Amateurfußball

Simon Gottschling und sein Rendezvous mit dem Oher Wind

Aufregung am Gesundbrunnen. An Dramatik kaum zu überbieten war die Partie der Landesliga Hansa zwischen TuS Hamburg und dem FC Türkiye. So richtig zur Sache ging es aber erst nach Spielschluss. Nachdem nämlich TuS Hamburgs Lukas Baumann in der 89. Minute eine Ecke direkt am ersten Pfosten zum erlösenden 2:1 verwandelt hatte, pfiff Schiedsrichter Christian Henkel (VfL Lohbrügge) bald darauf ab - nach Interpretation von Türkiyes Trainer Dogan Inam vor Ablauf der regulären Spielzeit. Die Gästespieler hatten daraufhin Redebedarf. "Haisem Mohssen hat den Schiedsrichter nur gefragt, warum er nicht nachspielen lässt. Dafür bekam er die Rote Karte. Zudem hat Henkel zu ihm "Verpiss Dich" gesagt", fand Inam kritische Worte für die Leistung des Unparteiischen. Dieser wurde von TuS Hamburgs Schiedsrichter-Betreuer Frank Müsing und Liga-Manager Katja Gehrmann in die Kabine begleitet. "Zur Sicherheit, da Türkiye etwas aufgebracht war. Es ist aber nichts passiert", so Gehrmann. Philosophische Worte für das Geschehen fand Trainer Torsten Beyer nach dem überlebenswichtigen Sieg seiner Elf: "Herr Henkel pfiff, wie Herr Henkel eben pfeift. Und hat eine sehr genaue Uhr ..."

Gottschlings große Genialität. Was Lukas Baumann kann, kann Simon Gottschling schon lange. Einigkeit Wilhelmsburgs "Zehner" verwandelte im Spiel beim FC Voran Ohe (siehe Interview) in der 36. Minute eine Ecke direkt zum 1:1-Ausgleich - allerdings am zweiten Pfosten in den Winkel! Trainer Frank Heine: "Ein wirklich schönes Tor. Wir haben ja die erste Halbzeit mit Rückenwind gespielt, und Simon hat schließlich auch eine gewisse Schusstechnik. Er sagte mir in der Pause, er habees drauf angelegt, die Windunterstützung auszunutzen." Für diese Version sprach auch Gottschlings selbstbewusstes Auftreten nach dem Treffer. Er wandte er sich einem Zuschauer nahe der Eckfahne zu und erklärte ihm sowie seinen ihn herzenden Mitspielern lächelnd, wie er diesen Geniestreich hinbekommen hatte.

Schneppes Jugendstil wird bestätigt. Zuletzt hatte Lohbrügges Trainer Sven Schneppel vermehrt auf die Jugend gesetzt. Spielen sollten auf der Abschiedstournee durch die Oberliga Hamburg "nur noch die Akteure, die uns auch in der nächsten Saison die Treue halten wollen. Sie sollen die Gelegenheit bekommen, sich einzuspielen und sich zu zeigen." So gelangen zwei überraschende Auswärtssiege (jeweils 1:0 beim SC Condor und beim USC Paloma).

Im Spiel gegen Halstenbek-Rellingen rotierte Schneppel zurück und gab den "Alten" noch einmal eine Chance. Doch Ricardo Nunes, Ibrahim Kilic & Co. enttäuschten auf der ganzen Linie. Ein Ergebnis, dass den Trainer und seinen Jugendstil bestätigte. "Es war eine Zumutung, was wir unserem Publikum hier heute angeboten haben. Das war Kreisklassenniveau", schimpfte der erboste Trainer nach der 1:3-Niederlage auf eigenem Platz.

Bilanz der Woche. Überraschend wurde am vergangenen Dienstag Mike Breitmeier beim SC Condor entlassen. Zwei Tage zuvor war seine Mannschaft nach einem 0:5-Rückstand beim SV Curslack-Neuengamme noch auf 4:5 herangekommen, dennoch erklärte Pressesprecher Helmut Bielfeld, der Schritt sei aufgrund der "prekären sportlichen Lage" notwendig. Ex Co-Trainer Meik Ehlert wurde zum Chef befördert und schaffte den nun fast sicheren Klassenerhalt in seinen ersten fünf Arbeitstagen - und das auch noch auf zwei Belägen. Am Donnerstagabend siegten die "Raubvögel" mit 3:0 auf Rasen beim SC Concordia, am Sonntag wurde der Grand des USC Paloma gestürmt. Florian Neumann, gerade erst acht Minuten auf dem Feld, besorgte das 1:0 vier Minuten vor dem Abpfiff. "Wir hatten in dieser Woche 22 Kameraden im Team und haben nun den Grundstein gelegt, um in der Liga zu bleiben. Wie es mit mir weitergeht, entscheidet sich aber erst nach dem letzten Saisonspiel gegen Wedel. Dann werden wir uns zusammensetzen", so Ehlert, der von Bielfeld umgehend gelobt wurde: "Wir haben gesehen, dass unsere Entscheidung richtig war. Zwischen Mike Breitmeier und der Mannschaft hat es irgendwie nicht mehr gepasst."