Schock für Bayram, Anzeige gegen Gregori

Tätlichkeit überschattet den zweiten Spieltag der Oberliga Hamburg. Die Partie an der Brucknerstraße beschäftigt nun die Kriminalpolizei

Figges Lerneffekt endet tragisch. In der vergangenen Saison war Curslacks Abwehr-Routinier Matthias Figge nach seinem Treffer zum 5:1 gegen den TSV Uetersen (Endstand 7:3) noch ratlos. Frank und frei bekannte er nach der Partie, dass "ich gar nicht wusste, was jetzt zu tun ist", denn er trifft ungefähr so häufig ins Netz des Gegners wie Wolfsburgs Arne Friedrich in der Nationalelf. Im Oberliga-Heimspiel gegen den TSV Buchholz 08 war Figge nun besser mit Jubelarien vertraut, als er den Ball in der 86. Minute zum 1:1-Ausgleich in die Maschen schob. Der Effekt dieses Treffers war allerdings fatal. Wie eine Schülermannschaft löste Curslack direkt nach Wiederanpfiff die Abwehr auf und stürmte mit Mann und Maus nach vorne, um noch den Sieg zu erzwingen. Konsequenz: Buchholz' Arne Gillich durfte nach einem Befreiungsschlag seiner Elf alleine auf das Gehäuse der Gastgeber zusteuern und erzielte den Siegtreffer für seine Farben. In der hektischen Schlussphase stürmte ein Curslacker Fan gar ein paar Meter auf den Platz. Diese Geschehnisse schlugen sogar dem sonst unerschütterlichen SCVN-Trainer Torsten Henke aufs Gemüt. Sein Statement auf der Pressekonferenz: "Glückwunsch an Buchholz. Verdienter Sieg. Danke."

Kirsch stoppt Reiher. Seine Wettschuld bei Ralf Palapies nicht einlösen konnte Sperbers Innenverteidiger Tommy Reiher. Reiher sollte nach verlorener Wette gegen Rugenbergens Trainer Ralf Palapies das Heimspiel gegen TuS Dassendorf (0:0) in der Landesliga Hansa eigentlich mit umgedrehter Hose bestreiten (das Abendblatt berichtete). Schiedsrichter Florian Kirsch (SV Halstenbek-Rellingen) spielte jedoch nicht mit und unterband jeden Versuch im Ansatz, da Sperbers grüne Hosen innen weiß sind. Etwas enttäuscht hielt Reiher daraufhin die Abwehr dicht - und verhinderte Mitte der zweiten Halbzeit einen sicheren Treffer seines Abwehrkollegen Lukas Dau, als er kurz vor der Linie dem Ball unglücklich im Weg stand. Immerhin entließ Kumpel "Pala" ihn aus seiner Wettschuld: "Er hat die Hose immerhin beim Aufwärmen falsch herum getragen. Wir haben beide unseren Spaß gehabt."

Ehlerts Serie hält. Unter widrigsten Bedingungen hat der SC Condor seine "Unbesiegbarkeit" in der Oberliga Hamburg unter Trainer Meik Ehlert gewahrt. Ehlert war vier Spieltage vor Ablauf der Vorsaison zum Cheftrainer befördert worden und hatte die Saison mit vier Siegen abgeschlossen. Nach einem Unentschieden am ersten Spieltag gegen den HSV Barmbek-Uhlenhorst (2:2) schien die Partie beim SC Concordia nun die erste Liga-Niederlage nach drei Monaten einzuläuten. Heiner Twardawa verschoss einen Handelfmeter (34.), und nach der eigenen Führung durch Carlos Flores (57.) überschlugen sich die Ereignisse. Jan Pawletta rettete zehn Minuten später per Handspiel deutlich hinter der Linie. Schiedsrichter Björn Krüger (Eintracht Norderstedt) zeigte Pawletta dennoch Rot und gab Elfmeter, den Zami Khalil verwandelte. Sechs Minuten später verletzte sich "Raubvogel" Matthias Werwarth. Da Condor schon dreimal gewechselt hatte, mussten sich neun Gästespieler am und im eigenen Strafraum verbarrikadieren und den Punkt sichern. Es gelang, und der Trainer erkannte: "Nach diesem Spiel müssen wir mit dem Remis zufrieden sein."

Serie, die zweite. Ebenfalls "Serientäter" bleibt Hammonia-Landesligist TuS Holstein Quickborn. Nach dem Ärger um die gelben Tore (das Abendblatt berichtete) dachten die Verantwortlichen, es könne nicht mehr dicker kommen. Denkste! Beim VfL Pinneberg ergab sich eine leblose Quickborner Mannschaft mit 1:9 (!) und ziert nun punktlos mit 1:14 Toren das Tabellenende. Bei der Rückkehr in die Kabinen fand das desolate Team dann auch noch eine Überraschung der negativen Art vor. Unbekannte hatten sich Zutritt verschafft und Geld aus der Kabine gestohlen. Liga-Obmann Torsten Hoffmann: "Drei Spielern sind insgesamt 80 Euro gestohlen worden." Die Polizei ermittelt.

Ein Koreaner in der Oberliga. Das südkoreanische HSV-Stürmertalent Heung Min Son fällt mit einem Mittelfußbruch aus. Doch während die Fans noch mitlitten, zeigte ein anderer Koreaner am Freitagabend ein ansprechendes Debüt in der Oberliga. Der 21-jährige Bum Joon Kim überzeugte mit einer guten Leistung als Victorias Linksverteidiger gegen Altona 93. Kim war mit seinem Berater mitten in der Vorbereitung bei Vickys Training aufgetaucht und hatte Trainer-Altmeister Bert Ehm erklärt, er wolle Profi werden und der blau-gelbe Abo-Meister solle seine erste Station sein. Der überraschte Ehm testete ihn und war sofort überzeugt. Zwar spricht sein neuer Schützling noch kein Deutsch und muss sich auf dem Platz per Zeichensprache verständigen, sein Stammplatz für den DFB-Pokal-Hit gegen Rot-Weiß Oberhausen ist aber sicher. Außerhalb des Feldes klappt die Integration. Ehm: "Nach dem Spiel gegen Altona war er beim Mannschaftsabend dabei und schon richtig locker."

Üble Attacke mit dem Kopf. Eine Tätlichkeit beging Dennis Gregori vom Oberligisten USC Paloma. Der defensive Mittelfeldspieler verpasste seinem Wedeler Gegenspieler Burak Bayram beim Stand von 3:0 für die Gastgeber nach einem Foulspiel eine heftige Kopfnuss. Dieser ging blutend zu Boden und war auch nach mehreren Minuten kaum ansprechbar. Das Spiel wurde unterbrochen, der herbeigerufene Krankenwagen musste auf den Platz an der Brucknerstraße fahren, um dem Verletzten zu helfen. Gregoris geringste Sorge dürfte nun sein Feldverweis sowie die zu erwartende lange Sperre sein. Bayrams Vater stellte Strafanzeige bei der Kriminalpolizei. TSV-Trainer Frank Pagenkopf forderte "eine lebenslange Sperre" für den Übeltäter, und Palomas Betreuer Kai Rathke gab zu, Gregori sei "nach dem Foul wie ein Berserker gegen Bayrams Kopf gelaufen". USC-Trainer Frank Hüllmann sagte, die Szene sei für ihn zu weit entfernt gewesen, um sie zu beurteilen. "Ich werde aber mindestens mit dem Schiedsrichter und mit Dennis darüber sprechen. Wenn es so war wie geschildert, ist das nicht in Ordnung."