Nach der verlängerten Zwangs-Winterpause

Amateurfußball: Vier Spieltage pro Woche möglich

Hamburg. Stefan Kohfahl führt ein Vorbereitungstagebuch. Der Erfolgstrainer des Hamburger Oberligisten Oststeinbeker SV notiert darin alle Maßnahmen, um sein Team für die Rückrunde fit zu bekommen. Und das Buch will einfach nicht enden. Fußball kommt selten darin vor. "Aqua Jogging, Kung Fu, ein Pokerabend. Einmal habe ich Rodeln vorgeschlagen, aber die Spieler schauten mich an, als sei ich nicht ganz dicht", sagt Kohfahl.

So geht es allerorten im Hamburger Amateurfußball. Oberligist TSV Buchholz 08 spielt Eishockey, Landesligist Germania Schnelsen spurtet in aller Frühe um die Alster, Kreisligist Eidelstedt II geht boxen.

Da die Plätze selbst nach Tauwetter noch einige Wochen lang eine Mischung aus tiefem Bodenfrost und Matsch darstellen werden, rechnet kaum jemand mit einem flächendeckenden Start in den nächsten drei Wochen . Die völlig überlaufenen Soccerhallen und die Eigner der testspieltauglichen Kunstrasenplätze wie SV Curslack-Neuengamme, Eintracht Norderstedt oder SC Vier- und Marschlande verdienen sich so ein hübsches Sümmchen an Platzmieten nebenbei. "Es kann nur darum gehen, bis zum Start den konditionellen Stand und die Stimmung hoch zu halten", beschreibt Kohfahl die Lage.

Eine Lage, die der Hamburger Fußball-Verband aus Sicht von Buchholz-Trainer Thomas Titze etwas unterschätzte. Schon Anfang Februar forderte er eine Generalabsage, "da doch klar ist, dass in diesem Monat keine Spiele mehr stattfinden. Dann hätten wir ganz anders planen können." Joachim Dipner, Vorsitzender des Spielausschusses und neutraler Platzobmann des HFV, konterte dies mit dem Hinweis, dass der Verband sich eben auch mit den Bezirksämtern absprechen müsse. Trotzdem stellte der HFV seine Praxis Mitte Februar um, sagte bereits zweimal für das übernächste Wochenende alle Spiele gleich mit ab.

Aber wie geht es weiter, wenn gespielt werden kann? Die Oberliga-Saison dauert bis zum 29. Mai, ab den Landesligen abwärts wird bis zum 16. Mai gespielt. Muss nicht zwangsläufig verlängert werden? Kohfahl: "Schon aus wirtschaftlichen Gründen sollte länger gespielt werden. Bei einem Kick unter der Woche kommen weniger Zuschauer." Jan Schmidt-Tychsen, Team-Manager des Bezirksligisten Niendorf II, hat eine andere Stimmung ausgelotet: "Ich bin auch für eine Saisonverlängerung und habe sie auf dem HFV-Ausspracheabend angefragt. Die meisten Vertreter waren dagegen. Da scheinen wohl eine ganze Menge Teams ihre Abschlussreisen gebucht zu haben."

Der Verband hingegen bezieht klar Stellung. "Eine Saisonverlängerung ist die allerletzte Tür, die wir aufmachen", sagt Dipner. "Ab Juni müssen viele Rasenplätze gepflegt und eine ganze Menge Relegationsspiele in den Staffeln ausgetragen werden. Zur Not wird es auch ein- oder zweimal vier Spieltage in der Woche geben." Wahrscheinlich ist die Verlängerung für die Oberliga. "Es gibt Bestrebungen der Landesverbände Schleswig-Holstein und Niedersachen, die Saison zu verlängern. Wir würden das dann wohl mitgehen, wenn ein Hamburger Vertreter sich bis zum 15. März zu den Aufstiegsspielen zur Regionalliga meldet. Damit keine Wettbewerbsverzerrung entsteht", erklärt Dipner. Bei der Tagung des Norddeutschen Fußballverbandes am 18. März steht das Thema ganz oben auf der Agenda.