Türkyie sperrt Tore, TuS Hamburg öffnet sie

Klebebänder, ein brutaler Weckruf und die falsche Reinigung der Kontaktlinsen. Beim Saisonstart in Hamburg geht es gleich zur Sache

Nahrmann hält sein Tor sauber. Nicht nur Süderelbes neuer Trainer Jean-Pierre Richter erlebte durch das Missgeschick des HEBC (siehe Artikel unten) ein seltsames Debüt. Während Richter sich zwar über die drei Punkte freute, aber bekannte, dass "wir alle viel lieber gespielt hätten", war sein Torwart Peter Nahrmann glücklich. Der neue Keeper leistete sich seinen ersten Fehler schon eine gute Stunde vor der Partie und verwechselte das Mittel, mit dem er seine Kontaktlinsen reinigen wollte. "Statt der Kochsalzlösung habe ich mich vergriffen und irgend so ein brennendes Zeug in meine Augen gekippt", erklärte Nahrmann. Als Folge seines Fauxpas tränten seine Augen fast ununterbrochen. Kurz vor dem geplanten Anpfiff wurde es besser und Nahrmann entschied sich dafür, aufzulaufen. Als die Punkte schließlich kampflos an sein Team gingen, strahlte er erleichtert: "Drei Punkte zum Start, kein Gegentor bekommen. Da kann ich richtig zufrieden mit mir sein."

Rätselraten am Gesundbrunnen. Erst mal Ernüchterung eingekehrt ist bei Hansa-Landesligist TuS Hamburg. Nachdem sich das Team um Trainer Thorsten Beyer im Schlussspurt der vergangenen Saison knapp vor dem Abstieg rettete, setzte es nun zum Heimauftakt gegen den Rahlstedter SC ein deprimierendes 0:8! Beyer, der sich vor dieser Saison darauf gefreut hatte, die Mannschaft zum ersten Mal selbst zusammenstellen und vorbereiten zu können, zeigte sich nach der Pleite angeschlagen und rätselte: "Ich weiß nicht, ob das nun ein brutaler Weckruf war oder wirklich das qualitative Leistungsbild der Mannschaft." Immerhin haben seine Kicker trotz des frühen Absturzes auf den letzten Tabellenplatz noch eine ganze Menge Zeit, eine Negativserie aus der Vorsaison zu brechen. Damals gelang dem Team erst am sechsten Spieltag das erste Tor - beim 1:4 in Sasel ...

Buchholz erneut fairstes Team. Einen Fehlstart in die neue Saison legte Oberligst TSV Buchholz 08 hin. Der Vizemeister unterlag dem Niendorfer TSV daheim überraschend mit 1:2. "Wir hatten heute viele Ausfälle zu verkraften und haben unsere Chancen nicht genutzt", sagte Trainer Thomas Titze enttäuscht. "Wir hätten auch zwei Elfmeter bekommen müssen, allerdings war der Elfmeter für uns unberechtigt, da das Foul außerhalb des Strafraums stattfand." Etwas trösten konnten sich Titze und seine Mannen aber doch, denn wie jetzt bekannt wurde, hat Buchholz zum fünften Mal in Serie den Fairnesspreis der Oberliga Hamburg gewonnen. Auch in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit stellten die Nordheider das fairste Team. Titze: "Der Preis ist jetzt fünfmal ausgespielt worden und in der Oberliga gewannen wir ihn stets. Fairness ist für mich eine ganz wichtige Grundvoraussetzung im Sport und ich bin daher sehr stolz auf meine Truppe." Der Preis "freundlich & fair" wird von der Sparda-Bank gestiftet und ist für die Oberliga Hamburg mit 3000 Euro dotiert. Ein weiterer Seriensieger findet sich übrigens in der Kreisliga. Der SV Muslime errang den Titel zum dritten Mal in Folge und gewann 1500 Euro.

Bewährungsprobe für Florian Kirsch. Einen besonderen Fall wird am kommenden Freitag Schiedsrichter Florian Kirsch (SV Halstenbek-Rellingen) am Heubergredder zu lösen haben. Denn die Partie der Landesliga Hansa zwischen dem SC Sperber und der TuS Dassendorf muss Sperbers Abwehrrecke Tommy Reiher in umgedrehter Hose bestreiten. Reiher und der Rugenbergener Coach Ralf Palapies hatten im Urlaub auf Mallorca gewettet, dass "Pala" eine von Reiher bestimmte Scherzbrille nicht auf der Pressekonferenz im ersten Spiel des SVR gegen den USC Paloma (2:2) tragen würde. Palapies erfüllte aber seinen Wetteinsatz und sorgte für Riesenspaß bei allen Beteiligten. Und kann nun genüsslich auf das Versprechen von Reiher warten - die umgedrehte Hose im Spiel darauf. Man darf gespannt sein, was Regelhüter Kirsch dazu sagen wird.

Gelbe Tore. Nicht glücklich mit dem Ziel des Spiels ist momentan Hammonia-Landesligist TuS Holstein Quickborn. Neben den Banden haben sich im Holstenstadion nämlich auch die Tore gelb verfärbt. Grund: Die Stadt wechselte die Bewässerung der Sportanlage, stieg von Leitungswasser auf eisenhaltigeres Brunnenwasser um. Nun kämpfen die Quickborner mit allerlei chemischen Mitteln darum, die hässlichen Tore wieder in den Normalzustand zu versetzen. Den Gästen vom TSV Uetersen machte die neue Mode am Freitagabend aber nichts aus. Mit 5:0 nahmen sie Quickborn auseinander. Da ist es vielleicht ein Trost, dass die Mannschaft von Trainer Jens-Uwe Meier heute wahrscheinlich drei Treffer geschenkt bekommt. Das vor einer Woche beim Stand von 0:0 nach 30 Minuten abgebrochene Oddset-Pokalspiel der zweiten Runde bei Kreisligist SC Bosna - Spieler der Gastgeber sollen den Schiedsrichter angegriffen haben - wird heute beim Hamburger Fußball-Verband verhandelt. Die Chancen auf ein Quickborner 3:0 am grünen Tisch stehen blendend.

Prophezeiung an der Landesgrenze. Der FC Türkiye und der SC Vier- und Marschlande trennten sich am ersten Spieltag der Landesliga Hansa mit 0:0. Die Torlosigkeit auf dem Grandplatz an der Landesgrenze konnten die findigen Amateurfußballfans allerdings schon vor dem Anpfiff erahnen. Verdutzt rieben sich die Zuschauer die Augen, denn die Gestänge beider Gehäuse waren zigfach mit orangefarbenem Klebeband umwickelt, auf welchem in dicken Buchstaben das Wort "Gesperrt" zu lesen stand. Der Fluch des Klebebandes führte zu gerade einmal fünf Einschusschancen im gesamten Spiel, hatte aber immerhin einen logischen Hintergrund, wie Türkiyes Manager Klaus Klock berichtete: "Bei unseren Jugendspielen werden die kleinen und großen Tore öfter verwechselt. Es gab schon Schiedsrichter, die nach einem Pfostentreffer auf die großen Tore einfach das Spiel weiterlaufen ließen. Deshalb haben wir eine Kennzeichnung vorgenommen, damit das nicht mehr vorkommt."