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In oberbayerischen Erlebnismuseen geht Probieren über Studieren

Markus Wasmeier ist entsetzt: Kühe sind lila. Und Bauern fahren tagein, tagaus mit dem Traktor auf und ab.

Schuld war eigentlich die lila Kuh. Markus Wasmeier war entsetzt, als er von den Ergebnissen einer Umfrage hörte: Viele Kinder glauben, das Fell der Milch spendenden Vierbeiner sei violett. Und die Milch? Die stamme doch, ebenso wie der Käse, aus Fabriken, erklärten Kinder dem verdutzten Skistar, als dieser selber mal bei den Kleinen in seiner Umgebung nachfragte. Und Bauern fahren tagein, tagaus mit dem Traktor auf und ab. Genug gehört. Der zweifache Olympiasieger beschloss, ein Freilichtmuseum zu errichten, das Besuchern bäuerliche Lebensweisen vermittelt und "das kulturelle Erbe erhält", so Wasmeier.

Gesagt, getan. Drei historische Gemäuer hat er Stein für Stein abtragen und in seiner Heimatgemeinde Schliersee in der Alpenregion Wendelstein wieder aufbauen lassen. Beim aufwändigen Prozess des Häuser-Verpflanzens legt der ehemalige Skirennläufer selber Hand an. Den ersten Hof hat er sogar fast alleine wieder aufgebaut und ist auch in allen anderen Museumsbereichen ständig im Einsatz. "Ich bin hier sozusagen das Mädchen für alles", sagt er. Sieben weitere Gebäude sollen in den nächsten Jahren hinzukommen und ein Dorf aus hölzernen und steinernen Zeitzeugen bilden. Zudem plant Wasmeier ein historisches Wintersportmuseum aber das ist Zukunftsmusik.

Fest steht: Ab Mai 2007 können Besucher durch das "Markus Wasmeier Bauernhof- und Wintersportmuseum" schlendern und dabei das Leben im Bayerischen Oberland vor über 300 Jahren so authentisch wie möglich erleben. "Egal, ob großer Bauernhof, Backofen oder Schuppen. Wichtig ist mir, jedes noch so kleine Detail zu erhalten und wieder aufzubauen", sagt Wasmeier.

Mit dem fast 500 Jahre alten "Lukas Hof" hat der ehemalige Skirennläufer sogar eines der ältesten Anwesen der Region in sein Museum verfrachtet. In mühevoller Kleinarbeit wurde das uralte Gehöft mit seinen stattlichen Maßen von 13 mal 23 Metern Länge vom Ufer des Tegernsees an den Schliersee versetzt. Von Ruhestand keine Spur: In den Gemäuern kehrt im Frühjahr neues Leben ein. Die Höfe sollen nach vollständiger Rekonstruktion wieder bewirtschaftet werden. Besucher können den Handwerkern, Landwirten und sogar einem Braumeister über die Schultern schauen. Auf dem 60.000 qm großen Gelände sollen Tiere angesiedelt und Getreidesorten angebaut werden, die eigentlich schon längst in Vergessenheit geraten sind.

Ein Spaziergang durch die bäuerliche Geschichte Oberbayerns bietet sich auch im Freilichtmuseum Glentleiten in der Zugspitz-Region an. Rund 40 Gebäude, darunter zahlreiche Höfe, Mühlen, Almgebäude und Werkstätten gruppieren sich zu einem Dorf. In manchen Stuben können Besucher am rustikalen Esstisch Platz nehmen, sich an kunstvollen Kachelöfen wärmen oder beim Anblick von Sofas, Vitrinen und Anrichten wie aus Omas Zeiten in Nostalgie schwelgen. Nach der Winterpause lädt das größte Freilichtmuseum in Oberbayern ab 31. März wieder zur Zeitreise ein und bietet zahlreiche spannende Sonderführungen an, die auf Anfrage gebucht werden können. Beim "Buttern" erfahren Besucher zum Beispiel alles rund um die Ernährung im historischen Oberbayern und dürfen sich am Gummi-Euter selber im Melken versuchen. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr.

Während man im Freilichtmuseum Glentleiten durch ganz Oberbayern spaziert, beschränkt sich das Bauernhausmuseum Amrang auf die Region zwischen Chiemsee, Inn und Salzach. Die bis zu 500 Jahre alten Werkstätten, Häuser, Höfe und technischen Anlagen spiegeln den Alltag vergangener Epochen wider und gewähren Einblicke in das harte Leben und Arbeiten auf dem Land. Nach der Winterpause sind die imposanten Zeitzeugen am Chiemsee ab 18. März, dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr, begehbar.

