die Kicker am Heubergredder zufriedenstellen. Der Ungläubigkeit in der Amateurszene ob dieser Aussagen begegnet Igel gelassen: "Es muss uns keiner glauben. Aber es ist so."