Ein paar hundert Jahre mehr auf dem Buckel haben die Exponate im nahe gelegenen Römermuseum Bedaium in Seebruck. Die Chiemsee-Gemeinde gilt in Fachkreisen als der besterforschte Römerort in Bayern. Viele Relikte lassen sich per Pedes auf einem archäologischen Rundweg erkunden, dessen Ausgangspunkt der Museumsvorplatz bildet. Weiter geht’s vorbei an den Überresten einer römischen Räucherkammer und einem Friedhof zu einem frühgeschichtlichen Gehöft samt Wohnhaus, Stall und Werkstatt, das vermutlich aus dem 3. Jahrhundert v. Christus stammt.

Noch weiter in die Geschichte reist man im Chiemgau: Dort lädt das Mammutheum in Siegsdorf dazu ein, sich auf die Spuren der gigantischen Urzeitviecher zu begeben. Hauptattraktion sind neben den echten Mammutknochen, die vor über 20 Jahren in Siegsdorf gefunden wurden, die zahlreichen Vorführungen. Besucher können erleben, wie unsere Urahnen Äxte, Harpunen und Feuerbohrer für die Jagd anfertigten. Oder mit welchen Tricks der Neandertaler Feuer machte. Wer selber mal wie ein Steinzeitmensch leben möchte, kann Seminare im Bogenbau besuchen, steinzeitliche Medizin, kultische Tätowierkunst oder Küche à la Neandertaler und vieles mehr kennen lernen. Das Mammutheum ist von Ostern bis Ende Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

In die Welt der Waldarbeiter entführt das Holzknecht-Museum im nahen Ruhpolding. Zahlreiche Workshops bringen kleinen Besuchern das Leben der Holzknechte nahe: Unter dem Motto "Ja so warns" können Kinder ab sieben Jahren in die Kleider der Waldarbeiter schlüpfen, ihr Werkzeug testen und ihre meist kargen Hütten anschauen. Geöffnet ist das Holzknechtmuseum von Mai bis Oktober täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr. Tief hinein in die Berge des Voralpenlandes führt das Bergbaumuseum Peißenberg im Pfaffenwinkel. 200 Meter lang ist der Stollen, durch den Besucher mitten ins Herz des Kohlebergbaus in Oberbayern gelangen. Förderwagen, Werkzeuge und Maschinen veranschaulichen hier die Arbeit unter Tage. Zudem erfahren Besucher, wie sich die Kohleförderung in Peißenberg von mühsamer Handarbeit bis hin zum hochmodernen Bergwerk entwickelte. Übrigens: Die Ära der Kohle begann hier bereits im 16. Jahrhundert und endete 1971.

Vom schwarzen zum weißen Gold: 400.000 Besucher lassen sich jährlich durch das Salzbergwerk Berchtesgaden führen. Sie sausen mit der Grubenbahn in den Berg, gleiten über eine 40 Meter lange Holzrutsche und gondeln über den unterirdischen Salzsee. Unterwegs erfahren sie alles rund um die weiße Pracht, die bereits seit 500 Jahren im Berchtesgadener Land zu Tage befördert wird. Öffnungszeiten: Bis 30. April täglich von 11.30 bis 15 Uhr und vom 1. Mai bis 31. Oktober von 9 bis 17 Uhr. Anschließend lohnt sich ein Besuch der Alten Saline in Bad Reichenhall, die einst Bayernkönig Ludwig I. erbauen ließ. Ein Netz aus weit verzweigten Stollen und Grotten führt seitdem zum Ursprung der Salzgewinnung. Die Saline und das Salzmuseum sind bis zum 30. April dienstags bis freitags sowie jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr und vom 1. Mai bis Ende Oktober täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Uraltes Handwerk gibt’s in der Zugspitz-Region zu sehen: Im Pilatushaus in Oberammergau können Besucher den Holzschnitzern auf die flinken Finger schauen oder die hohe Kunst der Glasmacher bestaunen. Wer lieber mal mit dem Komponisten Richard Strauss telefonieren möchte, sollte sich in dessen Wahlheimat Garmisch-Partenkirchen begeben: Eine Erlebnisausstellung im weltweit einzigartigen Richard-Strauss-Institut befasst sich mit Leben und Werk des Musikers.

Ein berühmtes Sammelsurium nahezu aller Themengebiete ist das Deutsche Museum in München. Von Naturwissenschaften über Energie, Landwirtschaft, Steinzeit und Kommunikation bis hin zu Luft- und Raumfahrt der Star der oberbayerischen Museen bietet die breiteste Palette an Exponaten. Die insgesamt 50 Ausstellungsbereiche auf 47.000 qm sind nahezu täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.